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Laufstall soll Landschaftsbild stören – im Villenviertel wird weitergebaut

Familie Zimmermann hat ihr Stallbauprojekt schon viermal angepasst, die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission sprach sich aber auch gegen diese Variante aus.

Es geht steil hoch zum Heimet Langwylen von Familie Zimmermann. Oberhalb des Dorfes Vitznau LU führt die schmale Zufahrtsstrasse durch mehrere luxuriöse Wohnquartiere. Die aktuell rege Bautätigkeit zeigt, wie gross die Nachfrage nach der exklusiven Wohnlage hoch über dem Vierwaldstättersee ist.

Nur zwei Minuten nachdem die letzten Villen mit den parkierten Nobelkarossen passiert sind, trifft man auf dem Biohof Langwylen ein. Die Hühner säumen die Strasse, die 300 Obstbäume und die Naturwiesen weisen auf eine grosse Biodiversität hin. Die traditionelle landwirtschaftliche Nutzung prägt diese wunderbare Landschaft am Rigi-Südhang, die in einem BLN-Gebiet (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung) liegt.

Bauprojekt für Hofnachfolge

Seit 1860 bewirtschaften Zimmermanns den Betrieb. Waren es früher im Gebiet Wylen noch acht Landwirtschaftsbetriebe, sind Beatrice Moser und Josef Zimmermann-Moser heute die letzten Vollerwerbsbauern, die in Wylen wohnen und arbeiten. Steile und flachgründige Wiesen machen die Futterernte anspruchsvoll. Die 17 Original-Braunviehkühe liegen an diesem trüben Junitag gemütlich im Anbindestall.

Wäre alles nach Plan verlaufen, würde das Vieh allerdings schon lange in einem neuen Kompost-Laufstall liegen. 2018 startete die Familie konkret in die Planungsphase zum Stallneubau für rund 20 behornte Milchkühe und 15 Jungtiere. Der heute 72-jährige Josef Zimmermann hätte eigentlich gerne schon früher gebaut. Da er aber selber bereits zu alt und der potenzielle Hofnachfolger noch in der Schule war, winkten die Amtsstellen ab. Als dann absehbar war, dass Sohn Silvan den Betrieb weiterführen möchte, wurde es konkret. Anfänglich erschwerten die strengen Ammoniak-Auflagen des Kantons Luzern das Vorhaben, dieses Problem konnte aber gelöst werden.

Laufstall soll Landschaftsbild stören – im Villenviertel wird weitergebaut
Beatrice Moser und Josef Zimmermann mit Tochter und Grosskindern vor der Parzelle, wo sie gerne den Laufstall für ihre Hornkühe bauen würden.

Landschaftsschutzverband vorgängig informiert

«Wir waren uns bewusst, dass unsere Lage im BLN-Gebiet eine Herausforderung sein könnte. Entsprechend legten wir die Pläne bereits vor der Baueingabe dem Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee, der sich für die Erhaltung des Landschaftsraums Vierwaldstättersee einsetzt, vor», erklärte die Betriebsleiterin Beatrice Moser. Der Verband wies zwar auf die grossen Dimensionen des Stalles hin, hatte aber keine konkreten Einwände gegen das Projekt.

Entsprechend positiv blickte die Familie dem Baubewilligungsverfahren entgegen. Doch als das Baugesuch bei der Gemeinde auflag, erhob ein Nachbar Einsprache. Dieser bewohnt ein ausparzelliertes Wohnhaus in der Landwirtschaftszone. Erst kritisierte er die Abstände, dann die möglichen Geruchsemissionen und schliesslich die möglichen Lärmemissionen durch die Heubelüftung.

«Es wurde von uns sogar verlangt, ein Heubelüftungskonzept zu erstellen, das aufzeigt, wann und wie lange die Belüftung läuft», erinnert sich Beatrice Moser. Die Einsprachen wurden zwar alle abgelehnt, verzögerten das ganze Projekt jedoch um zwei Jahre.

Baubewilligung erhalten – Finanzierung blockiert

2023 traf dann zur Freude der Familie die Baubewilligung vom Kanton ein. «Uns wurde mitgeteilt, dass nur noch der Entscheid aus Bern betreffend die finanzielle Unterstützung ausstehend sei. Dies sei aber eine reine Formsache», erklärt Josef Zimmermann. Doch dann kam alles anders.

