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Wie die Iffigenalp für 375'000 Franken den Besitzer wechselte

1923 erwarben Emmentaler die 20 Quadratkilometer grosse Alp oberhalb der Lenk. Heuer feiert die Iffigenalpgenossenschaft Biglen ihr 100-jähriges Bestehen.

«Heute würde ein solcher Handel vermutlich ganz anders ablaufen», meinte Beat Schüpbach an der Jubiläumsfeier der Iffigenalpgenossenschaft Biglen. Seit 22 Jahren präsidiert er die Genossenschaft, die vor einem Jahrhundert in den Besitz der Iffigenalp gekommen ist.

Fritz Hofmann hat sich in der Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr intensiv mit der Geschichte der Alp oberhalb des Simmentaler Dorfs Lenk befasst. Während einem Jahr las er Protokollbücher der Genossenschaft, durchforschte offizielle Schriften und suchte das Gespräch mit ehemaligen und aktiven Sennerinnen und Sennen.

Daraus entstand eine umfassende Jubiläumsschrift mit Bildern aus vergangenen Zeiten, Gedichten und Zitaten.«Das Werk gibt einen Einblick in das Leben und Wirken auf der Iffigen», meinte der Autor am Jubiläumssamstag zufrieden.

Wie die Iffigenalp für 375'000 Franken den Besitzer wechselte
Fritz Hofmann, Autor der Jubiläumsschrift, begrüsste die Genossenschafter am Festtag mit Alphornklängen.

Ein Müllerssohn investierte

Der geschichtliche Rückblick beginnt im 18. Jahrhundert, als der grösste Teil der Iffigenalp im ­Besitz von 100 einheimischen Bergbauern war. 1892 kaufte der reiche Müllerssohn Wilhelm Hildebrand aus dem deutschen Halle dann die Alp.

Fasziniert von der Natur und der Bergwelt baute er dort auf rund 1500 Metern über Meer für die Gäste ein Kurhaus und für sich selbst ein Ferienchalet. Dazu liess er die Gebäude und Zufahrten verbessern.

An Alp interessiert

Ein Sekundarlehrer aus Biglen kannte den damaligen Iffigenalpbesitzer und war mit ihm befreundet. Durch ihn vernahm man im Emmentaler Dorf, dass Hildebrand die «Iffigen» aus Altersgründen verkaufen wolle. Die Aussicht auf eine eigene Alp für die Rindersömmerung weckte bei den Emmentaler Bauern grosses Interesse. [IMG 3,4]

Innert kurzer Zeit fanden sich im damaligen Amt Konolfingen 90 Gründungsmitglieder, die am 4. November 1923 die Iffigenalpgenossenschaft Biglen ins Leben riefen. Am 19. Dezember desselben Jahres erwarb die Genossenschaft die Iffigenalp dann für 375'000 Franken.

Stolze Emmentaler

Damals habe der Milchpreis 23 Rappen pro Liter betragen, führte Schüpbach aus. Doch trotz der schwierigen finanziellen Lage auf den Betrieben hätten sich die Genossenschafter zu diesem Kauf entschlossen.

«Der Stolz der Emmentaler war sehr gross.»

Beat Schüpbach, zum Kauf der Iffigenalp

Die Schriften aus dieser Zeit lassen dieses Hochgefühl erahnen. So hielt der damalige Alpschreiber nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags fest: «Damit ist eine der schönsten Alpen des Simmentals in den Besitz der Iffigenalpgenossenschaft übergegangen!» Gleichzeitig wurden die Emmentaler zum grössten Grundeigentümer der Gemeinde Lenk.

Die Iffigenalp in Zahlen

Lage: Im Iffigtal oberhalb der Lenk im Simmental. Fläche: Rund 20 Quadratkilometer. Davon 430 Hektaren Weide und 107 Hektaren Wald. 10,2 Hektaren fallen auf den Iffigensee. Bestossung: 300 Stück Rindvieh inklusive Kühe der zwei Hirtschaften. Heute ist das Berghaus auf der Iffigenalp ein beliebtes Ausflugsziel und Ausgangspunkt für Wanderungen im Wildstrubelgebiet.

Dass dieses Vorhaben bei den einheimischen Landwirten nicht nur auf Begeisterung stösst, waren sich die damaligen Käufer bewusst. Heute hätten sich die anfänglichen Spannungen gelegt, meinte Beat Schüpbach und bedankte für das freundschaftliche Verhältnis. «Über euch Genossenschafter bin ich sicher nicht verruckt», ­ergänzte René Müller, Gemeindepräsident der Lenk, an der Jubiläumsfeier und fügte schmunzelnd an: «… eher über die Lenker, die damals diese wunderschöne Alp verkauft haben.»

Im Wandel der Zeit

Seit diesem Kauf hat sich auf der Iffigenalp vieles getan. Lawinenschäden, Tierseuchen, der Brand des Restaurants und der Sennhütte und die schwierige wirtschaftliche Situation während dem Krieg hätten die Genossenschaft schon in den ersten Jahren gefordert, erzählte Beat Schüpbach. «Doch sie haben immer wieder neuen Mut gefasst und die Veränderungen angenommen», fuhr er weiter.

Der technische Fortschritt hätten das Leben auf der Alp dabei am meisten verändert. So seien die Rinder in den Anfängen der Genossenschaftszeit mit der Bahn bis nach Zweisimmen gefahren worden. Danach folgte ein 10-stündiger Fussmarsch auf der Hauptstrasse – «unvergesslich für alle, die diese Momente miterlebt haben», erinnert sich der Präsident.

37 Alpsommer am Stück

Willy Schwarz aus Boltigen hat als langjähriger Älpler viele dieser Veränderungen miterlebt. Seit 1966 verbrachte er jeden Sommer auf der Iffigenalp, seit 37 Jahren ist er selbst Hirte auf Vorder-Iffigen. Zusammen mit seinem Team und der Unterstützung der Familie behirtet er die 165 Rinder und stellt jeden Sommer rund 1200 Kilogramm Alpkäse her. [IMG 5,6]

«Die Arbeit ist streng, aber jeden Frühling zieht es mich von Neuen hierher», erzählte er am Jubiläum.Trotzdem wird dieser Sommer wohl sein letzter auf «Iffigen» sein. Etwas wehmütig meint er: «Ich werde es sicher vermissen. Die Alp ist mein ­Leben.»

Die Jubiläumsschrift von Fritz Hofmann (ISBN 978-3-907229-41-5) kann bei der Iffigenalpgenossenschaft Biglen (Präsident Beat Schüpbach, Baldisthal 5, 3507 Biglen) bezogen werden.

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