Sogar der aktuelle Winter sorgt für Diskussionen wegen Wasserknappheit. Die vergleichsweise wenigen Niederschläge und Schneefälle haben dazu geführt, dass in einigen Fassungen, so auch im luzernischen Entlebuch, nur wenig Wasser fliesst, und dass die Versorgung auch auf Bauernbetrieben mit eigenen Quellen knapp ist.
Trockenheit wird die Landwirtschaft auch in den kommenden Jahren vermehrt beschäftigen. Gut in Erinnerung sind die trockenen Sommer vor Jahren, vor allem 2018, mit braunen Wiesen und abgedorrten Maiskulturen, selbst in der Zentralschweiz. Gemäss einer gemeinsamen Studie von Agroscope und dem Schweizer Bauernverband von 2022 können in trockenen Sommern bis zu 25 Prozent der gesamtschweizerischen Raufutterproduktion verloren gehen.
Aktuelle Projektarbeit am Schluechthof
«Die zunehmende Trockenheit wird zur zentralen Herausforderung für die Landwirtschaft im Schweizer Mittelland», heisst es im Bericht zu einer aktuellen Projektarbeit von Studierenden des Lehrgangs Agrotechniker/innen am Zuger Schluechthof. Sie haben sich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Auf Basis von Fachrecherchen, Interviews mit betroffenen Landwirten sowie eigenen Berechnungen analysierten sie, wie stark sich die Produktion wegen der Trockenheit künftig verändern könnte und welche Anpassungen realistisch sind. In Zusammenarbeit mit einem Betrieb im Luzerner Mittelland entstand zudem ein betriebsspezifisches Trockenheitskonzept.
Massnahmen für Mais und Wiesen untersucht
Im Fokus standen die Produktionssysteme Mais, Kunstwiese und Dauerwiese. Untersucht wurden auf dem Projektbetrieb sowohl kurzfristig umsetzbare Massnahmen wie ein höherer Schnitt oder witterungsangepasste Schnittzeitpunkte als auch längerfristige Strategien wie Sortenwahl, Kulturwechsel und Bewässerung. Erste Anpassungen würden sich oft ohne zusätzliche Kosten umsetzen lassen, stiessen aber bei langanhaltenden Hitze- und Trockenperioden jedoch rasch an ihre Grenzen, erklären die Studierenden im Bericht.
Mehr Humus als Wasserspeicher
Tiefwurzelnde Gräser wie Rohrschwingel und Knaulgras sowie Leguminosen wie Luzerne und Rotklee würden die Wassernutzung verbessern. Der hohe Leguminosenanteil dieser Mischungen führe aber zu einem höheren Proteingehalt im Grundfutter, der schwierig auszugleichen sei. «Massnahmen bei der Kunstwiesenansaat wie Walzen, eine frühe Nutzung und eine angepasste Startdüngung helfen, die Bestände zu etablieren», raten die Studierenden. Eine zentrale Rolle spiele zudem der Humusaufbau: Bereits ein Prozent mehr Humus könne rund 250000 Liter Wasser pro Hektar speichern und erhöhe damit die Widerstandskraft der Böden deutlich.
Bewässerung fragwürdig
Grenzen sehen die Studierenden, wenn in trockenen Jahren auf die Massnahme Bewässerung gesetzt werden soll. Während Bewässerungssysteme in Gemüse- und Spezialkulturen durchaus etabliert, notwendig und auch wirtschaftlich sinnvoll seien, blieben solche bei Ackerbaukulturen wie Mais technisch schwierig und seien mit hohen Wasserverlusten verbunden. Innovative Systeme wie die Tröpfchenbewässerung würden zwar getestet, seien jedoch kostenintensiv und würden ökologische Fragen aufwerfen.
Mais ohne Frühjahresschnitt
Am Beispiel Mais werde deutlich, wie wichtig eine schnelle Jugendentwicklung sei. Eine frühere Aussaat mit Verzicht auf einen Kunstwiesenschnitt könne helfen, Frühjahrsniederschläge besser zu nutzen und den Trockenstress im Sommer zu mindern. Frühsaat berge jedoch Risiken wie Spätfrost, zu geringe Bodentemperaturen, Sortenanpassungen und Futterverluste.
