Zur Bewältigung der Überproduktion im hiesigen Schweinemarkt wird bei den Schweineproduzenten seit Mitte Februar 2026 ein Einzug von 20 Rappen pro Kilogramm Schlachtgewicht zur Speisung eines Fonds vorgenommen. Bis und mit Freitag, 1. Mai, werde diese Massnahme umgesetzt, schreiben die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande und der Schweineproduzentenverband Suisseporcs in einer Medienmitteilung. Für Schlachtungen ab Montag, 4. Mai, wird der Einzug auf 10 Rappen pro Kilogramm Schlachtgewicht reduziert.
Notfallkonzept läuft seit Februar
Um der Überproduktion im Schweinemarkt im Sommer entgegenzuwirken, einigten sich die Marktteilnehmenden unter der Federführung der erweiterten Fachkommission Markt von Suisseporcs im Februar 2026 auf den Einzug dieser 20 Rappen. Pro Schlachtschwein also rund 18 Franken, verteilt auf 12 Franken für den Züchter und 6 Franken für den Mäster. Damit wurde ein Fonds geschaffen, aus dem Massnahmen zur Marktentlastung, insbesondere im Bereich Export, finanziert werden konnten.
Der Fonds wurde bei der Branchenorganisation Proviande auf Antrag von Suisseporcs eingerichtet. Das Notfallkonzept stammt aus der letzten Schweinekrise von 2022, als Jager exportiert werden mussten.
Im Herbst droht wieder Ungemach
«Die eingeleiteten Marktentlastungsmassnahmen haben erste Wirkung gezeigt», schreiben Proviande und Suisseporcs. Mit diesen finanziellen Mitteln könne der Markt entlastet werden. Aufgrund der saisonal steigenden Nachfrage nach Schweinefleisch hat die mit dem Auftrag betraute, branchenübergreifende Arbeitsgruppe unter der Führung von Suisseporcs beschlossen, den Einzug auf 10 Rappen pro kg Schlachtgewicht für Schlachtungen zu reduzieren. Damit bleibe die Branche handlungsfähig.
Für eine Entwarnung ist es allerdings zu früh, die Produktion läuft noch immer über den fürs Portemonnaie der Schweineproduzenten gesunden Inlandanteil von 90 bis 92 Prozent. In Bezug auf die voraussichtliche Marktlage im Herbst wird mit weiteren, grösseren Herausforderungen im Schweinemarkt gerechnet. Der Export von Schlachthälften sei dann eine mögliche Option.
Mengenbegrenzung steht im Raum
Die aktuelle Schweinekrise verstärkte den Ruf nach einer Lenkung der Produktion. Um die wiederkehrenden Verwerfungen im Schweinemarkt zu vermeiden, erarbeitete der Produzentenverband Suisseporcs mit der Unterstützung der Branche – insbesondere unter Einbezug des Schweinehandels – eine Lösung für eine marktgerechte Mengenbegrenzung. Das Konzept steht.
Durch die vorzeitige Stilllegung veralteter Strukturen soll die Anzahl der Muttersauen dem Marktpotential angepasst werden. Finanziert werden sollen die Stilllegungsprämien durch die Produzenten selbst, über einen Fonds bei Proviande. Am 6. Mai wird anlässlich der ordentlichen Suisseporcs-Delegiertenversammlung darüber debattiert.
Entschieden wird an einer ausserordentlichen DV Ende Mai – vielleicht. Denn an der ordentlichen DV wird über einen Antrag der Ostschweizer Sektion befunden. Die Suisseporcs Ostschweiz möchte die ausserordentliche DV und somit die Abstimmung über die Stilllegung sistieren, um in einer Arbeitsgruppe eine zweite Variante auszuarbeiten und Zeit zu gewinnen.