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«Wir müssen unsere Preise besser verhandeln»

Am Podium der Berner Landwirtschaft wurde der Konsument unter die Lupe genommen. Die Diskussionsrunde war sich einig: man dürfe weder dem Konsumenten noch dem Markt alle Entscheidungen überlassen.

Als «Schizophrenie des Konsumenten» bezeichnete der renommierte Ökonom Mathias Binswanger die Stagnation der Label- und Bio-Käufe. Die Landwirtschaft könne gar nicht alle Ansprüche erfüllen, die man an sie stelle. Und noch etwas stellte Binswanger in seinem Inputreferat fest: «Die Schweizer Landwirtschaft lohnt sich wirtschaftlich nie, man kann im Ausland alles günstiger kaufen.»

Es gebe jedoch sehr gute Gründe dafür, an der Schweizer Landwirtschaft festzuhalten und sie entsprechend zu schützen. Dazu gehört nicht nur Grenzschutz, sondern auch der Schutz vor Wirtschaftsmächten im Inland. «Wir müssen schauen, dass die Wertschöpfung wieder auf den Bauernhöfen landet», betonte er.

Es braucht Regeln

Das traditionelle Podium der Berner Landwirtschaft befasste sich mit dem Einkaufszettel von 2050 und der Frage, warum der Stimmbürger vom Sonntag anders agiert als der Konsument am Montag. Obwohl der Präsident des Berner Bauernverbands, Hans Jörg Rüegsegger, eine hochkarätige Podiumsrunde einberufen hatte, blieb die Frage, was der Konsument denn nun will, weitgehend unbeantwortet. Dies liegt einerseits an dessen unberechenbarem Verhalten und an schwer einschätzbaren Ernährungstrends, andererseits aber auch am Marktversagen.

Die Diskussionsrunde mit dem Ökonomen Mathias Binswanger, BLW-Direktor Christian Hofer, SBV-Direktor Martin Rufer, den Direktvermarkterinnen Regina Moser und Aline Gerber sowie HAFL-Dozent Matthias Meier war sich jedoch einig: man dürfe weder dem Konsumenten noch dem Markt alle Entscheidungen überlassen. Solle sich die Schweizer Landwirtschaft in eine gesunde Richtung weiterentwickeln, brauche es Regeln, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette, unterstrich auch der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, Christian Hofer.

Die Richtung, die die Agrarpolitik mit mehr Markt und mehr Ökologie eingeschlagen habe, sei sicher richtig gewesen, doch nun brauche es nicht mehr nur Agrarpolitik, sondern eine Ernährungspolitik: «Man muss die Konsumenten mit in die Verantwortung nehmen», betonte er. Dabei gehe es auch um Kostenwahrheit wie etwa Umweltkosten, die sich idealerweise auf den Preis auswirken sollten. So müssten der Markt und damit die Preise weltweit spielen, damit Konsument und Produzent sich entsprechend ausrichteten.

Sprachrohr Direktverkauf

Eine gute Möglichkeit, wie Konsument und Produzent direkt in Kontakt kommen, bietet die Direktvermarktung. Ja sie könne gar die Preissensibilität des Konsumenten ein Stück weit aushebeln, ist Mathias Binswanger überzeugt. Doch sie biete mehr als nur ein Zusatzeinkommen, betonten die beiden Direktvermarkterinnen.

Aline Gerber, die fast alle Produkte auf ihrem Hof in Kaufdorf direktvermarktet, betonte: «Verkauft man seine Produkte dem Grosshandel, bekommt man, wenn, dann nur negative Rückmeldungen.» Verkaufe man jedoch direkt an den Konsumenten, gebe man einerseits dem Konsumenten ein gutes Gefühl und andererseits habe man direkt das Feedback, was gefragt sei und was nicht.

Ausserdem könne man viel aus erster Hand kommunizieren. Sie erlebe die Kunden ihres Hofladens als sehr interessiert und lasse sie gerne am Leben ihrer Hennen teilhaben. «Es geht bei der Direktvermarktung viel um Vertrauen», betonte sie. Dies unterstrich auch Binswanger: «Der Mensch ist beim Einkauf nicht rational, es spielt eine grosse Rolle, wo er das Geld ausgibt.» In der Praxis bedeutet dies: Hat der Kunde eine Beziehung zu «seinem» Landwirt aufgebaut, kauft er dort ein, weil die Philosophie zu ihm passt, ihm der Landwirt entspricht. Dann wird wenig auf den Preis geschaut.

Besser verhandeln

Die Grenzen der Direktvermarktung betonte der Direktor des Schweizer Bauernverbands, Martin Rufer. Zwar mache rund ein Viertel aller Betriebe Direktvermarktung, unter dem Strich würden aber nur sieben Prozent des Umsatzes so generiert. Den Grossteil müssen die Landwirte im Grosshandel erwirtschaften und sind dann der Macht von ein paar wenigen ausgesetzt. Bei dieser sich stets verstärkenden Marktmacht müsse allenfalls auch die Wettbewerbskommission hinschauen, betonte Rufer.

Aber er ortete auch eine andere Problematik: «In der Landwirtschaft haben wir die einzigartige Problematik, dass unsere eigenen Verhandlungsteilnehmer verkünden, warum Preiserhöhungen nicht möglich sind.» Hier erwartet er mehr Selbstvertrauen: «Wir müssen unsere Preise besser verhandeln. Die Organisationen müssen hier einen Zacken zulegen.» Der Produzentenpreis sei nicht reine Mathematik, sondern auch das Ergebnis von Verhandlungen.

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