Nur die wenigsten Landwirte schaffen sich sämtliche Maschinen selber an. Insbesondere neue, leistungsfähigere Maschinen kommen kaum auf eine wirtschaftlich interessante Auslastung. Alternativen sind der Einsatz von Lohnunternehmen oder Maschinengenossenschaften. Eine Maschine kann aber auch durch mehrere Landwirte gekauft werden. Dabei lohnt es sich, für die Regelung der Zusammenarbeit die Erfahrungen von erfolgreichen Gemeinschaften zu nutzen.
Thomas Joss, wie ist die Fahrsilogemeinschaft entstanden?
Thomas Joss: Alle Betriebe hatten bis anhin Siloballen verfüttert. Gerade die Maissilage erwies sich mit Ballen als sehr teuer. Eine Infoveranstaltung des BBZN nahmen vier benachbarte Betriebe zum Anlass, das System einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Schnell war klar, dass mit einem Fahrsilo viele Synergien auf den Höfen genutzt werden können und mit diesem System Top-Silage hergestellt werden kann. Der Kauf einer eigenen Presse wurde ebenfalls geprüft. Damit wäre aber die Problematik der teuren Maissilierung nicht gelöst gewesen. Die Hochsilos erwiesen sich als viel zu teuer und zu unflexibel. Vor allem die Berechnung der Arbeitsspitzen und Effizienz hat schlussendlich alle von der Fahrsilogemeinschaft überzeugt.
Wie wird das Befüllen organisiert?
Unser Ziel ist, dass möglichst viel bei der Futterernte gemeinsam gemacht werden kann und eine ausgewogene Silage von guter Qualität mit kurzen Feldliegezeiten hergestellt wird. Der eine mäht, der andere zettet und der nächste schwadet gleich auf allen Betrieben. So können schlagkräftige Maschinen eingesetzt werden und die Frühjahrsernte ist in drei Tagen vorbei.
Ist der administrative Aufwand gross?
Es braucht eine gewisse Disziplin. Jeder muss Daten (z. B. Arbeitsstunden, Maschinenstunden usw.) erfassen, damit eine Abrechnung erstellt werden kann. Mit der Zeit wird die Administration zur Routine und der Aufwand hält sich in Grenzen. Auch das Abrechnungssystem muss möglichst einfach gewählt werden und es braucht eine gewisse Toleranz der Mitglieder. So zum Beispiel, wenn jemand ein bisschen älteres Futter von einer Parzelle bringt. Durch das Mischen ist der Einfluss auf die Qualität schlussendlich vernachlässigbar. Auch beim Erfassen der Menge kann es leichte Differenzen geben. Man muss aber immer die Vorteile des Systems in den Vordergrund stellen.
Helfen beim Befüllen alle?
Ja, alle helfen mit. Der Lohnunternehmer stellt den Häcksler und die Wagen. Wenn jemand mal in den Ferien ist, klappt es in der Regel auch und seine Flächen sind auch siliert.
Gibt es bei den Silier-Terminen Streit?
Streitigkeiten gab es bis jetzt noch nie. Es ist immer ein Abwägen, wann der optimale Zeitpunkt ist. Meistens gibt das Wetter den Zeitpunkt vor. Wir warten, bis die Futtermenge stimmt, und schauen nicht unbedingt nur auf das Alter des Futters. Aber da müssen die Betriebe schon ein bisschen eine ähnliche Philosophie haben. Wenn jemand sechs bis sieben Schnitte ernten will, ist er mit so einem System nicht gut bedient.
Wie ist die Entnahme organisiert?
Die Silage wird mit einem Blockschneider entnommen. So kann die Menge gut erfasst werden. Die Betriebe haben verschiedene Fütterungsstrategien und Mechanisierungen. Auch die Ställe sind nicht überall gleich gut mit einem Mischwagen bedienbar. Wenn alles passen würde, könnte man sich auch einen selbstfahrenden Mischwagen überlegen, der dann die Ration für alle Betriebe mischt. So könnte die Effizienz noch gesteigert werden.
Welche Tipps gibt es für Betriebe, die neu ihr Futter silieren?
Jeder Betrieb ist anders und es gibt nie eine allgemeine Lösung. Wenn die geeigneten Betriebe vorhanden sind und alle Betriebsleiter am gleichen Strick ziehen, kommt eine Fahrsilogemeinschaft sicherlich in Frage. Folgende Punkte sind zu klären: Welches Futter und welche Mengen will man silieren? Will man immer die bestmögliche Qualität? Ist man flexibel und stellt die Kostenvorteile in den Vordergrund? Die Fütterungskosten in der Milchproduktion sind ein wichtiger Kostenfaktor. Da herrscht grosses Einsparungspotenzial. Wenn der Tierarzt einmal mehr oder weniger kommt, sind die Einsparungen gering. Aber wenn die Futterbaukosten um 25 Prozent gesenkt werden können, merkt man das schnell in tieferen Vollkosten. Für eine Zusammenarbeit beim Silieren sind «Gemeinschaftstypen» gefragt, die andere Meinungen akzeptieren können. Die Silogemeinschaft kann eine gute Lösung sein, wenn die Einstellung aller passt.

