«2021 ist kein Marronijahr. Dafür war es zu kühl und nass», sagt Filipp Fässler aus dem st.-gallischen Goldach. Dennoch konnte er kürzlich 300 bis 400 Kilo Marroni ernten, das entspricht 4 bis 5 Kilo pro Baum. Seine insgesamt 400 Bäume hat er auf dem Rorschacherberg, im benachbarten Buechen und in Egnach. Wobei Rorschacherberg und Egnach von der aufsteigenden Wärme des Bodensees profitieren und sich daher besonders für den Anbau von Edelkastanien eignen.
Durch neue Jungpflanzen ersetzt
Die ersten 150 Marronibäume hatte Filipp Fässler Anfang 2016 gepflanzt. Es handelt sich dabei um die Sorten Marigoule und Marsol, die beide grosskalibrige Früchte hervorbringen. Mindestens zwei Sorten müssen es sein, da Kastanien Fremdbefruchter sind. Später pflanzte der Ostschweizer Marroni-Pionier weitere Jungbäume, doch viele davon waren zu schwach und gingen nach einer Weile ein. Diese wurden durch neue ersetzt, die nun zweijährig sind und diesen Herbst erst vereinzelt Früchte trugen.

Es ist zu erwarten, dass die Marronibäume mit den Jahren eine immer grössere Ernte bringen. «Doch leider mussten wir feststellen, dass wir die ersten Exemplare von 2016 zu eng gepflanzt haben», sagt Fässler. «Die Äste werden mit der Zeit immer mehr ineinandergreifen, was das Ertragspotenzial stark vermindert.» Daher werde man diesen Winter ein paar Bäume zurückschneiden und schauen, ob sie dann im Frühling normal austreiben. Ansonsten sei jeder zweite Baum zu fällen.
Hier sind Spezialhandschuhe nötig
Die Ernte im Oktober lief grösstenteils von Hand ab: «Viele Marroni fielen mit dem stachligen Igel auf den Boden, diese haben wir mit Spezialhandschuhen aufgelesen», so der pensionierte Gemüsegärtner. «Normale Arbeitshandschuhe vermögen die Stacheln nicht abzuwehren. Bei einigen haben wird mit einer Greifzange nachgeholfen, auch sind wir mit einer Obstauflesemaschine durch die Reihen gefahren.» Anschliessend wurden die Marroni eine Woche lang gewässert und daraufhin langsam getrocknet. Dazu kamen sie in Kisten, die jeweils nur mit einer Schicht gefüllt sind, damit genügend Luft dazu gelangt.
Seine Ernte verkauft Filipp Fässler an die regionale Gastronomie sowie an die Bischofszell Nahrungsmittel AG. Diese wird die Marroni schälen lassen und zu verschiedenen Produkten verarbeiten.
Fässler ist es ein grosses Anliegen, dass die Landwirte in der Region vermehrt Marronibäume anpflanzen. «Zum einen wächst damit die Vielfalt an Baumkulturen», ist der St. Galler überzeugt. «Zudem profitiert die Umwelt von jedem einzelnen neu gepflanzten Baum.» Ausserdem ermögliche eine Marroniernte den Landwirten eine zusätzliche Einnahmequelle, beispielsweise für die Direktvermarktung im Hofladen. Und auch die Konsumenten würden ein reichhaltiges Schweizer Marroniangebot schätzen. Erst kürzlich habe ein Bauer im Nachbardorf rund 100 Bäume gepflanzt. «In Frage kommen tiefgründige Böden ohne Staunässe und eine eher mildere Lage», sagt Fässler. Um die Eignung von Standorten und Sorten zu überprüfen, plane er demnächst einen Sortenversuch auf verschiedenen Betrieben.

