Der Countdown läuft. In drei Monaten muss alle Milch, die in der Schweiz verarbeitet wird, auf dem Grünen Teppich sein. Denn ab dem 1. Januar 2024 gilt der Branchenstandard nachhaltige Schweizer Milch für sämtliche Milchproduzenten.

Bis Mitte Jahr waren schweizweit 68 Prozent der Milchproduktionsbetriebe und 76 Prozent der Milchmenge für den Grünen Teppich bzw. für die «Übergangsfrist» angemeldet – das heisst 90 Prozent der Molkereimilch und 51 Prozent der verkästen Milch aus Silage-freier Fütterung. «Steigend, aber immer noch tief», sagt Michael Grossenbacher von der Branchenorganisation Milch (BOM) auf Anfrage.

Die Sömmerung liegt in Führung

Wer bei RAUS oder BTS nicht mitmachen kann, hat drei Kompensationsmöglichkeiten oder kann eine Übergangsfrist beantragen. Wir wollten wissen, welche Kompensationsmöglichkeit denn am meisten gefragt ist. «Die Anmeldungen verteilen sich heute gleichmässig über die drei Kompensationsmöglichkeiten. In leichter Führung ist die Sömmerung», erklärt Grossenbacher.

Gesuche für Übergangsfristen seinen aktuell rund 150 eingegangen. Davon haben gegen zwei Drittel den Nachweis erbracht, dass sie einen der vier Gründe für die Übergangsfrist erfüllen.

Mögliche Gründe sind:

  • Jahrgang 1963 oder älter
  • Betriebsübergabe bis Ende 2028
  • Stockendes Stallbauprojekt
  • Laufendes Stallbauprojekt

Wie Michael Grossenbacher erklärt, scheint für die noch nicht angemeldeten Betriebe die Grundanforderung «BTS, RAUS oder Weidebeitrag» des Grünen Teppichs die höchste Hürde. Aus dieser Erkenntnis habe man auch die Kompensationsmöglichkeiten entwickelt.

Ende Jahr kann es zu einem Stau kommen

Zur Kompensation «Basis-Gesundheitsprogramm Milchvieh» empfiehlt die BOM, sich unbedingt vor Ende Oktober anzumelden. Grund dafür sei, den Bestandestierärzten zu ermöglichen, dass diese die Betriebsbesuche neben dem Tagesgeschäft einplanen könnten, so dass die Produzenten den Nachweis für den Check fristgerecht, nämlich vor dem 31. Dezember 2023, bei der BOM einreichen könnten. Andernfalls drohe gegen Ende Jahr ein Stau, warnt Grossenbacher.

Eine der entscheidenden Fragen im Prozess dürfte sein, was mit der Milch jener Betriebe passiert, die innert einer Frist von drei Monaten nicht auf dem Grünen Teppich ist. «Entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden ab dem 1. Januar 2024 ausschliesslich Milch und Rahm produziert, gesammelt, verarbeitet und verkauft, welche die Anforderungen des Grünen Teppichs erfüllen», betont Michael Grossenbacher. Die einzige Ausnahme bilde, wie oben erwähnt, eine gewährte Übergangsfrist. «An diesem Bekenntnis der Delegiertenversammlung halten wir fest», sagt Grossenbacher.

Es wird keine Kompromisse geben

Der Vorstand habe an seiner August-Sitzung seine kompromisslose Haltung bekräftigt. Wer sich in den kommenden Monaten nicht um eine Anmeldung bemühe, müsse damit rechnen, dass seine Milch nicht mehr angenommen werde.

Das bestätigt auf Anfrage auch Pirmin Furrer, Geschäftsführer der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). «Wir sind der Meinung, dass der Grüne Teppich eine gute Geschichte ist, es dürfte nun für einige noch etwas herausfordernd werden, aber es gibt für jeden und für alle ein Lösung», so Furrer.

Am schwierigsten für Nebenerwerbsbetriebe

Herausforderungen sieht er vor allem bei Nebenerwerbsbetrieben ohne RAUS oder solchen, die denken, man habe es schon immer so gemacht und die Milch werde auch im neuen Jahr noch geholt. «Das ist definitiv nicht der Fall», sagt Pirmin Furrer. Es werde nur noch Milch geholt, die auch wirklich auf dem Grünen Teppich ist. «Wir machen so viel Gutes hierzulande, wir müssen das vermehrt ausloben und der Branchenstandard macht das schliesslich möglich», sagt er.

Mehr oder weniger hinter den Kulissen laufen auch schon die Vorbereitungen auf die Folgeversion des Branchenstandards Grüner Teppich.

AboKompensationsmöglichkeitenSo kommen Sie ohne RAUS oder BTS auf den Grünen TeppichFreitag, 21. April 2023 Wir wollten von der BOM wissen, wie es im Bereich der Weiterentwicklung der Anforderungen aussieht. «Derzeit beschäftigt sich die zuständige Arbeitsgruppe schwergewichtig damit, Klimarechner zu evaluieren», erklärt Michael Grossenbacher. Mit deren Hilfe solle der Treibhausgas-Fussabdruck von Schweizer Milch ermittelt werden. Einerseits wolle man damit die effektiven Werte (kg CO2eq pro kg Milch) ermitteln, andererseits wolle man dadurch die Produzenten für das Thema Klimaschutz sensibilisieren. «Allfällige Fortschritte könnten wir so ausweisen und somit auch künftig einen Wettbewerbsvorteil der Schweizer Milch hervorheben», ist Grossenbacher sicher.

Abstimmung folgt im Frühling

Weiter sei vorgesehen, dass der Vorstand in den Wintermonaten das Paket der zweiten Phase so weit vorbereitet, dass die Delegierten im Frühling darüber abstimmen können. Dieses Paket umfasst neben dem Klimaschutz auf der Produktionsstufe unter anderem Massnahmen zur Biodiversität, zum Tierwohl oder zum Sozialen. Auf Stufe Verarbeitung sind zudem Massnahmen zum Ressourcenschutz, zum Sozialen, zur Energie und ebenfalls zum Klimaschutz vorgesehen.