Die Rübenimporte machten letztes Jahr 29 Prozent des in der Schweiz verarbeiteten Zuckers aus. Deshalb waren die Folgen des defekten Kalkofens in Frauenfeld auch während dieser Kampagne ennet der Grenze deutlich spürbar. In Deutschland beispielsweise stauen sich laut einem Bericht von Agrarheute die Rübentransporte in Richtung Schweiz.

In der Schweiz wurden als Teil einer Notlösung Liefertermine storniert und zusätzliche Trassees gekauft, um Rüben für die Verarbeitung von Frauenfeld nach Aarberg zu bringen (wir berichteten). Entsprechende Folgewirkungen hat das auch für die Deutschen Berufskollegen und Berufskolleginnen – und für das Endprodukt Zucker

Deutsche Rüben im Schweizer Zucker: Warum?

Abo Am 3. Januar verarbeitet Frauenfeld wieder Rüben Krisenmanagement bei Schweizer Zucker AG: Frauenfelder Werk nach Ofenausfall vor logistischen Herausforderungen Mittwoch, 31. Dezember 2025 So ist im Dezember wegen der Umorganisation der Lieferketten ein kleiner Anteil Zucker aus deutschen Rüben im Schweizer Zucker gelandet, wie Raphael Wild sagt. Grund dafür ist die Dringlichkeit für die Verarbeitung von Rüben, die im Zug angeliefert wurden. «Eine Vermischung war angesichts der logistischen Hürden für die betroffenen 700 Tonnen Zucker, die bis Anfang Dezember angeliefert wurden, nicht vermeidbar», sagt der Leiter Kommunikation. Im Verhältnis zu den 163000 Tonnen Zucker, die bisher produziert wurden, macht dieser Teil jedoch nur 0,4% der Produktion aus, betont Wild.

Das Schweizerkreuz auf der Zuckerpackung geht deshalb noch lange nicht verloren. Dass deutscher Zucker mit Schweizer Zucker vermischt würde, sei im Rahmen einer Ausnahmeregelung in Ansprache mit der technischen Kommission von Suisse Garantie ausgehandelt worden, erklärt Raphael Wild im Gespräch mit der BauernZeitung.

Seit Anfang Dezember kommen keine Deutsche Rüben mehr in die Schweiz

Nun sind seit Anfang Dezember keine Deutsche Rüben mehr eingeführt worden. In der Folge musste Süddeutschland einen Teil seiner Rüben selber verarbeiten. Wild betont, dass Schweizer Zuckerrüben prioritär behandelt würden. Erst, wenn der Betrieb in Frauenfeld wieder laufe, kann unseren nördlichen Nachbarn ein grünes Licht gegeben werden. Diese hätten «natürlich wenig Freude», wie Wild weiss. Aber der EU-Zuckerbranche habe momentan ganz andere Probleme. So kämpfen Deutschland und die EU derzeit mit einer Zuckerflut – Produzenten werden Prämien bezahlt, um nicht Zuckerrüben anzupflanzen. Dass die deutschen Produzenten nicht nach Frauenfeld liefern konnten, ist ein Ärgernis, aber geharnischte Reaktionen seien bei der Schweizer Zucker AG bislang keine eingegangen, erzählt Wild.

2024: Import von 477 000 Tonnen

Bis 2015 importierte die Schweizer Zucker AG ausschliesslich biologisch angebauter Zuckerrüben. Seither führte sie für eine bessere Auslastung der beiden inländischen Zuckerfabriken ergänzend konventionelle Zuckerrüben ein. Letztes Jahr erreichten die zollfreien Zuckerrübenimporte laut Zahlen des Agrarberichts mit 477 000 Tonnen und einem und einem Warenwert von 35 Millionen Franken ein Rekordhoch. Die Schweizer Zucker AG prognostiziert für 2025 eine Importmenge von 430 000 Tonnen. Steigt die Schweizer Anbaufläche künftig wieder, wird die Schweizer Zucker AG die Importe entsprechen senden. Die Schweizer Zucker AG sucht weiterhin Schweizer Produzenten.

Die ergänzenden Zuckerimporte, also für die Auslastung der beiden Werke, stammten laut Agrarbericht grösstenteils aus der EU und beliefen sich auf knapp 100 000 Tonnen.