Der Schweizer Raufutterverband traf sich in der Mühle in Matzingen (TG) zum traditionellen Treffen mit den Handelspartnern aus Deutschland. Den Austausch nutzen die Raufutterhändler zur Marktlagenbeurteilung.
Fritz Neuhöfer, Raufutterhändler aus Köln und Präsident des deutschen Verbands, gab einen Überblick über den Raufutterhandel in Deutschland. Beim Stroh zeige sich ein starkes Süd-Nordgefälle. Im Süden Deutschlands seien die Preise höher, im Norden um einiges tiefer. Dazwischen liegen 800 bis 1000 km «und die Tankfüllung kostet immer mehr», fasste er zusammen.
Die Nachfrage aus der Schweiz und auch aus Österreich nach Stroh sei rückläufig. Immer mehr werde auf Strohpellets umgestellt. Beim Heu sei das Nord-Südgefälle in Deutschland nicht ganz so stark, schloss er. Aus dem Südtirol war zu vermelden, dass die Qualität von Heu und Stroh in Italien aufgrund der Trockenheit im vergangenen Jahr schlecht war.
Der Stroh-Lagerbestand bei den Vertretern des umliegenden Auslands und auch der Schweizer Händler reicht knapp bis zur kommenden Ernte. Stroh sei zwar weiterhin gesucht. Aber niemand kaufe mehr auf Vorrat. «Man kauft, was man grad braucht», war an der Mitgliederversammlung zu hören.[IMG 2]
Qualität ist gesucht
Ähnlich tönt es beim Heu. Rückblickend auf das vergangene Jahr sei die Nachfrage nach Heu und Emd gut gewesen. «Jene, die jetzt kaufen, kommen kurzfristig und wollen top Qualität», war der Tenor. Wie bei Stroh gehen auch beim Heu die Lagervorräte allmählich zu Ende.
Die Tankfüllungen beziehungsweise die steigenden Dieselpreise waren auch unter den Schweizer Raufutterhändlern ein Thema. So entschieden sich die Mitglieder nach kurzer Diskussion, die Richtpreise für Heu und Stroh anzupassen. Der Richtpreis für Einstreu-Stroh erhöht sich dadurch um 2 Franken, jener für Heu um 1 Franken. Die neuen Richtpreise:
Heu-Richtpreise
- Stockbelüftetes Heu in Grossballen gepresst, verladen, ab Hof: 30.- bis 33.-
- Feldgepresstes Heu in Grossballen, verladen, ab Hof: 18.- bis 21.-
- Feldgepresstes Heu in Kleinballen, verladen, ab Hof: 22.- bis 25.-
- Bio zertifizierte Ware: plus 10 bis 15 %
Stroh-Richtpreise:
- in Grossballen gepresst, verladen, ab Hof: 17.-
- in Kleinballen gepresst, verladen, ab Hof: 21.-
- lose ab Schwad (von 2025): 5.-
- Bio zertifizierte Ware: plus 3.- bis 4.-
Handelsmarge schrumpft
«Die Dieselpreise sind zwischen 40 und 50 Rappen gestiegen, das verursacht unserem kleinen Handelsbetrieb Mehrkosten bis zu rund 1000 Franken pro Woche», begründet Fabian Gut, Präsident des Schweizer Raufutterverbands, die Preiserhöhung. Sie seien gezwungen, diese Kosten an ihre Kundschaft abzuwälzen. «Wir sind ein offener Markt und stehen unter starkem Wettbewerbsdruck durch die ausländischen Händlern», so Gut weiter.
«Die gegenwärtige Krise am Milchmarkt ist ein Elend. Die Schere zwischen Kosten und Einnahmen öffnet sich. Im Gespräch mit den Landwirten ist dieses Ungleichgewicht spürbar – nicht aber beim Bestelleingang», berichtet Fabian Gut und weiter: «Wenn die Landwirte Heu bestellen, wollen sie Qualität, denn eine schlecht gefütterte Kuh verursacht immer Mehrkosten.» Ebenso könnten die Landwirte auch bei Stroh nicht sparen. «Ansonsten hat man Probleme mit dem Tierschutz und doppelten Schaden.»
Regional hat sich der Schweizer Raufutterhandel verändert. «Früher lieferten wir sehr viel Heu in den Kanton Graubünden. Die Tierzahlen sind gesunken, demzufolge auch der Bedarf nach Heu und Stroh. In der Ostschweiz, insbesondere im Kanton Thurgau, hat es hingegen immer grössere Betriebe mit mehr Tieren. Sie sind gezwungen, die Produktion zu steigern, um auf ein vergleichbares Einkommen zu kommen. Dadurch steigt der Futterbedarf nach Heu und Stroh», erklärt Fabian Gut.