«Für mich hat der Felsenkeller Ripshausen in Erstfeld eine grosse Bedeutung, da der Käsekeller auf unserer Alp Waldnacht klimatisch nicht optimal ist und die Lagerkapazität für die gesamte Sommerproduktion nicht ausreicht», erklärt Älpler und Käser Pius Püntener auf Nachfrage. Zusammen mit seiner Familie bewirtschaftet er eine Hälfte der Alp Waldnacht oberhalb von Attinghausen UR. Dort sömmert er 42 Kühe und zirka 30 Rinder. Die insgesamt 300 Hektar Weidefläche werden von Pius Püntener und Felix Püntener bewirtschaftet, die Alp Waldnacht ist somit die grösste Privatalp im Kanton Uri.
Abenteuerlicher Weg bis in den Felsenkeller
Ein Drittel der Alpkäseproduktion von Pius Püntener geht bereits während des Sommers ins Tal in den Felsenkeller Ripshausen in Erstfeld UR. Der Weg dorthin ist allerdings sehr abenteuerlich: Vom Keller in Waldnacht wird der Käse auf einen Transporter geladen, und kommt danach auf eine Kleinseilbahn, die zur Bergstation der Brüsti-Seilbahn führt. Mit dieser gehts nach Attinghausen hinunter.
Darauffolgend werden die Käse auf einem Anhänger nach Erstfeld transportiert und dort im Käsekeller eingelagert. Insgesamt müssen die Käselaibe bei diesem Transport somit fünfmal umgeladen werden. «Es ist beruhigend zu wissen, dass die Käse in Erstfeld in einem klimatisierten und genügend grossen Keller lagern», so Pius Püntener. Er ist nicht nur Käser und Älpler, sondern auch Geschäftsführer der Genossenschaft Urner Alpkäseproduzenten (GUAP), die das neue Alpkäselager erstellt hat.
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Ein grosser Tag für die Urner Alpkäseproduzenten
Käse wird in Erstfeld zwar bereits seit dem letzten Sommer gelagert, die offizielle Eröffnung des Felsenkellers Ripshausen ging aber am 18. Mai 2026 über die Bühne. Othmar Zgraggen, Präsident der GUAP, erklärte anlässlich der Eröffnung mit eindrücklichen Beispielen die Bedeutung des Käsens und die Entstehung der GUAP. Im Kanton Uri beendeten Mitte der 1990er-Jahre die traditionellen Käsehandelsbetriebe ihre Tätigkeit. So standen die Käseproduzenten von einem Jahr auf das andere ohne stabile Vermarktungsorganisation da.
Unter der Federführung von Mitinitiator und Gründungspräsident Martin Furrer entstand die GUAP. Ziel war es, den Markt zu stabilisieren, denn der damalige Preis im freien Markt lag unter dem kostendeckenden Niveau. Zusammen mit Isidor Baumann, Verwaltungsrat der Alpkäserei Urnerboden, wurde nach einer gemeinsamen Lagermöglichkeit gesucht. Anfänglich zeichnete sich eine Möglichkeit in Amsteg UR ab, wo ein baureifes Projekt ausgearbeitet wurde. In der Zwischenzeit ergab sich allerdings die Chance, dank der Freigabe durch die Familie Lussi von der Gotthard-Bio-Pilze AG im stillgelegten Armeestollen in Ripshausen ein Lager im Felsen aufzubauen.
Erste Käselieferungen im Juli 2025
2022 wurde es konkret, und die Baukommission der GUAP übernahm die Aufgaben der Projektgruppe. Res Zgraggen, Landwirt aus Attinghausen, leitete vier Jahre lang die Baukommission. Um einen einwandfreien Betrieb des Käselagers zu garantieren, mussten Ausbauarbeiten sowie Strom-, Wasser- und Abwasseranschlussarbeiten am Stollen vorgenommen werden.
Ab März 2025 nahm dann die Einrichtung des Käsekellers Gestalt an. Insbesondere die Feineinstellung des Käsepflegeroboters war eine Herausforderung, da neben dem runden Alpkäse auch viereckiger Alp-Raclettekäse gepflegt wird. Im Juli 2025 trafen dann allmählich die ersten Käselieferungen ein. Der Käsekeller bietet Platz für 13 500 Käse, im ersten Betriebsjahr waren schon 9500 Plätze belegt.
«Das erste Betriebsjahr ist gut angelaufen, die Qualität lässt keine Wünsche offen», erklärte Kellermeister Toni Holdener anlässlich der Eröffnung. Der diplomierte Käsermeister war bereits bei der Planung und Bauphase des Lagers beratend dabei. Dank seiner grossen Erfahrung konnte er wertvolle Inputs zu Planung, Bau und Einrichtung des Kellers vermitteln. Felix Muoser, der bereits im alten Käsekeller in Attinghausen während 25 Jahren gewissenhaft die Käse pflegte, wird Toni Holdener auch in Ripshausen wertvoll unterstützen.
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Genaue Eingangskontrolle für die Käse
Bei der Anlieferung durchlaufen die Käse eine genaue Eingangskontrolle. Es werden Laborproben gemacht, darauf folgend kommen die Käse in Quarantäne. Die Lagerkosten pro 1000 Käse betragen pro Tag rund Fr. 70.–. Die Alpkäserei Urnerboden und die Alpkäserei Surenen sind die grössten Lieferantinnen. Grundsätzlich haben alle 30 Mitglieder der GUAP die Möglichkeit, von der Anlage zu profitieren.
Dank der finanziellen Unterstützung in Form von Beiträgen von Bund und Kanton, den Beiträgen der Urner Korporationen, von Stiftungen und Privaten, den Darlehen von Gemeinden, Bürgergemeinden und der ZMP sowie den Garantien der Genossenschafter konnte dieses Lager realisiert werden.