Fährt man beim Haus von Robert Schmidlin und seiner Frau Irma vor, weiss man als Gartenzwerg-Fan zu hundert Prozent: Ich bin richtig! Ums ganze Haus herum stehen Gartenzwerge, Deko-Tiere und ein paar Fliegenpilze, zirka 700 Stück. Man will gar nicht sofort ins Haus hineingehen. Und es dünkt einen, den Zwergen-Vater freut das. Mit einer Begeisterung führt Schmidlin durch sein Zwergen-Reich. Beinahe zu jedem hat er eine kleine Geschichte auf Lager, rückt da einen liebevoll zurecht, dreht dort einen zu sich um. "Früher machte ich am Morgen meinen Rundgang durch den Schweinestall, heute kontrolliere ich die Zwerge", erklärt der Landwirt.

Mit 23 um viel Geld verhandelt

Lange Zeit waren Schweine Robert Schmidlins Leidenschaft. Wie es im Kanton Luzern üblich war, übernahm jedoch sein älterer Bruder den elterlichen Betrieb. So kam es, dass er als junger Bursche einen Betrieb zum Kaufen suchte: "Bereits mit 23 Jahren verhandelte ich mit Banken um grosse Geldbeträge", erzählt er stolz. In Flüeli-Ranft OW, oberhalb des Sarnersees, wurde er fündig. Innerhalb von zehn Tagen war der Kauf unter Dach und Fach. Und bereits ein halbes Jahr später folgte ihm seine damalige Freundin und heutige Frau Irma nach.

Die ersten Gartenzwerge kamen eher per Zufall in die Familie. Als Schmidlins 1991 ein Wohnhaus nahe des Schweinestalls kaufen konnten, gehörten das Schneewittchen und die Sieben Zwerge mit zum Inventar. "Wir verkleideten uns auch ab und zu an der Fasnacht als Zwerge", erzählt der Sammler. Und zu seinem 40. Geburtstag kam dann auch noch der ein oder andere Zwerg hinzu.

 

Der Gartenzwerg

Der klassische Gartenzwerg ist männlich, hat eine rote Mütze auf und arbeitet etwas Handwerkliches. Unterdessen sind der Sujetvielfalt jedoch fast keine Grenzen gesetzt: Es gibt beinahe nichts, was Gartenzwerge nicht tun. Es haben sich auch Tiere wie Kühe, Rehe oder Eichhörnchen zu ihnen gesellt. Gerne werden sie auch von Fliegenpilzen oder dem Schneewittchen flankiert. 

Ursprünglich stammt der Gartenzwerg aus Anatolien, die heutige Türkei. Über Italien fand er seinen Weg nach Mitteleuropa. Laut Wikipedia stehen allein in deutschen Gärten rund 25 Mio Gartenzwerge. Sie gelten vielerorts als Symbol der Kleinbürgerlichkeit und des Spiessbürgertums.

Gartenzwerge sind aus verschiedenen Materialen gefertigt: Ton, Porzellan, Beton, Kunststoff oder sogar Holz. Lange Zeit galt Polen als einer der Hauptproduzent von Gartenzwergen.

 

Plötzlich IV-Rentner

So richtig begonnen mit den Gartenzwergen hat es aber erst nach 50. Robert Schmidlin musste seinen Rücken operieren, Versteifung der Wirbelsäule. "Ich hab halt ab und zu viel zu schwere Sachen gehoben", meint der Draufgänger. Auch sonst habe er nicht allzu sehr auf seinen Rücken geachtet. Die Diagnose nach der dritten Operation lautete: IV-Rentner. "Da musste der gute Mann doch etwas zu tun haben, und so fing das mit den Zwergen an", entgegnet Irma Schmidlin.