Um den Minderertrag von Mais durch Trockenheitsstress auszugleichen, haben die Studierenden als Variante die C4-Pflanze Sorghum in Erwägung gezogen. Sorghum verlangsame das Wachstum bei Trockenheit, sei aber in der Lage, anschliessend weiterzuwachsen und ertragsstabil zu bleiben. Angeschaut wurde die Kombination mit Mais 50 % und Sorghum 50 % auf der gleichen Parzelle für die Grünfütterung. Da der Anbau von reinem Sorghum eine tiefere Energiedichte aufweist, wurde zur Hälfte Mais beibehalten.
Futterreserven erhöhen
Das Fazit der Studierenden fällt ernüchternd aus: Anpassungen bei der Bewirtschaftung der Kulturen aufgrund zunehmender Trockenheit seien möglich, führten jedoch fast immer zu Mehrkosten und Zielkonflikten.
Die klimatischen Veränderungen würden nicht nur technische Lösungen für einzelne Kulturen erfordern, sondern gesamtheitliche betriebliche Entscheide. Dazu brauche es fundiertes Wissen und ein Zusammenspiel von Praxis, Forschung und Ausbildung. Unabhängig von der gewählten Variante sei es ein langer Weg, um Böden und Bestände trockenheitsresistenter zu machen. Zudem sei trotz aller Massnahmen bei anhaltender Trockenheit mit Futterverlusten zu rechnen. «Die Futterreserven sollten deutlich erhöht werden, um für Trockenperioden gewappnet zu sein», raten die angehenden Agrotechnikerinnen und Agrotechniker vom Schluechthof den Tierhaltungsbetrieben.
Neue Wasserstrategie im Kanton Luzern
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Zwar gilt Luzern als wasserreicher Kanton. Der Klimawandel, die Bautätigkeit und die intensive Landwirtschaft würden aber zu Nutzungskonflikten führen, der Druck auf die Wasserressourcen steige, heisst es in einer Mitteilung des Kantons. Deshalb wurde zusammen mit betroffenen Akteuren der Entwurf für eine Wasserstrategie erarbeitet. Mitgewirkt haben unter anderem Wasserversorgungen, Umweltverbände, aber auch der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband und weitere Fachleute aus der Landwirtschaft. So meint Philippe Fuchs vom BBZN Hohenrain, der im Projektteam dabei ist, dass mit dem Entwurf eine gute Ausgangslage bestehe zur Verbesserung der Wasserversorgung und Wassernutzung in der Landwirtschaft. Die Strategie ist nun bis Anfang Mai in der Vernehmlassung.
Viele Mankos vorhanden
Im Bericht wird festgestellt, dass bei Trockenheit die Wasserversorgung im Kanton teilweise nicht gewährleistet ist. Und Landwirtschaftsbetriebe würden in trockenen Sommern unter akuter Wasserknappheit leiden. In der Tierhaltung könne dann der Bedarf um 50 Prozent steigen, und oft sei auch die Wasserqualität landwirtschaftlicher Versorgungen in Trockenperioden gefährdet. Auch die Versorgung mit Bewässerungswasser sei ungenügend. Spezialkulturen, die im Kanton gefördert werden sollen, könnten ohne Bewässerung nicht kostendeckend produziert werden.
Der Bedarf im Pflanzenbau liege im Mittel bei jährlich rund 1,4 Mio. m³, vor allem im Juni bis August, und dabei 80 % für Spezialkulturen, 20 % für Kartoffeln. Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern seien aber nur beschränkt möglich und würden bei Niedrigwasser gar sistiert. Andererseits wird bis 2060 mit einem steigenden Bedarf um 60 % gerechnet. Instrumente zur Wasserbewirtschaftung würden fehlen, ebenso bestünden keine Anreize zum Wassersparen. Technische Möglichkeiten wie Mikrobewässerung seien zwar vorhanden, würden aber noch nicht konsequent genutzt. Wasserspeichermöglichkeiten seien ungenügend, und die Realisierung solcher werde erschwert, wird im Bericht weiter festgestellt.
Wasser effizienter nutzen
Aufgrund der vielen Mankos sollen die Herausforderungen dringlichst angegangen werden. Definiert wurden im Bereich Landwirtschaft zahlreiche Massnahmen, so etwa Förderung von wassersparenden Bewässerungstechnologien, bessere raumplanerische Rahmenbedingungen für Wasserspeicher, Retentionen wie die «Slow Water»-Konzepte oder überbetriebliche Versorgungsnetze.