Tobias Martin vom Fachbereich Beeren des Zürcher Obstverbands und Strickhof-Berater Hagen Thoss konnten am Beeren-Fachabend im Zürcher Weinland zwei ganz unterschiedliche Produzenten begrüssen. Zum einen den 27-jährigen Joel Spaltenstein bei seiner Himbeeranlage in Flaach ZH, zum anderen den 57-jährigen Jürg Erb mit seinen Erdbeerfeldern im Nachbardorf Volken ZH. Beiden gemeinsam ist die Leidenschaft für den Anbau und die Vermarktung von Beeren. 

Die Erdbeeren werden nach Gerste gesetzt

Familie Erb produziert die Erdbeeren ausschliesslich für die Direktvermarktung. Die Beeren werden im Hofladen und an ein Restaurant verkauft. Auf dem viehlosen Landwirtschaftsbetrieb wachsen nicht nur Beeren, sondern auch Kirschen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Zwiebeln, Karotten und Kürbisse. Zum Betrieb gehört zudem ein Rebberg von 80 a mit Tafeltrauben. 10 ha sind unter dem Pflug für Getreide, Zuckerrüben, Mais, Raps und Kartoffeln.

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Die Erdbeeren wachsen in Tunneln heran, jährlich parzellenwechselnd nach Gerste als Vorkultur. Zum Bewässern nutzt Betriebsleiter Jürg Erb Tropfschläuche und bettet die Erdbeeren in Stroh. «Ich nehme das feine Stroh von der Winterweizensorte Forel», sagt er. Das Stroh wird gezettet, bis es richtig dürr ist. So vermeidet Erb Pilzkrankheiten. Bei drei Viertel der Erdbeeren nimmt er die frühe Sorte Clery. Am 25. April konnte die Familie die ersten Früchte ernten – seither läuft der Verkauf ab Hof auf Hochtouren.

Von den Spargeln zu den Himbeeren

Joel Spaltenstein hat vor drei Jahren eine Himbeeranlage erstellt. «Ich bin also noch fast ein Neuling», sagte der junge Betriebsleiter vor den über 50 Obst- und Beerenproduzenten. Er bewirtschaftet den Spargelhof Spaltenstein zusammen mit seinem Vater Rolf in einer Generationengemeinschaft. Die hohe Himbeeranlage erstreckt sich weit über 20 Reihen. Angebaut werden 10 000 Long-Canes (Himbeer-Jungruten), risikoverteilt auf frühe und späte Sorten in drei Sätzen. Die Long-Canes importiert Spaltenstein direkt aus den Niederlanden und setzt sie gestaffelt im Abstand von fünf bis sechs Wochen. Als Rankhilfen verwendet er Schnüre und Netze. «Inzwischen bevorzuge ich Netze», sagte er. Die Töpfe befinden sich auf Dachlatten, sodass die Himbeeren nie im Nassen stehen.

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Jungpflanze aus den Niederlanden

«Wir hatten vorher noch nie Himbeeren – ich muss ein Gefühl für die Kultur entwickeln», sagte Joel Spaltenstein. So verlasse er sich nicht auf Sensoren, sondern kontrolliere täglich die Anlage und laufe Reihe für Reihe ab. Sein Pflanzenschutzberater Beat Schönenberger von der Syngenta ergänzte: «Die Himbeeren sind morgens anders als am Abend.» Es sei ein Muss, bei Botrytis, Phytophthora, Milben, Blattläusen und bei Kirschessigfliegenbefall rechtzeitig einzugreifen. Es sei zudem unerlässlich, die Long-Canes bei der Lieferung auf Milbenbefall zu untersuchen.

Long-Canes sind teuer. Bestellen muss Spaltenstein die Pflanzen ein Jahr im Voraus – und eine Vorauszahlung von 75 Prozent tätigen. Die Preise für das Pflanzgut steigen, auch aufgrund der verteuerten Treibstoffpreise für den Transport. Deshalb macht sich Spaltenstein Gedanken, ob er sich nächstes Jahr auf zwei Sätze beschränkt. Sein Team erntet die Himbeeren täglich und liefert sie an die Tobi Seeobst AG in Egnach TG.

Zaunlösungen zum Schutz der Kulturen
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Florian Weber und Sandra Heinrich von der Firma Agro Weber stellten neben Jürg Erbs Erdbeerfeld zwei Zaunarten auf, die sie mit fachlichem Rat der Abteilung Jagd des Kantons Zürich entwickelt hatten. Das eine ist ein Wildschwein-Netz, das auch Wölfe draussen halten soll. Die Litzen sind mit zusätzlichen Kupferleitern versehen. Die Bodenisolatoren lassen sich hochschieben, sodass das Gras unter dem Zaun gut ausgemäht werden kann. Das zweite Netz ist ein Wildschutz-Netz zum Schutz der Beerenkulturen vor Rotwild. Durch den Kontrast der blauen und weissen Litzen ist das Netz für Wildtiere besser zu erkennen. «Dank der grossen Maschenweite sollen sich die Tiere weniger verfangen und könnten sich selbst befreien», so Florian Weber. 

«Lasst den Roboter mulchen»
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Andreas Wieland von der Taim AG in Matzingen TG stellte den «Yarbo»-Mulchroboter vor. Eigentlich für Golfplätze oder Sportanlagen geschaffen, kann er auch für Obstproduzenten eine Lösung sein, um zwischen den Reihen zu mähen. Der robuste Roboter verfügt über GPS- und Sensortechnologie, wird über eine App gesteuert und kann auch in Tunnels eingesetzt werden. Unebenes Gelände und eine Steigung bis zu 35 Grad seien kein Problem. Der Roboter kostet laut Wieland ohne Zubehör 10 000 Franken und kann sich ab einer Fläche von 10 a lohnen.