«Das kann für Landwirtschaftsbetriebe mit sogenannten Auktionsanlagen durchaus eine interessante Möglichkeit sein», sagt Energieberater Raphael Heini vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV) in einer ersten Stellungnahme zum neuen Angebot des Zentralschweizer Energieversorgers CKW. Dieser hatte Ende Februar angekündigt, den sogenannten Flexibilitätsmarkt für Photovoltaikanlagen ab 150 kWp zu öffnen.

Interessant für Lieferanten ins Netz

Das entspreche Anlagengrössen, wie sie auf vielen Landwirtschaftsgebäuden installiert sind. Auktionsanlagen mit hoher Einmalvergütung produzieren nicht für den Eigenverbrauch, sondern ausschliesslich Solarstrom für das Netz, dieser wird aber nur zum Referenzmarktpreis vergütet. Und der liegt den Sommer über nur mehr bei wenigen Rappen. Künftig ist davon auszugehen, dass dieser Strom dann gar nichts mehr wert ist.

Anlage zeitweise abschalten lassen

Deshalb würden nun zur Netzstabilisierung flexible Anlagen gesucht, die zeitweise ausgeschaltet werden können (siehe Kasten). Diese Flexibilität werde den Betreibern vergütet. Das mache Solaranlagen wirtschaftlicher, besonders im Sommerhalbjahr. Laut Angaben von CKW sei die Vergütung sicher höher als der reguläre Strompreis und die Rückliefervergütung. Laut Angela Krainer, Leiterin Geschäftsbereich Energie bei CKW, könne das jährliche Mehrerlöse von 5000 bis 10 000 Franken bringen, bei einer grossen Anlage von 500 kWp.

Noch einige Fragen offen

Weil Auktionsanlagen nur für das Netz produzieren, ohne dass ein Teil des Stromes selber genutzt werde, tangiere dies auch den Bedarf eines Landwirtschaftsbetriebes nicht, erklärt Raphael Heini vom LBV. Ob sich die neue Möglichkeit auch für Eigenverbauchsanlagen eigne, sei ihm noch nicht klar: «Die Krux wird sein, ob durch die Software die gesamten Wechselrichter abgestellt werden oder ob eine Limitierung der Einspeisung gemacht wird», fragt sich Heini. Überhaupt seien zum technischen Vollzug noch viele Fragen offen. Deshalb habe er als LBV-Energieberater bereits ein klärendes Gespräch mit CKW für Ende März vereinbart.

Künftig auch für kleine Anlagen

Künftig sollen auch kleinere PV-Anlagen ab 10 kWp vom Flexibilitätsmarkt profitieren können, heisst es in der CKW-Mitteilung. Im Sommer werde man eine Partnerschaft mit dem Schweizer Technologieunternehmen Hive Power eingehen. Dann könnten auch Haushalte mit Heimspeicher, Wärmepumpe oder Elektroauto teilnehmen.

Flexibilitätsmarkt für Solaranlagen

Stromangebot und -verbrauch müssen jederzeit im Gleichgewicht sein. Solarstrom gibt es an sonnigen Tagen bereits oft mehr, als verbraucht wird. Der Flexibilitätsmarkt setzt auf Anlagen, welche die Produktion kurzfristig anpassen können und damit mithelfen, das Netz zu stabilisieren. So kann eine Solaranlage bei Überproduktion abgestellt werden, für wenige Minuten bis maximal zwei bis drei Stunden, erklärt CKW. Dafür erhält der Betreiber eine marktbasierte Vergütung. Der Flexibilitätsmarkt funktioniere automatisiert: Eine Software erkenne, wann das Netz Unterstützung brauche und steuere die Anlage entsprechend. Für die Anlagenbetreiber entstünden keine Risiken und Aufwände.