Der enorme Einfluss der Grundfutterqualität auf die Milchmengen wurde im vergangenen Winterhalbjahr offensichtlich. Insbesondere der sonnige und wüchsige Frühling 2025 sorgte dafür. Der Start ins 2026 lief fast identisch ab. Vielerorts konnte rechtzeitig Futter in bester Qualität und guter Menge geerntet werden.

Weniger Milchpulver für Schoggi

Die Milch dürfte also wieder fliessen, allerdings kann ein trockener Sommer noch vieles verändern. Der Export von Käse bleibe in jedem Fall anspruchsvoll, sagen Fachleute. Aber vor allem braucht es weniger Milchpulver für die Schokoladenindustrie, da diese wegen gestiegener Preise Absatzeinbussen ausweist. «Damit müssen wir im nächsten Winterhalbjahr wiederum mit hohen Milchmengen bei stagnierendem Absatz rechnen», schreibt Pirmin Furrer, Geschäftsführer der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) im aktuellen ZMP-Info. Positiv sei der Absatz von Milchprodukten in der Schweiz. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Milchprodukten ist 2025 erstmals wieder gestiegen. Die ZMP haben Kenntnis davon, «dass einige Milchverarbeiter in der Schweiz nicht mehr in wenig profitablen Bereichen Milchprodukte herstellen wollen». Damit werde der Milchbedarf kleiner. Man müsse davon ausgehen, dass im kommenden Winterhalbjahr in der Schweiz wiederum zu wenig Absatzkanäle vorhanden sind. Die Abklärungen dazu laufen, ein rechtzeitiges Handeln sei nötig. Auch bei der Biomilch sind die Milchmengen in der ganzen Schweiz aktuell hoch.

Hitzesommer könnte Ausgangslage verändern

Ob die Milchmengen im kommenden Winter tatsächlich wieder hoch sind, ist allerdings noch nicht in Stein gemeisselt. Auch der Futterbau ist in den meisten Regionen dringend auf anhaltende und ergiebige Niederschläge angewiesen. Ansonsten dürfte hie und da ein Schnitt weniger anfallen und auch die Heustöcke werden angebraucht. Spät gesäter Mais kam nicht überall gut aus den Startlöchern. Zudem wird sich wochenlange Hitze, auch bei bestem Management, kaum leistungsfördernd auf die Milchviehherden auswirken.

Viele wollen zu den ZMP

Die Unsicherheiten am Milchmarkt und die grossen Milchpreisunterschiede zwischen den einzelnen Milchhandelsorganisationen führen wieder dazu, dass die ZMP «sehr viele Anfragen für eine Mitgliedschaft bei unserer Genossenschaft bekommen», schreibt Pirmin Furrer weiter. Die ZMP verfügt aktuell über ausreichend Absatz für die von ihren Mitgliedern produzierte Milch. Zusätzliche Milchmengen können vom Markt aktuell nicht aufgenommen werden und würden unsere angestammten ZMP-Mitglieder belasten. Zudem wollen die ZMP nicht die Herausforderungen von anderen Organisationen übernehmen, heisst es weiter. Für den Moment würden keine neuen Mitglieder aufgenommen. Ebenfalls einen Aufnahmestopp gibt es bei den Handelsorganisationen Aaremilch und Mittelland Milch.

Milchmengen bleiben hoch

Die Produktion Milch Suisse Garantie der ZMP-Lieferanten lag im Mai 5,4 % über dem Vorjahreswert. Die Produktion Biomilch Knospe lag 6,3 % über Vorjahr. Gemäss ZMP ist das Biobutterlager in den letzten Wochen stark angewachsen und lag in der Kalenderwoche 23 bei 648 t (282 t über Vorjahr). Es sei in sehr kurzer Zeit ein Bio-Butterlager entstanden, wo nicht mehr alle Butter im Schweizer Markt abgesetzt werden könne, schreibt André Bernet, ZMP. So müssen 100 t Butter auf den Weltmarkt exportiert werden. Die Kosten dafür werden ab Oktober über Abzüge beim Bio-Milchpreis finanziert werden müssen. Die Preise für Milch Suisse Garantie bleiben stabil. Die Preise für Biomilch Knospe steigen saisonal.