Der April ist ein besonderer Monat für Andrea und Joël Näpflin. Im April 2022 heirateten sie und im April vergangenen Jahres übernahmen sie Joëls elterlichen Hof in Oberhofen TG – nicht ohne, dass zuvor 2023 die Betriebsleiterwohnung und die darunterliegende Parterrewohnung mit einem Holzbau erweitert wurden. Der Betrieb setzt auf Ackerbau, Hochstämmer und Jagerproduktion. Letzteres ist das wichtigste Betriebsstandbein. «Alles richtet sich nach dem Abferkeln», sagt Joël Näpflin.
Beruflicher Start im Gartenbau
Aber weder prangt auf seiner Softshelljacke das Logo «Saugut» noch das einer Futtermittelfirma, sondern der stilisierte Baum der Firma Grolimund Gartenbau. «Ich bin Mitinhaber», erklärt Joël Näpflin. Er wuchs mit drei Schwestern auf. Die Eltern hätten nie Druck ausgeübt, dass eines der Kinder in die Landwirtschaft einsteigt.
So lernte er Landschaftsgärtner bei der Grolimund Gartenbau AG in Erlen TG. «Hauptsache nicht mehr die Schulbank drücken». Der Beruf gefiel ihm, sodass er an der Gartenbauschule Oeschberg 2013 den Gartenbautechniker HF abschloss. Dann kletterte Näpflin die Karriereleiter hoch. Da der Seniorchef Grolimund keine Nachkommen hatte, durfte Näpflin 2016 zusammen mit zwei langjährigen Mitarbeitern die Firma mit 50 Angestellten übernehmen.
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Handwerksgeschick für Eigenleistung
So oft es das Arbeitspensum zuliess, half Joël Näpflin auf dem elterlichen Betrieb mit. 2019 absolvierte er den Direktzahlungskurs in Flawil SG. «Die Zweitausbildung als Landwirt am Arenenberg lag neben der Verantwortung und der Arbeit im Gartenbau nicht drin», sagt er. Die Hofübernahme 2025 war ein wohlüberlegter Schritt. Der Betrieb sei gut aufgestellt. Die Wertschätzung, die Joël Näpflin seinen Eltern entgegenbringt, ist spürbar. «Sie haben gut gewirtschaftet.» Dank des handwerklichen Geschicks seines Vaters wurde hauptsächlich in Eigenleistung saniert, um- und neugebaut. Der 37-Jährige erinnert sich, dass fast in jedem seiner Schuljahre irgendwo auf dem Hof eine Baustelle war.
Anfang 2025 zog sich Näpflin aus dem operativen Gartenbaugeschäft zurück. Er bleibt Mitinhaber, aber mischt sich nicht mehr ins Tagesgeschäft ein. «Man kann nicht an zwei Orten gleichzeitig vollen Einsatz geben», bemerkt er.
Produktion im AFP-Ring
Der Betrieb verfügt über 50 Abferkelplätze. Wie sein Vater betreibt auch Joël Näpflin in einem Ring arbeitsteilige Ferkelproduktion (AFP-Ring). Er kauft vom Deckbetrieb in Affeltrangen-Zezikon TG die tragenden Muttersauen. Im Vierwochen-Rhythmus ferkeln sie in zwei Gruppen ab. «Die hohe Präsenzzeit während des Abferkelns – auch nachts – ist entscheidend. Ich will ja Ferkelverluste minimieren», kommentiert er. Die 25 kg schweren Jager liefert er an seinen ihm zugewiesenen Mäster im Nachbardorf. Dann ist die Stallreinigung dran. Der Hochdruckreiniger mache auf seinem Betrieb mehr Stunden als die Traktoren.
Betriebsspiegel
Andrea und Joël Näpflin mit Mauro (3 ½) und Aaron (2)
Ort: Forch, Oberhofen TG
LN: 40 ha
Tierhaltung: 50 Abferkelplätze
Betriebszweig: Hochstamm-Obstgarten (ca. 150 Feldobstbäume)
«Der Markt lässt sich nicht steuern»
Zur gegenwärtigen Marktsituation meint er: «Die Nachfrage nach meinen Jagern ist ungebrochen hoch.» Jeder müsse schauen, was für seinen Betrieb stimmig sei – eine temporäre Reduktion der Kapazität (Plätze) sei in dieser Tiefpreisphase auch ein zusätzlicher Kostenpunkt, denn die Fixkosten und das Arbeitspensum würden nicht proportional sinken. «In guten Jahren muss man Reserven bilden, um Tiefpreisphasen zu überbrücken», fährt er fort.
Für Näpflin, der 15 Jahre im Gartenbau tätig war, ist das nichts Neues. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Ende Winter habe jeder Gärtner seine Reserven aufgebraucht. Im Frühling seien die Preise im Keller, weil jeder seinen Betrieb auslasten wolle. Und im Sommer, wo alle Arbeit genug hätten, könne man besser offerieren. «Der Markt reguliert sich selbst und jeder muss sich durchbeissen», hält er fest und meint: «Wenn einer mit den Schweinen aufhören will, gibt es sicher einen, der ihn weiterfinanziert, oder wenn er bereits bei seinen Partnern verschuldet ist, kann er als selbstständiger Betriebsleiter nicht mehr eigenständig entscheiden.» Das sei in der Schweinebranche ein offenes Geheimnis – und auch, dass Händler und die Futtermühlen an jeder Sau verdienten.
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Biodiversität hat Platz
Der Zyklus im Ferkelbetrieb bestimmt die Arbeitsabläufe auf dem Feld. «Im Ackerbau habe ich mehr Puffer», sagt er. Man hole nicht das Allerletzte heraus. Aber gute Erträge machen Freude. «Wichtig ist mir die Feldhygiene und mit den Nährstoffen vom Betrieb den Kreislauf zu schliessen.» Näpflin pflegt eine vielfältige Fruchtfolge mit Brot- und Futterweizen, Gerste, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Raps und Mais. Dazu kommen Buntbrachen, Ackersäume, ein Waldbiotop, extensive Wiesen, eine Nussbaumallee und ein Q2-Obstgarten im Vernetzungskorridor. Dieser ist seit über zehn Jahren von einem Nachbarn gepachtet.
Neben alten, knorrigen Bäumen gedeihen rund 70 Äpfel- und Birnenbäume mit Mostobstsorten, die Joël Näpflin neu gesetzt hat. «Inzwischen kenne ich die Merkblätter über Obstgärten in- und auswendig», sagt er. Die alten Bäume stehen nicht schön in Reihen, sondern manchmal quer, sodass der Baumabstand nicht immer den Richtlinien entspricht – und auch nicht angerechnet werden kann. Zum Teil haben sie kaum mehr Bewuchs und sind fast mehr Strukturelement, als dass sie produktiv sind. «Aber für die Biodiversität und den Charakter eines Obstgartens ist das gut», sagt er.