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Milchproduktion in der Zentralschweiz: Drei Familien geben Einblick in ihre Vollkostenrechnung

Ab Mitte Juni 2026 finden wieder die beliebten Hofgespräche für Zentralschweizer Milchproduzenten statt. Die BauernZeitung hat im Vorfeld mit den Betriebsleiterpaaren Ettlin, Egli-Käslin und Erni gesprochen.

Fährt man über Land oder blättert in den Zeitungen, könnte man meinen, dass die Schweizer Milch fast «nur» noch von grossen und automatisierten Betrieben aus dem Mittelland kommt. «Wir wollen zeigen, wie im Berggebiet auf Mehrstufen-Betrieben Milch produziert wird», sagt Niklaus Ettlin über seine Motivation, seinen Betrieb für die neue Serie der Hofgespräche zur Verfügung zu stellen (siehe Kasten).

Natürlich mussten auch Ettlins «ein wenig davon überzeugt werden», sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Man habe keinen Musterbetrieb und andere Herausforderungen, um in der Milchproduktion zu bleiben.

Produziert wird auf drei Stufen

Annemarie und Niklaus Ettlin führen einen Betrieb, wie er im Berggebiet nicht untypisch ist. 18,8 ha LN werden von Ettlins insgesamt bewirtschaftet. Der Talbetrieb liegt in Kerns OW auf knapp 700 m ü. M. Rund 6,5 ha gilt es dort zu bewirtschaften.

Milchvieh und Kälber sind jeweils von Mitte Oktober bis Anfang Mai vor Ort. Dann geht es auf die zweite Stufe, einen ebenfalls zugepachteten Betrieb hoch über Kerns mit Blick auf Sarnersee und Vierwaldstättersee. Dort ist das Vieh bis Ende Juni.

Der Betrieb liegt auf 900 m ü. M., die Flächen sind meist in Hanglage, aber arrondiert. Und schliesslich zieht das Vieh zur Sömmerung auf die obere Bettenalp bei Melchsee-Frutt. Dort haben Ettlins mit zwei weiteren Betrieben gemeinsam eine Alp auf 1800 m ü. M. zugelost in Pacht.

Niklaus Ettlin, Agronom und bis zu seiner Pensionierung beim Landwirtschaftsamt Obwalden angestellt, arbeitet heute Vollzeit auf dem Betrieb. Annemarie Ettlin arbeitet noch 30 % auswärts. Bei Arbeitsspitzen werden sie von den vier erwachsenen Söhnen unterstützt.

Biomilch-Preis hilft

Hofgespräche 2026

Drei Betriebsleiterfamilien geben in Zusammenarbeit mit dem BBZN Luzern Einblick in Milchproduktionsstrategie und Betriebsmanagement. Weitere Themen sind Tiergesundheit, Umgang mit Veränderungen und was Loslassen bedeuten kann. · 16. Juni, Niklaus und Annemarie Ettlin-Durrer, Heumattlistrasse 5, Kerns OW · 23. Juni, Pirmin und Susanne Egli-Käslin, Schruffeneggweid 1, Steinhuserberg LU · 24. Juni, Sepp und Anita Erni-Zurfluh, Eppenwilerstrasse 2, Altbüron LU Jeweils 19.30 Uhr, ohne Anmeldung.

Die 15 Original Braunvieh-Kühe werden also an drei verschiedenen Standorten gemolken. Auf den beiden Betrieben im Tal gibt es Melkeimer, auf der Alp hat es eine Rohrmelkanlage.

6000 bis 7000 Kilo liefern die Kühe ausgewachsen im Schnitt. Um auch extensiveres Futter zu verwerten, haben Ettlins zudem 15 Aufzuchttiere. «Sicher an der oberen Grenze», sagt Niklaus Ettlin.

Ab und zu werden auch Tiere verkauft, wobei behornte Tiere auf dem Nutzviehmarkt weniger gesucht sind. Ettlins produzierten nach Bio Suisse. Die rund 75 000 Kilo Milch gehen in den ZMP-Biomilchkanal. Um die 95 Rappen gibt es dafür unter dem Strich.

