Er ist weiterhin das Thema schlechthin unter den verbliebenen Milchproduzenten – der Melkroboter. Die Kinderkrankheiten des Systems sind längst ausgemerzt, die gewonnene Flexibilität für die Tierhalter anerkannt. Diskutiert wird aktuell vor allem über die Fütterungsstrategie.

Ein Neubau mit Melkroboter

Konkret: Passen Roboter und Weidegang – damit ist nicht die Fitnessweide gemeint, sondern ein Anteil von über 50 Prozent in der Ration – gut zusammen? Und falls ja, braucht es ein gesteuertes Weidetor? Diesem Thema war eine Fachtagung von DeLaval gewidmet. Um die 40 Interessierte aus der ganzen Deutschschweiz waren im Luzernbiet unterwegs. Besucht wurde dabei der Biobetrieb von Sepp Kaufmann im luzernischen Wauwil. Vor gut 20 Jahren bauten Kaufmanns den Anbindestall um in einen Laufstall. Vor zwei Jahren wurde angebaut, darin Platz fand auch ein VMS 300 von DeLaval.

Zuvor wurden die gegen 40 Kühe (SF/Simmental) in einem 3er-Tandem-Melkstand gemolken. Sepp Kaufmann und sein Vater sind im Sommer häufig mit ihren Ballenpressen unterwegs. «Der Melkroboter brachte Ruhe in den Nachmittag», sagte Kaufmann. Und ruhiger sei auch die Herde. Bei Kontrollen oder auch beim Abmisten bringe man die Tiere nicht mehr aus der Ruhe.

Erster Sommer schwierig

Die Inbetriebnahme und das Einmelken verliefen, abgesehen von einem Werk-Fehler am Roboter, der nach Eruierung rasch behoben werden konnte, «super», so Kaufmann. Die ersten fünf Tage gab es im Roboter lediglich etwas Kraftfutter, danach wurde auch gemolken. Dann wagten sich Kaufmanns an das Thema Weide. Auf den 32 ha LN setzt Sepp Kaufmann voll auf Graswirtschaft. Also kein Ackerbau und auch keine Dürrfutterproduktion im Sommer.

Für die Weide steht hauptsächlich eine 3 ha grosse Parzelle unmittelbar neben dem Laufhof zur Verfügung. Geführt wird sie als eine Art Kurzrasenweide. Nach Notwenigkeit wird stellenweise ausgezäunt und gemulcht. «Im ersten Sommer war die Weide eher schwierig», gibt Kaufmann zu. Die Kühe blieben am liebsten draussen. Dieses Jahr hingegen laufe es sehr gut. Geändert habe er kaum etwas. Vielleicht animiere der schöne Sommer 2022 die Tiere eher, ab und zu den Stall aufzusuchen.

Kein Stau vor dem Roboter

Um zirka 5.30 Uhr wird das Tor im Laufhof in Richtung Weide geöffnet. Ein grosser Teil der Herde gehe dann auf die Weide. Einen Stau am Roboter gibt es nicht, wenn die ersten spätestens um 9.30 Uhr, wenn frische Grassilage vorgelegt wird, zurückkehren. Ab 4.30 Uhr ist nämlich bereits Betrieb. Licht geht an, die automatisierten Zuschieber und Mister nehmen den Betrieb auf und entsprechend gehen bereits Kühe zum Melken.

Nachtweide habe er probiert, aber die Idee wieder fallengelassen, erklärte Sepp Kaufmann seinen Berufskollegen. Einerseits wollten seine Kühe spätabends nicht mehr in den Stall zurück, anderseits möchte auch er Feierabend und nicht jeden Abend vor dem zu Bett gehen noch Rindvieh zusammentreiben.

Je nach Herdengrösse möglich

Auf seinem Betrieb geht es also ohne Weidetor. Urs Schmid von DeLaval bestätigte, dass es bei dieser Herdengrösse möglich sei. Spätestens ab 50 Kühe werde es dann schwieriger.

Der Stalldurchschnitt Betrieb Obermoos liegt bei 6500 Kilo. Gefüttert wird ausschliesslich Weidegras und Grassilage. Als Lockfutter gibt es im Roboter einen Maisersatzwürfel und für frisch gekalbte eine Getreidemischung.