Das Bundesamt für Landwirtschaft, das für das Subventionsgesuch zuständig war, leitete die Projektunterlagen zur Beurteilung an die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) weiter. Dieses 15-köpfige Gremium lehnte das Bauvorhaben ab und bezeichnete den Stall als ein vom See aus gesehen auffälliges, störendes Element in der Kulturlandschaft der Rigi-Südseite. Der Kuhstall stelle eine schwerwiegende Beeinträchtigung des Landschaftsbildes dar und dürfe nicht mit Fördergeldern unterstützt werden. Die ENHK forderte einen alternativen Standort oder mehrere kleinere Gebäude. Auch der Verlust von drei der über 300 Hochstammbäume auf der Betriebsfläche wurde angeprangert.

Laufstall soll Landschaftsbild stören – im Villenviertel wird weitergebaut
Die Hornkühe von Familie Zimmermann liegen entspannt im alten Anbindestall. Im Moment betreut die Familie Zimmermann ihr Vieh in drei verschiedenen Ställen.

Alternativer Standort liegt im Pflanzenschutzgebiet

Mittlerweile wurden die Pläne für den Stallneubau von Familie Zimmermann zum vierten Mal überarbeitet; am 27. April wurde das Projekt von der ENHK zum vierten Mal abgelehnt. «Es ist schon sehr frustrierend. Wir haben nun die Stallmasse auf das vom Tierschutz geforderte Minimum reduziert, damit der Stall weniger lang wird. Dennoch wird unser Projekt immer noch blockiert», so Beatrice Moser.

Der von der ENHK vorgeschlagene alternative Standort liegt im Pflanzenschutzgebiet. Die Variante, anstelle von einem Stallgebäude drei kleinere Gebäude zu erstellen, sorgt bei der Familie für Kopfschütteln: «Wir halten ja momentan unsere rund 35 Tiere in drei teils sehr alten Ställen. Wenn wir schon so viel Geld investieren, möchten wir aber auch alles Vieh unter einem Dach betreuen können», so Josef Zimmermann.

Hoffen immer noch auf gutes Ende

Eigentlich könnte Familie Zimmermann mit dem Stallneubau schon heute beginnen, denn die Baubewilligung hat sie eigentlich. Doch da die finanzielle Unterstützung durch den Bund infolge der Empfehlungen der ENHK verhindert wurde, seien auch die Gelder des Kantons, der Gemeinde und jene weiterer Institutionen blockiert. «Müsste unser 19 Hektar grosser Bergbetrieb auf diese mehreren 100 000 Franken verzichten, würde das den Betrieb komplett überschulden und wäre für die kommende Generation finanziell nicht mehr tragbar.»

Was der Familie besonders zu denken gibt, ist, dass in der nur wenige 100 Meter entfernten Bauzone Villen in allen Ausprägungen erstellt werden können. Ihr Stallbauprojekt, das für den Fortbestand des Betriebes und damit für die Pflege der Kulturlandschaft existenziell ist, wird jedoch verunmöglicht. Die unzähligen Korrespondenzen mit den verschiedensten Amtsstellen belasten die Familie. Trotz der vielen Rückschläge hoffen sie immer noch auf ein gutes Ende. Biobäuerin Beatrice Moser appelliert darum auch an die Politik: «Es sollte doch möglich sein, dass wir für unseren Betrieb noch eine zukunftsträchtige Lösung finden.»

Kanton bewilligte den Stallbau

Das Stallbauprojekt von Familie Zimmermann verfügt gemäss dem Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern über eine rechtskräftige Baubewilligung; entsprechend könnte der Stall gebaut werden. Der Kanton Luzern sei in der Gesamtbetrachtung sämtlicher Interessen zum Schluss gekommen, dass eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung des Bio-Landwirtschaftsbetriebes in dieser Art und an diesem Standort möglich sein soll. Der landwirtschaftliche Bedarf am Projekt sei von der zuständigen kantonalen Fachstelle bestätigt worden. In der Folge sei darum ein positiver raumplanungsrechtlicher Entscheid ausgestellt worden. Für die Beurteilung der Eingliederung des Projekts in die Landschaft sei die Gemeinde zuständig. Reto Betschart