Es ist Spätsommer und Zeit für die Ernte der leckeren Tomaten aus dem eigenen Garten. Aber der Tomatenstock, der im Frühjahr gekauft und mit viel Liebe gepflegt wurde, entpuppt sich als wenig ergiebig.
Anstatt Früchtepracht gibt es nur Frust und eine ganze Liste von Krankheiten. Innerlich macht sich der Gedanke breit, nächstes Jahr keine Tomate mehr in den Garten zu pflanzen. Aber ist das wirklich die richtige Schlussfolgerung? Denn der Erfolg im Garten beginnt oftmals schon bei der Sortenwahl.
Bewusste Wahl
Bewusste Sortenwahl spielt bei allem eine Rolle, was wir im Garten anbauen. Während bei Blumen sich vor allem die Optik unterscheidet, kann bei Gemüse, Obst und Beeren je nach Sorte ein ganz anderer Geschmack auf den Teller kommen.
Soll das Gemüse lagerfähig sein? Dann kommt eine dafür geeignete Karotten- oder Kartoffelsorte zum Einsatz. Farbiges Gemüse bringt Abwechslung in die Küche, dann fällt die Wahl vielleicht auf roten Rosenkohl, weisse oder schwarze Tomaten oder Salat mit roten und grünen Sprenkel, Vielleicht finden die Tomaten nur ungeschützt Platz im Freiland, und darum braucht es eine Sorte, die sich gegen die weit verbreitete Kraut- und Knollenfäule durchsetzen kann.
Zwischen Lust und Frust
Alte Sorten können mehr Bitterstoffe enthalten und haben meist weniger Zucker. Als Beispiel ist das weisse Rüebli oft viel weniger süss als die orangen Kollegen. Hier gilt es sich ein bisschen durchzuprobieren. Ein Austausch mit einer Gärtnerkollegin kann ebenfalls die eine oder andere Sortenidee geben.
Das Beispiel der kranken Tomaten ist typisch, doch mit der richtigen Sorte gelingt sogar ein Tomatenanbau im ungeschützten Freiland. Selbst ein Regensommer wie 2021 macht diesen nichts aus. Aber auch im Hinblick auf andere Kriterien lohnt sich ein Blick in den Saatgutkatalog.
Kürbisse unterscheiden sich etwa nicht nur in Form und Farbe der Frucht, sondern auch in Sachen Geschmack, Verwendungszweck und Lagerfähigkeit. Dazu kommt, dass Kürbisse ganz unterschiedliche Wuchsformen haben können und sehr unterschiedlich lange Entwicklungszeiten. So findet ein Kürbis mit buschigem Wuchs einen anderen Platz als ein Kürbis, der sich wild rankend seinen Weg sucht. Für diese gezielte, bedürfnisangepasste Auswahl ist Sortenkenntnis wichtig.
Die Qual der Wahl
Die Wahl der richtigen Sorte kann schnell zur ausgewachsenen Recherchearbeit führen, und die Möglichkeiten scheinen fast endlos. Hier gilt es die richtigen Stichwörter für den eigenen Anspruch zu finden. Neben den optischen Ansprüchen ist ein Augenmerk auf die Grösse zu legen – so können Erbsenpflanzen zwischen knie- und mannshoch fast jede Grösse erreichen. Soll also ein Klettergerüst erspart bleiben, bevorzugt man eine weniger hoch wachsende Sorte.
Auch der Zeitpunkt der Pflanzung oder Aussaat ist von der Sorte abhängig. Während einige Sommersalate ziemlich gut mit der Sommerhitze klarkommen, können andere nichts mit den hohen Temperaturen anfangen. Anstatt eines schönen Salatkopfes baut man dann blühende Salatbäume an.
Ist das Ziel der Sortenwahl das Vermeiden von Krankheiten, kann nach den Stichworten «tolerant» oder «resistent» Ausschau gehalten werden.
Die Biodiversität profitiert
Bei den Blumen steht bei der Sortenwahl vor allem der optische Aspekt im Zentrum. Das soll auch so sein. Die Sortenwahl trägt zudem den Nützlingen Sorge. Besteht ein Blumenbeet aus verschiedenen Sorten, wird der Blühzeitraum verlängert und bietet so ein längeres Nahrungsangebot. Viele Nützlinge bevorzugen ausserdem die ungefüllten Sorten von Blumen. Beim Kauf von Rosen oder bei der Aussaat von Mohn und Ringelblumen kann darauf Augenmerk gelegt werden.
Was ist denn nur mit der Tomate aus dem Beispiel zu Beginn des Artikels passiert? Im Gartencenter gekauft, war die Sorte wohl zwar hübsch und die Pflanze frisch aus dem Gewächshaus auch noch vital. Trotz des farbenfrohen Etiketts ist die Tomatensorte nicht geeignet für den Anbau im Freiland. In einem Gartencenter ist die Sortenauswahl oft klein, oder man hat bei vielem Gemüse gar keine Wahl. Hier lohnt sich ein Ausflug in eine Gärtnerei für Setzlinge, oder man bestellt sich das Saatgut gleich selber.
Planung lohnt sich
Eine gute Planung durch das Gartenjahr ist dabei aber wichtig, damit man die Setzlinge zu Hause termingerecht vorziehen kann. Eine spontane Setzaktion ist zwar so nicht mehr unbedingt möglich, aber dafür profitiert man von der genau gewählten Sorte und von ein bisschen mehr Individualität im eigenen Garten.
Im Garten ist jedes Jahr wieder total anders: Das Wetter, die verfügbare Zeit, Krankheiten und Schädlinge kommen in Wellen. Eine Sortenvielfalt kann helfen, die Schwankungen im Ertrag etwas auszugleichen. Dies steigert die Freude, über das ganze Gartenjahr gesehen. Zudem ist eine neue Sorte auch immer ein kleines Abenteuer und die Freude über den Erfolg gross.

