Das Nationale Forschungsprogramm «Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion» (NFP 69) widmet sich dem Thema Nachhaltigkeit und Ernährung. Dabei beschäftigt es sich mit folgenden drei Schlüsselfragen:

  • Wie kann die Schweizer Bevölkerung ermuntert werden, sich gesund zu ernähren?
  • Wie können gesunde und sichere Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen angeboten werden?
  • Wie können die Umweltauswirkungen der Nahrungsmittelproduktion und -verteilung verringert werden?

Im Rahmen des Online-Anlasses «Nachhaltigen Lebensmittelproduktion und Ernährung: Schlüsselfaktoren für die öffentliche Gesundheit» gab Frédéric Brand, Präsident Konferenz der Landwirtschaftsämter der Schweiz (Kolas), einige Beispiele, welche Gegensätze dabei auftauchen. Zum Beispiel wird Poulet als gesundes Fleisch angesehen, kann jedoch je nach Herkunft nicht sehr nachhaltig sein, da es gegebenfalls mit Soja gefüttert wurde. Auch Schweinefleisch aus Freilandhaltung stellt ein Gegensatz dar, da es zwar fürs Tierwohl gut ist, jedoch damit die Umwelt mehr belastet würde, sagt Brand.

Wie geht nachhaltige Ernährung?

Christine Brombach vom Ernährungsforum Zürich präsentierte folgende Empfehlungen für nachhaltiges Essen: 

  1. Genussvoll und wertschätzend essen
  2. Sich Zeit nehmen und dem Essen die volle Aufmerksamkeit geben
  3. Wenn möglich das Essen selbst zubereiten
  4. Möglichst geringer Verarbeitungsgrad der Zutaten
  5. Fleisch in Mass statt in Masse
  6. Hochwertige Lebensmittel, möglichst in Bio-Qualität
  7. Regional und saisonal
  8. Kulturspezifisch und alltagskompatibel
  9. Umweltverträglich verpackt oder verpackungsfrei
  10. Fair gehandelt

Ist Milch nun nachhaltig oder nicht?

Bis 2030 wird ein zusätzlicher Bedarf von 22% an Milch und Milchprodukten erwartet, meldet Swissmilk in einer Mitteilung. Dies wird begründet einerseits weil der Pro-Kopf-Konsum steigt und andererseits weil auch die Weltbevölkerung bis 2030 um 10% höher sein wird.

Am Swissmilk-Ernährungssymposium vom 22. November 2021 gingen Ernährungsexperten und -expertinnen aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland den Fragen auf den Grund, wie sich eine ausgewogene Ernährung nachhaltig gestalten lässt oder was überhaupt eine nachhaltige Ernährung ist.

Urs Niggli, Präsident von Agroecology-Science sprach in seinem Referat zur Rolle der Wiederkäuer: «Obwohl Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Kichererbsen oder Soja deutlich flächeneffizienter und klimaschonender Eiweiss für die menschliche Ernährung liefern als Milch und Fleisch, bleiben Wiederkäuer für die Ernährungssicherheit zentral», wird er in der Medienmitteilung zum Anlass zitiert. Denn, so Niggli, würde man auf die Produkte der weltweit 1,5 Milliarden Rinder verzichten, würde auch landwirtschaftliche Nutzfläche wegfallen, da nicht jedes Grasland auch für den Ackerbau geeignet sei.

Enya Dessibourg, Projektleiterin Nachhaltige Schweizer Milch bei Swissmilk, ging in ihrem Referat auf das Grasland und dessen Fähigkeit, CO2 zu binden, ein. Der Kuh, so Enya Dessibourg, werde in der Klimadebatte die Rolle eines Sündenbocks zugewiesen – zu Unrecht: Die Wiederkäuer und die mit ihnen verbundenen Emissionen befänden sich in einem natürlichen Kreislauf, und die Kühe seien Teil der Lösung und nicht des Problems.

Die Diskussion am Schluss war laut Mitteilung nicht abschliessend und Projektleiterin Susann Wittenberg resümierte: «Das Thema einer gesunden und nachhaltigeren Ernährung wird uns sicher auch in den nächsten Jahren weiterhin beschäftigen.»