«Der Milchpreis ist sicher einer unserer Stärken bei der Vollkostenrechnung», sagt Ettlin. So lohne es sich auch, die Alpmilch alle zwei Tage im Tal abzuliefern. Die verschärften Bio-Fütterungsrichtlinien hätten Milchmenge gekostet, so Ettlin weiter.

Protein sei teils knapp in der Ration. Mit etwas Schweizer Luzerne in Bio-Qualität konnte das Problem entschärft werden.

«Von Anfang April bis Mitte November ist das Vieh täglich auf der Weide», sagt Annemarie Ettlin. Über den Winter gibt es Silage und Dürrfutter. Die robusten OB funktionierten problemlos auf dem Bio-Betrieb mit Sömmerung. Die Tiere sind gesund, die Fruchtbarkeit gut. Abkalbungen sind nicht saisonal gesteuert und grundsätzlich auch auf der Alp möglich, wenn auch nicht das Ziel.

Jeder Stall kostet

Stufenbetriebe sind arbeitsintensiv. «Und jeder Stall kostet», so Niklaus Ettlin. Trotz aller Herausforderungen komme er auf einen Stundenlohn von über 20 Franken, auch beim Deckungsbeitrag sei man «dabei», im Vergleich mit Betrieben in der Bergzone 2.

Optimierte Direktzahlungen sind notwendig. Rund ein Viertel der LN sind Biodiversitätsförderflächen. Bei den Hofgesprächen geht es nebst der Strategie in der Milchwirtschaft und der Tiergesundheit auch um das Zusammenleben auf dem Betrieb, um Loslassen und Freizeit.

2025 gönnte sich das Betriebsleiterpaar einen sechswöchigen Aufenthalt in den USA. Dann schaute Christian, einer der Söhne und potenzieller Hofnachfolger, zum Rechten. Abschalten können Ettlins auch beim Biken, Skifahren oder Niklaus bei der Tierfotografie.

Automatisierung und U-Boot-Kuh

[IMG 2-3] Auf Effizienz setzt Familie Egli-Käslin im Steinhuserberg LU. «Wir haben in der Milchproduktion automatisiert, und zwar beim Melken, Füttern und Misten», sagt Betriebsleiter Pirmin Egli. So bleibt Zeit, um gemeinsam mit seiner Frau Susanne eine Firma im Bereich der Silotechnik zu betreiben. Die 21 ha LN sind verteilt auf vier Standorte. Im vier Jahre alten Stall produzieren 36 Kühe der Rassen HO und RH im höheren Leistungssegment. Bei der Vollkostenrechnung fiel die hohe Arbeitseffizienz positiv zu Buche. Dafür ist er natürlich mit seinen Gebäudekosten über dem Durchschnitt. Man habe den Betrieb komplett neu ausgerichtet. Über diesen Prozess und wie wichtig Kommunikation dabei ist, werden Susanne und Pirmin Egli an ihrem Abend, am 23. Juni 2026 berichten. Der dritte Betrieb bei den Hofgesprächen 2026 ist jener von Anita und Sepp Erni in Altbüron LU. Der überzeugte SF-Züchter hat die «U-Boot-Kuh» als Ziel. Eine problemlose Weidekuh, die ausser bei Abkalbung und Wiederbelegung nicht gross auffällt. Familie Erni macht folglich beim Weide-RAUS mit und weist einen Weideanteil von über 80 Prozent aus. In letzter Zeit habe man einen Fokus auf alternative Tiermedizin gelegt, vor allem Homöopathie. Und ab und zu auch ein wenig Lehrgeld bezahlt, wie Erni sagt. Die Kosten bei allen Hilfsmitteln gelte es im Auge zu behalten, denn diese tauchen spätestens bei der Vollkostenrechnung wieder auf. Hier findet sich Familie Erni aktuell im guten Mittelfeld der teilnehmenden Betriebe wieder.

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