Aufgrund ihrer hohen Nährstoffdichte und entzündungshemmenden Eigenschaften wird die Mikroalge Spirulina in der Humanernährung als Ergänzungsmittel eingesetzt. Forschende der ETH Zürich, darunter Katrin Giller aus der Professur für Tierernährung, haben sich die Frage gestellt, ob Spirulina dann auch für Nutztiere als «Superfeed» in Frage käme. In der Aquakultur und Geflügelhaltung werden bereits 50 % der weltweit produzierten Biomasse der Mikroalge als Eiweissfuttermittel eingesetzt. Aber noch nicht bei Wiederkäuern und Schweinen. So wurde untersucht, ob Spirulina Sojaschrot als Eiweissquelle in der Rindviehfütterung ersetzen kann, wenn die Ration zu 50 % aus Grassilage, zu 30 % aus Maissilage und zu 20 % aus Kraftfutter besteht. Das Kraftfutter enthielt wiederum 20 % Spirulina oder 28 % Sojaschrot.
Maisbetonte Rationen mit Spirulina ersetzen
An der Agrovet-Strickhof-Tagung mit dem Thema «Vernetzung von Forschung und Praxis – Landwirtschaft der Zukunft» stellte Katrin Giller die Ergebnisse vor. Sie kommt zum Resultat: es gibt keinen Unterschied. «Das heisst gras- und maisbasierte Rationen können durchaus mit Spirulina ergänzt werden, ohne einen Einfluss auf die Fleischqualität und Leistung zu haben», so Giller. Auch bei Milchkühen stellte die Forscherin keinen Nachteil fest – weder für die Leistung noch für die Produktqualität. Allerdings sahen einige Milchproben leicht gelber aus als in der normalen Ration mit Sojaschrot. «Spirulina enthält viel Betacarotin, was zur verstärkten Gelbfärbung in der Milch führt», begründet sie. Betacarotin besitzt antioxidative Eigenschaften.
Ob es bei Kälbern auch wirkt, ist noch offen
Bei tragenden und laktierenden Sauen führte die Fütterung mit der Mikroalge (20 g Spirulina pro Tag) zu einer Verlangsamung des Ferkelwachstums nach dem Absetzen, ohne die Futterverwertung zu verschlechtern. Ob dies ähnliche Effekte auf Kälber hat, sei noch zu prüfen, so Giller. Sie zieht aber das Fazit, dass Spirulina durchaus als Proteinquelle für Wiederkäuer mit einem positiven Effekt auf die Milchqualität geeignet sei. Finanziell lohne sich der Einsatz noch nicht. Giller sei aber optimistisch, dass sich dies in Zukunft ändern wird.

