Krankgeschrieben. Doch für den Lehrling und den Mann muss das Zmittag auf den Tisch. Der Hund muss raus und den Kindern muss bei den Hausaufgaben geholfen werden. Oder das Neugeborene schläft einfach nicht.
Der Mann ist wieder im Büro und Frau ist zu erschöpft, um Herrin des Haushalts zu sein. Es herrscht Not an der Frau. So beschreibt Beatrice Buess von der Landfrauenhilfe beider Basel Situationen, in welchen die Helferinnen Unterstützung bieten.
Hilfe naht nach spätestens 48 Stunden
«Wir sind eine Haushaltshilfe», erklärt Beatrice Buess. Die Landfrauenhilfe ist eine Initiative des Bäuerinnen- und Landfrauenvereins beider Basel. «Bäuerinnen unterstützen sich schon immer. Sei es nach der Geburt oder bei Krankheit», sagt sie. Beatrice Buess organisiert die Einsätze ihres Teams. Dazu gehören 16 Frauen, die im Stundenlohn arbeiten und 2025 rund 3000 Stunden leisteten.
Erhält Beatrice Buess einen Auftrag, schildert sie diesen anonym in der Whatsapp-Gruppe der Mitarbeiterinnen. Hat eine Angestellte Kapazität, meldet sie sich gleich direkt bei der Frau. Melden dürfen sich alle. Im Gegensatz zur Spitex gibt es keine Bedarfsabklärung. «Innerhalb von 48 Stunden stellen wir jemanden auf Platz», erzählt die Einsatzleiterin.
Geholfen wird nicht nur Frauen aus bäuerlichem Umfeld, sondern allen, erklärt Beatrice Buess. «Wir halfen auch einer Städterin, die nach der Geburt ihres Kindes mit dem Haushalt überfordert war.»
Frau hilft Frau
«Wir sind komplett bedürfnisorientiert», erklärt Beatrice Buess. «Die Frau sagt, wo und wobei sie Unterstützung braucht. Und wir helfen.» Das Einzige, was sie nicht sind, ist eine Betriebshilfe.
Ob sie wirklich nur Frauen helfen? «Grösstenteils schon. Wir haben nur einen Mann als Kunden. Dessen Frau starb an Krebs und wir unterstützten die beiden schon vor ihrem Tod im Haushalt.» Langjährige Beziehungen sind bei der Landfrauenhilfe keine Seltenheit. «Man darf uns aber auch nur kurz und für einige Stunden in Anspruch nehmen.»
Haushaltshilfen sind von der Zusatzversicherung anerkannt
Nicht alle Frauen melden sich gleich direkt bei der Landfrauenhilfe. Die Landfrauenhilfe ist in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland bekannt. «Es gibt Hebammen und Hausärzt(innen), die ihre Patientinnen direkt an uns verweisen», erklärt sie. Mit Verordnung ist die Landfrauenhilfe als Haushaltshilfe von der Zusatzversicherung anerkannt.
Sie haben deshalb eine klare Tarifregelung: Nichtvereinsmitglieder zahlen mit Verordnung 30 Franken pro Stunde, Vereinsmitglieder etwas weniger. Die Landfrauenhilfe finanziert sich über diese Beiträge und zusätzliche kantonale Unterstützung.
Auch in anderen Kantonen gebe es solche Initiativen. «Die sind aber oft anders organisiert», erklärt Buess. Mit den Pendants des Kantons Solothurn und Aargau würden sie sich bei Hilferufen aus kantonalen Grenzgebieten, wie dem Fricktal AG oder dem Hauenstein SO, absprechen.
Die Nachfrage nimmt aus gutem Grund zu
Hochsaison gebe es keine, sagt Beatrice Buess. Nur die Nachfrage stieg in den letzten Jahren stark an. «Heute darf Frau nach Hilfe fragen», sagt Beatrice Buess, als sie von ihren berührendsten Geschichten erzählt. Dazu gehören viele.
Schwiegertöchter etwa, die sich im Namen ihrer Schwiegermutter melden, oder ältere Frauen, die sich selbst melden und Hilfe anfordern. «Ich finde es immer schön, wenn Frauen den Hörer in die Hand nehmen. Erst dann können wir helfen», so Buess.
«Wirklich bewegend ist aber das direkte Feedback. An Versammlungen oder im Gespräch melden sich Frauen, denen wir eine Unterstützung sein konnten.» Werbung machen sie keine, alles funktioniere über Mundpropaganda.
Dass sich immer mehr Frauen meldeten, sieht Buess positiv. «Wir schämen uns weniger dafür, Hilfe anzufordern. Das ist gut so, denn wir müssen einander Sorge tragen.»