In der Olma Halle 7.0 trifft Stadt auf Land.  Hier präsentieren sich zahlreiche landwirtschaftliche Tiere dem angereisten Publikum. Herausgeputzte Rassenkühe stehen in Reih und Glied. Die Besucher schlendern hinter ihnen vorbei. Die Kuhgrössen, Euter sowie die Vielfalt der verschiedenen Rassen werden ausgiebig bestaunt. Daneben hat es aber noch andere Tiere.

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In einer grossen Bucht springen Mutterkühe herum; eine schwarze Angus weist die anderen Tiere zurecht, sie dominiert die Bucht. In einer weiteren Bucht ist eine Sau mit ihren Ferkeln. Hier stehen Mütter mit ihren Kinderwagen und Kindern. «Jöö, so herzig» und «Mami ich wott au eis,» rufen die kleinen Knirpse. Das Mami nickt und sagt mit starker Ostschweizer Einschlag «chömmed, jetzt gömmer wiiter, no es Bratwürschtli go gah ässe». Die Kinder bekommen leuchtende Augen, «Jaa, es Bratwürschtli» rufen sie. Und die Familie verschwindet in der Menschenmenge. 

Die Halle ist diesen Samstag rappelvoll. Das schlechte Wetter hat die Stadt- und Landbevölkerung an die Olma gebracht. Es ist laut, ein wahres Stimmengewirr herrscht in der Halle.

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Johnny – der «coole» Eber

Einer, der sich von dieser Stimmung nicht beeindrucken lässt, ist Johnny – ein 435kg schwerer Eber, von der Genetik halb Duroc, halb Edelschwein. Johnny liegt diesen Samstag zufrieden dösend in seiner Box, die von zahlreichen Menschen umringt ist.

«Ist der wirklich echt?», «Puaah, Siech!», gefolgt von staunendem herumgekicher von Jugendlichen. Solche Reaktionen hört man, wenn man als Besucher an seiner Box vorbeiläuft. Johnny selber scheint nicht sonderlich aktiv zu sein. «Was also zieht die Schaulustigen an», fragt man sich beim Vorbeigehen? Ein Blick in die Box liefert die Antwort. 

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Es ist Johnnys imposantes «Gehänge», das die Besucher zur Box zieht. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich und amüsant. Man sieht tuschelnde Frauen, die erröten und Männergruppen, die laut aufjohlen. Ein wagemutiger Jugendlicher kann es sogar nicht lassen, er streckt seine Hand nach den Hoden aus, um sich auch ja zu vergewissern, dass diese echt sind. Die Hand berührt knapp das Objekt der Begierde – es scheint echt.

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Johnny nimmt das alles total «cool». 

Johnny kommt vom Seerücken

Er sei schon immer ein Lieber gewesen. Das bestätigt Thomas Kressibucher, Landwirt aus dem thurgauischen Lanzenneunforn und Besitzer von Johnny. «Sonst hätten wir ihn erst gar nicht an die Olma gelassen». 
Die Kressibuchers bewirtschaften auf dem Thurgauer Seerücken einen gemischten Ackerbaubetrieb mit Schweinezucht. Neben den 150 Mutterschweinen, habe der Betrieb zahlreiche Jungsauen sowie eine angegliederte Mast. 

Da der Betrieb ein sogenannter «Kernzuchtbetrieb» sei, kämen niemals neue Tiere auf den Betrieb. Sie verlassen diesen lediglich. Die Züchtung auf dem Hof wird zum grössten Teil mit künstlicher Befruchtung (KB) durchgeführt. Das sei mittlerweile die am meisten verbreitete Form der Befruchtung bei den Schweinen.

InfografikWeltmeisterliche SchweinehaltungSonntag, 29. Mai 2022 In Spezialfällen setzt der Betrieb aber weiterhin einen Eber wie Johnny ein. Ein solcher tritt zum Beispiel auf, wenn eine Sau zu einem ungünstigen Zeitpunkt in die Rausche (Periode des Sexualzyklus, in der die Paarungsbereitschaft der Sau auftritt) falle und man aus zeitlichen Gründen keine KB durchführen kann. Dann sei Johnny zum Zug gekommen. Er hätte dementsprechend einige Nachkommen gezeugt, die an der Olma angegebene Zahl sei jedoch eher an der oberen Schätzgrenze.

Johnny kann günstig gekauft werden

«Johnny hatte eine sehr schöne Zeit bei uns, aber die geht nun leider zu Ende. Aufgrund der strengen hygienischen Massnahmen dürfen wir ihn nicht mehr zurück auf unseren Betrieb nehmen» erklärt Thomas Kressibucher, den weiteren Verlauf. Interessenten könnten den Eber erwerben und man sei bereit, sogar einen sehr guten Preis zu machen. 

Besucher oder Interessenten können darum Johnny noch bis Ende Olma besichtigen. Für nächstes Jahr wird es gewiss etwas anderes zu bestaunen geben.