Auf dem Föhrenhof im aargauischen Wohlen steht selten alles still. Sogar dann nicht, wenn der Chef selber gerade ausser Haus ist. Der Mixmeister-Fütterungsroboter dreht achtmal täglich seine Runde im Munimaststall. Ein Einstreuroboter der Marke Eigenbau kreist über den Liegeboxen und verteilt Häckselstroh. Die Tränkeautomaten im Kälberstall surren, und die Absauganlage befördert den Pferdemist auf den Miststock.

Auf der Bühne stehen drei alte Mischwagen, um Futterkomponenten oder Einstreu für die Roboter bereitzustellen. Und sogar zum Tiefstreubereich des Kälberstalls gelangt das Stroh via Absauganlage und verschiebbarem Förderband.  

BSE-Krise zeigt Spuren

Thomas Isler, Meisterlandwirt und gelernter Landmaschinenmechaniker, ist der Kopf hinter diesen technischen Finessen. Er hat den Betrieb im Jahr 2000 von seinem Vater zunächst in Pacht übernommen. Damals hatte der Föhrenhof 120 Mastmuniplätze für QM-Tiere. Isler musste in den ersten Jahren hartes Brot essen.

«Gleich zu Beginn traf uns die zweite BSE-Krise, und die finanzielle Lage war angespannt», erinnert sich Isler. Rückblickend war das vielleicht gar kein Nachteil. «So war ich sofort gezwungen, zu rechnen und zu optimieren», hält Isler fest.

Die tägliche Arbeit muss effizient sein

In einem ersten Schritt hiess das, dass Thomas Isler den Betrieb intensivierte. Dank kleinen baulichen Anpassungen konnte er etwas mehr Tiere halten und langsam aber sicher Geld für die Übernahme sparen.
Im Jahr 2007 übernahm Thomas Isler dann den Betrieb im Eigentum von seinem Vater Guido. «Seither verging kein Jahr, in dem wir nichts gebaut hätten. Einiges davon habe ich sogar bereits wieder abgerissen», meint Isler und lacht.  

Sein Credo lautet klipp und klar: Die tägliche Arbeit im Stall muss effizient sein. Isler hat ausgerechnet: «Wenn ich täglich 10 Minuten an Arbeitszeit einsparen kann, macht das auf das Jahr gesehen zwei- bis dreitausend Franken aus.»

Viele Lohnarbeiten daneben bringen neue Ideen

Dies allerdings nur, weil Isler die gewonnene Zeit sinnvoll einzusetzen weiss. In seiner beinahe professionellen Werkstatt repariert und wartet Isler einen grossen und modernen Fuhrpark. Er bietet seine Dienste im Lohn an: Pflanzenschutz, Saaten, Bodenbearbeitung, Güllen, Muldentransporte und Arbeiten mit dem Böschungsmulcher gehören ebenso dazu wie der Winterdienst auf Parkplätzen.

Zudem arbeitet Thomas Isler gelegentlich bei der Wirth Fütterungstechnik AG, die seinem Berufskollegen Hansjörg Wirth gehört. Auf Montage hat er Einblick in viele Landwirtschaftsbetriebe erhalten. «Das war immer sehr interessant und hat mir geholfen, eigene Ideen für meinen Betrieb zu entwickeln», sagt Isler. Auf jedem Betrieb könne man etwas lernen, «auch wenn es nur etwas ist, was man selber ganz sicher nicht will», so Isler.

Auf alte Infrastruktur aufgebaut

Mit der Idee alleine ist es aber längst nicht getan. Die meisten Bauten und Einrichtungen auf dem Föhrenhof hat Thomas Isler selber konstruiert oder zumindest montiert. Der gelernte Landmaschinenmechaniker räumt ein, dass er ein Technik-Freak ist.

Ohne dieses Flair für Technik würde der Betrieb unmöglich so aussehen, wie er das heute tut, denn: «Ich habe immer basierend auf der alten Infrastruktur gearbeitet und nicht auf der grünen Wiese einen neuen Stall gebaut. Das konnte ich mir finanziell auch gar nie leisten. Also musste ich immer improvisieren und viel Eigenleistungen erbringen», sagt Isler. Wie ein «Gebastel» wirken die Einrichtungen aber keineswegs.

Selbstgebauter Einstreuroboter verteilt Häckselstroh in den Liegeboxen

Ein Beispiel hierzu ist der Einstreuroboter, der Häckselstroh bei den Liegeboxen der Mastmuni verteilt. Der Roboter wurde von Grund auf selber konstruiert und fährt entlang einer Schiene über den Liegeboxen der Mastmunis. Ein erster Prototyp ist seit letztem Jahr in Betrieb, und das Ergebnis überzeugt Isler. «Dieses Jahr möchte ich einen weiteren Einstreuroboter installieren, damit auch die Liegeboxen auf der anderen Seite des Futtertisches automatisch eingestreut werden können», so der Plan des Meisterlandwirts. Die Steuerung für den Roboter hat ein Kollege von Isler gefertigt.

