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Johanniskraut und Jakobskreuzkraut: Zwei Giftpflanzen, die nicht auf Ihre Weide gehören

Jakobskreuzkraut gilt als stark giftig. Unentdeckt kann es weidende Tiere chronisch vergiften. Johanniskraut ist ein Arzneimittel, aber auch schwach giftig und sollte daher von Weiden entfernt werden.


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Mitte Juni bis August blüht das Jakobskreuzkraut (Senecio-Arten). Das gelbblühende Kraut enthält Pyrrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen und weder beim Trocknen noch beim Silieren zerstört werden. Jakobskreuzkraut ist deshalb frisch auf der Weide, getrocknet im Heu oder in der Silage eine Gefahr für verschiedene Nutztiere.

Oft eine chronische Vergiftung

Häufig bleibt das Jakobskreuzkraut auf einer Fläche unentdeckt, wodurch weidende Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde oder auch Hühner über Wochen bis Monate eine chronische Vergiftung erleiden können. «Die Tiere meiden weder das Jakobskreuzkraut noch Johanniskraut, vor allem im jungen Stadium nicht», erklärt Michèle Bodmer, Leiterin Bestandesmedizin Rind der Wiederkäuerklinik in Bern. Auch im Heu werden die Giftpflanzen nicht aussortiert. 

Keine eindeutigen Symptome

Eine solche Vergiftung festzustellen, ist nicht so einfach, denn die Symptome sind nicht eindeutig. «Eine chronische Vergiftung mit Jakobskreuzkraut zeigt sich durch einen Leistungsabfall, Abmagerung, struppiges Fell und Photosensibilisation, also erhöhter Lichtempfindlichkeit der Tiere», führt Bodmer aus. 

Letztere führt zu einem Ablösen ganzer Hautpartien, vor allem an Stellen mit weissem Fell. «In akuten Fällen sterben die Tiere innert 1-2 Tagen», so die Tierärztin. 

Im Verdachtsfall das Futter absetzen

Die erste Massnahme bei einem Verdacht auf eine Vergiftung mit Jakobskreuzkraut ist das Absetzen des verseuchten Futters. Da das Gift von Senecio-Arten die Leber angreift, hängt der entstandene Schaden von der Dauer der Aufnahme ab. Viel mehr als eine weitere Aufnahme der Giftstoffe zu verhindern, kann man allerdings nicht tun: «Eine Behandlung der Vergiftung ist aussichtslos», heisst es in der Clinitox-Datenbank der Universität Zürich.  

Jakobskreuzkraut (botanisch Jakobs Greiskraut, Senecio jacobaea) hat ungleich eingeschnittene Blätter, die unteren sind im Endabschnitt ungeteilt. Zerriebene Blätter riechen unangenehm, die gelben Blüten werden 1,5 bis 2 Zentimeter gross und wachsen in Dolden. (Bild jsc)

Wieviel ist zu viel?

Die tödliche Dosis Jakobskreuzkraut hängt von der Tierart ab: 

  • Pferd, Rind: 5-20% des Körpergewichts = 0.05-0.20 kg Senecio jacobaea (Frischpflanze)/kg Körpergewicht
  • Ziege: 125-400% des Körpergewichts = 1.25-4.0 kg Senecio jacobaea (Frischpflanze)/kg Körpergewicht (total 29.8-71.5 kg) über 152-388 Tage
  • Schaf:> 2 kg Senecio jacobaea (Frischpflanze)/kg Körpergewicht
  • Huhn: 50 g Senecio jacobaea (Frischpflanze)/kg Körpergewicht

Bereits vor Erreichen der tödlichen Mengen treten Leberschäden und die oben beschriebenen Symptome auf. 

Hautrötungen und Schwellungen wegen Johanniskraut

Das ebenfalls gelbblühende Johanniskraut (Hypericum-Arten) ist nur schwach giftig, wird je nach Quelle auch als ungiftig beschrieben. Bei 100 Gramm frischem Pflanzenmaterial täglich bei Schafen oder 0,5 bis 0,6 Prozent des Körpergewichtes bei Rindern oder Kälbern können aber laut Michèle Bodmer Hautrötungen und Schwellungen auftreten. Diese zeigen sich an schwach behaarten oder dünnhäutigen Stellen. 

Eine Vergiftung mit Johanniskraut kann laut Bodmer durch den Tierarzt symptomatisch behandelt werden. 

Johanniskraut (Hypericum-Arten) hat eiförmige Blätter, die im Sonnenlicht durchscheinend gepunktet sind. (Bild jsc) 

Johanniskraut ist auch eine Heilpflanze

Johanniskraut wird als pflanzliche Arznei gegen Depressionen oder Stimmungstiefs eingesetzt, beschreibt Daniela Dettling im Buch «Die Wildkräuter der vier Jahreszeiten». Es soll beruhigend und nervenstärkend wirken, sowie als Öl gegen Rheuma und Ischiasschmerzen helfen. Man sagt der Pflanze nach, es nehme die wärmsten Sonnenstrahlen des Jahres im Sommer auf und gebe dann diese Sonnenkraft in der kälteren, trüberen Jahreszeit den Menschen. 

Vorsicht: Phototoxisch

Beim Umgang mit Johanniskraut ist aber Vorsicht geboten. Der in der Pflanze enthaltene Giftstoff Hypericin schwächt die Hautbarriere und macht empfindlich gegen Sonnenlicht (phototoxisch). Daher sollte man beim Ausreissen Handschuhe tragen, sich nicht damit einreiben und nach der Einnahme von Johanniskraut-Tropfen keine Sonnenbäder nehmen. 

Ausserdem schwächt dieses Sonnenkraut die Wirkung immunsuppressiver Medikamente ab und kann jene der Pille beeinträchtigen.  

Hypericum-Arten haben grössere Blüten als Senecio und auch grössere Blütenblätter. (Bild jsc)

Das kann man gegen Jakobskreuzkraut tun

Damit keine weiteren Flächen bewachsen werden, muss man das Versamen der Pflanzen verhindern. Das Amt für Landwirtschaft und Natur rät in einem Merkblatt, vorhandene Blütenstände auf Weiden und Wegrändern zu schneiden und zu vernichten (nicht liegen lassen). 

Vorbeugend empfiehlt man:

  • Angepasste Weidepflege (Nachmahd)
  • Dichten Bestand fördern
  • Trittschäden vermeiden
  • Nur für Einzelstockbehandlung gräserschonendes Herbizid (im Rosettenstadium der Pflanze). Ohne begleitende Pflegemassnahmen sei eine Herbizidbehandlung nicht erfolgreich.

«Ich würde dringend empfehlen, v.a. extensive Weideflächen nach Giftpflanzen abzusuchen und diese auch zu bekämpfen», betont Michèle Bodmer von der Berner Wiederkäuerklinik. Im Fall von Unsicherheiten bei der Pflanzenbestimmung empfiehlt sie, sich an eine landwirtschaftliche Beratungsstelle zu wenden.  

Weitere Informationen:

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