Seit den Gründungstagen hing dem Biolandbau immer etwas der Ruf von «hemdsärmligen» Improvisationskünstlern nach. Dass das Klavier in der Ecke des FiBL-Versammlungsraums als Wahlbüro herhalten durfte, war aber gleich die einzige Improvisationskunst an diesem Abend. Präsident Stefan Schreiber und Verbandssekretärin Gertrud Häseli führten stilsicher und informativ durch den Abend, beide werden ihr Amt aber nächstes Jahr zur Verfügung stellen.
Folgerichtig wählten die 31 anwesenden Stimmberechtigten im UNO-Jahr der Landwirtinnen mit Marion Sonderegger erstmals in der Geschichte von Bio Aargau eine Frau als Bio-Suisse-Delegierte. Sie ersetzt den demissionierten Dieter Scheibler, Oftringen, der sich nach nahezu 20 Jahren im Amt neuen Aufgaben zuwendet und vor wenigen Tagen in seiner Heimatgemeinde zum Gemeinderat gewählt wurde.
«Virtual Fencing» als Pionierprojekt
Für längere Diskussionen an diesem Abend sorgte ein Budgetposten mit dem Namen «Virtual Fencing». Bio Aargau möchte im laufenden Verbandsjahr einen namhaften Betrag (3000 Franken) an ein Forschungsprojekt von FiBL und Agroscope spenden, das Pionierdaten zu einem Weidesystem ohne materiellen Zaun liefern soll, «Virtual Fencing» genannt. Die Nutztiere werden dabei von einem virtuellen GPS-Zaun gehirtet und ein implantierter Chip oder Transponder versetzt ihnen beim Überschreiten der definierten Grenze einen leichten Stromstoss. Auf diese Weise könnten auch schwierig zu weidende Gebiete plötzlich attraktiv werden – beispielsweise BFF-Hecken oder gestufte Waldränder. Der Tierschutz ist jedoch auf diese Pionierdaten angewiesen, um ein solches Vorgehen in der Schweiz überhaupt zu legalisieren.
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«Futterbäume» haben Potenzial
Die Integration von Agroforst in die Landwirtschaft hat sich Bio Aargau seit Jahren auf die Fahne geschrieben. Der Verband propagiert den Futterwert von sogenannten «Naschhecken» seit Längerem für die Nutzzierhaltung. In Form von Direktzahlungen für sogenannte «Futterbäume» könnte ein solches Bio-Aargau-Steckenpferd bald Teil der Agrar- und Ernährungspolitik 2030+ werden. Die Haltung des Mutterverbandes zu diesem Bundesprogramm wurde den Anwesenden von Bio-Suisse-Co-Politikchefin Barbara Küttel in einem informativen Vortrag vor der GV vorgestellt.
Ein Jahreshighlight wird die Verbandsreise am 6. August auf den Katzhof in Richental LU sein, der Betrieb setzt auf die Slow Water Strategie. Ausserdem ist Bio Aargau mit einem Stand an der AMA in Aarau vom 25. bis 29. März vertreten.