Alle drei Söhne und die Tochter hätten Interesse gehabt, auf dem Hof einzusteigen. Wie schon bei Robert Schmidlin, übernahm dann der Älteste. Der ehemalige Betriebsleiter stellt dem Sohn noch gerne sein Wissen zur Verfügung und schaut etwas zu den Schafen. "Wenn ich nicht aufpasse, rächt sich der Rücken." Diesen Winter musste er sogar noch die Bauchspeicheldrüse operieren: "Das Restaurieren und Anmalen meiner Zwerge waren danach eine wohltuende Therapie."

"Das Recycling-Center ist ein guter Zwergen-Lieferant."

Robert Schmidlin, Gartenzwerg-Sammler

"Manchmal bringt jemand die alten Zwerge von der Mutter oder der Tante vorbei, damit sie ein neues Zuhause bekommen und auch das Recycling-Center ist ein guter Zwergen-Lieferant", erzählt Robert Schmidlin. Viele seiner bunten und fröhlichen Freunde kommen in eher schlechtem Zustand zu ihm. "Einmal stand einer mit einem Brieflein und einem 20er-Nötli vor der Türe. Der Zwerg sei für mich und das Geld für die Farbe."

Der Wind ist des Zwergs grösster Feind

Viel Sonne kann manchmal zu viel sein für die Zwerge. Robert Schmidlin zeig auf einen mit braunen Flecken: "Sonnenbrand." Vor dem Winter werden alle Gartenzwerge liebevoll von Hand gereinigt und in Kategorien eingeteilt: die Guten, die zum Flicken und diejenigen, die einfach etwas neue Farbe brauchen.

"Für kaputte Zwerge gibt es den Trick 77."

Robert Schmidlin, Gartenzwerg-Sammler

Der grösste Feind seiner Zwerge sei jedoch der Wind. Robert Schmidlin legt die meisten seiner geliebten kleinen Kerle flach auf den Boden, wenn die Wetterprognose Föhn ankündigt. Einige der Kunststoffzwerge hat er mit Beton ausgegossen, damit sie besser stehen. Trotzdem fällt manchmal der ein oder andere aufs Gesicht und lässt sich nicht mehr flicken. "Da gibt es den Trick 77: Einfach die unversehrte Rückseite nach vorne drehen." Auch der Zwerg mit der grossen Knubbelnase und dem Besen in der Hand, der lange Zeit sein Liebling war, ging kaputt. Keine Beine mehr. Sein Oberkörper thront nun auf einem Stein, und wer nichts vom Unfall weiss, sieht nur einen strammen Kerl.

Zwerge verbreiten viel Freude

Robert Schmidlin und seine Zwerge bekommen viel Besuch. Wenn er zu Hause ist und ihm die Leute sympathisch sind, macht er eine Führung mit ihnen oder bietet ein Getränk an. "Viele Leute kommen Jahr für Jahr vorbei. Wenn sie ihren Lieblingszwerg nicht gleich finden, fragen sie nach ihm." Meist stehe dieser dann einfach an einer anderen Stelle im Garten.

"Es macht mir Spass, meine Gartenzwerge jedes Jahr anders zu arrangieren", so der Zwergen-Fan. Manchmal geschieht das nicht ganz freiwillig. Früher war ein Grossteil der Zwerge um einen Teich herum aufgestellt. Doch diesen hatte Schmidlin ohne Bewilligung erstellt. So schüttete der schlaue Bauer diesen mit Steinen wieder zu. Nun stehen die Zwerge halt auf einem Steinhaufen.

Ab und zu flattern auch ein Brieflein oder eine Postkarte ins Haus. Darin tun die Schreibenden aus aller Welt ihre Freude an der Zwergenschar kund. Aber nicht nur Fremde haben Freude am Hobby des 60-jährigen Zwergen-Sammlers. Die Schwiegertochter hilft ihm beim Gesichter bemalen und die Enkel nehmen ab und zu einen Zwerg in die Ferien mit nach Hause. Selbst Irma Schmidlin hat sich unterdessen mit den Zwergen angefreundet. Sie dürfen sogar ins Haus. Einzig die Küche, die ist zwergenfreie Zone.

Mehr Bilder von Robert Schmidlin und seinen Zwergen finden Sie hier.