Futterweizen wird in Hammermühle automatisch auf dem Betrieb gemahlen

Ein weiteres Beispiel verdeutlicht, dass die Investitionen von Thomas Isler auch wirtschaftlich sinnvoll sind: Er stellte ein Hochsilo für Futterweizen, den er aus der örtlichen Getreidesammelstelle bezieht. Die Preisdifferenz zum Kraftfutter beträgt rund 10 Franken, wenn man berücksichtigt, dass die Komponenten und Gehalte nicht die gleichen sind. Der Futterweizen gelangt via Förderschnecke in eine kleine Hammermühle und von dort in den Fütterungsroboter – natürlich alles vollständig automatisiert.

«Pro Jahr brauche ich rund 36 Tonnen Futterweizen. Also spare ich jedes Jahr ungefähr 3600 Franken. Die Investition für die Futtermühle ist somit längstens amortisiert, und ich spare seither jeden Tag etwas Geld», so Isler.

Drei Mischwagen auf der Heubühne für den Mixmeister

Besonders faszinierend ist der Blick auf die Bühne oberhalb des Mastmunistalls. Überraschenderweise befinden sich dort drei alte Futtermischwagen. In einem befindet sich getrocknete Luzerne für die Mischration. In einem anderem ist Heu, welches – je nach Bedarf – ebenfalls zwecks Struktur der Mastmuni-Ration dem Mixmeister beigefügt wird. Im letzten Mischwagen ist Häckselstroh, das von dort in den Einstreu-Roboter gelangt.

Die Komponenten gelangen über verkleidete Kanäle nach unten zum jeweiligen Roboter, damit nicht zu viel Staub im Stall entsteht.

 

Das Fressen die Mastmunis

Die Ration für die Mastmunis von Thomas Isler besteht aus Gras- und Maissilage sowie Zuckerrübenschnitzel aus Hochsilos. Hinzu kommen Melasse, getrocknete Luzerne, Mineralsalz und Ergänzungsfutter. Wenn die Ration etwas mehr Struktur braucht, fügt Isler zudem Heu hinzu. Die Basis für den Erfolg sei qualitativ hochwertiges Grundfutter. «Mais mit rund 7,0 MJ NEV ist das Ziel. Daher silieren wir auch Hochschnittmais», erklärt Isler. Für die Kälber gibt es eine separate Müesli-Mischung, und für die jüngeren Remonten gibt es ebenfalls eine eigene Rezeptur.

 

Guter Stundenlohn ist angestrebt

Isler hat ein Flair für Technik und strebt einen guten Stundenlohn für seine Arbeit an. Es gibt für ihn aber weitere Gründe, in Effizienz zu investieren. «Mit der ganzen Technik im Stall bin ich zeitlich flexibler und unabhängiger. So kann ich auch einmal sehr früh oder sehr spät in den Stall gehen, und die Tiere sind immer versorgt.» Die täglichen Kontrollen bei den Tieren sind aber nach wie vor wichtig.

Sich nicht «kaputtmachen»

Das Ziel von Isler war es nicht, weniger zu arbeiten, sondern in kürzerer Zeit mehr leisten zu können – und dies, ohne dass man sich selber körperlich «kaputtmacht». Thomas Isler ist überzeugt, dass so manche Betriebe mehr in die tägliche Effizienzsteigerung investieren könnten.

Es erstaunt nicht, dass nebst dem zweiten Einstreuroboter weitere Investitionen geplant sind. «Einige alte hölzerne Hochsilos möchte ich ersetzen und den Kälberstall umbauen. Die Tiere sollen viel Platz, viel Einstreu und viel Komfort bekommen, damit wir den Medikamenteneinsatz möglichst tief halten können.» Das ist gut für die Tiere, die in Zukunft auf dem Föhrenhof sind. Und, natürlich: Auch gut für die Wirtschaftlichkeit auf dem Betrieb.

 

Betriebsspiegel der Familie Isler

Thomas und Conny Isler mit Mika und Kaja, Wohlen AG

LN: 34 ha

Kulturen: Zuckerrüben, Mais, Winterweizen, Kartoffeln, Kunstwiese, Ökoflächen

Tierbestand: 280 Mastmuniplätze, 13 Pensionspferde

Weitere Betriebszweige: Lohnarbeiten, Blumenwerkstatt (Frau Conny), Vermietung «Chriesistei»-Spielzimmer, Kutschenfahrten (Vater Guido)

Arbeitskräfte: Betriebsleiter-Ehepaar, Vater Guido Isler, zwei Angestellte

www.isler-foehrenhof.ch

 

 

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