Drei Dinge stachen den Besuchern des Anlasses «Braunvieh bi dä Lüüt» bei Familie Ming in Lungern OW ins Auge. Die Freude an der Tradition und dem Älplern, der Stellenwert von Ordnung, Sauberkeit und praktischer Einrichtung und nicht zuletzt ein hervorragendes Tierwohl.
Kein Aufwand gescheut
Mit Shuttlebussen waren die Besuchenden in grosser Zahl aus verschiedenen umliegenden Kantonen auf den Hof von Familie Ming angereist. Im sauber geputzten Stall mit den schönen Tieren begrüsste der Familienvater Hansueli Ming die Züchterkollegen. Familie Ming versorgt 37 Braunviehkühe, rund 30 Stück Jungvieh sowie zwei Zuchtstiere.
Der Herdendurchschnitt liegt bei 7575 kg Milch mit 4,14 Prozent Fett, 3,36 Prozent Eiweiss und einer Zellzahl von 88. Insgesamt bewirtschaften Hansueli Ming und seine Frau Christa mit den Söhnen Erich, Reto, Adrian und Markus 29,5 Hektaren Landwirtschaftliche Nutzfläche auf einer Höhe von 800 Metern über Meer.
Im Sommer z Alp
Die Tiere werden in einem praktisch eingerichteten, schönen Boxenlaufstall mit Tiefstrohliegeboxen gehalten. Bereits 1997 baute die Familie den ersten Laufstall in Lungern. Seither wurde dieser mehrmals umgebaut.
Im Sommer gehen Sohn Erich, seine Frau Simona und die beiden Kinder mit den Tieren auf die Alp Seefeld. Dort produzieren sie Alpkäse, Bratkäse und Alpbutter. Diese Produkte vermarktet Familie Ming direkt. Im Winter geht die Milch zur ZMP. So werden die Kühe in der kalten Jahreszeit mit einem Mischwagen gefüttert. Sie erhalten eine schmackhafte Totalmischration mit Grassilage, Heu, Emd, Mais und Brot. Zudem gibt es im Stall eine Kraftfutterstation. Gemolken werden die Kühe in einem vollautomatischen Fünfer-Tandem-Melkstand (GEA) mit Selbstabnahme.

Die Freude der Familie am Alpleben und am Vieh wurde den Besuchenden auch im zweiten Teil des Anlasses vermittelt. Dieser fand in der neugebauten Remise statt, welche mit wunderschönen Fahrtrinkeln, Geranien und weiteren Details geschmückt war.
Im anschliessenden Fachreferat ging es um die Klauengesundheit. Beat Fenner, Präsident der Schweizer Klauenpflegervereinigung, klärte über das Ressourcenprojekt «gesunde Klauen» des Bundes auf.
Lahmheit kostet viel
Im Projekt geht es darum, die Nachhaltigkeit der Klauenpflege zu verbessern. Das Problem: Eine der Hauptabgangsursachen für Kühe sind Klauen- und Gliedmassenerkrankungen.
Bisher gab es jedoch nur sehr wenig Daten zum Thema Klauengesundheit der Kühe in der Schweiz. Eine Lahmheit kostet den Landwirt rund 450 Franken. Dies hat die HAFL 2005 in einer Studie herausgefunden.
Weitere Betriebe gesucht
Im 2019 lancierten Ressourcenprojekt dokumentieren professionelle Klauenpfleger die Daten von Einzeltieren mit einem Tablet digital. Damit möglichst viele Daten zusammenkommen, ist es wichtig, dass viele Klauenpfleger und Tierhalter bei diesem Projekt mithelfen.
Bisher sind 50 Klauenpfleger beteiligt, das Ziel wären 70. Die Daten der Tiere und Betriebe werden im System anonymisiert. Es geht nicht darum, die Betriebe zu kontrollieren, sondern Verbesserungen in der Klauengesundheit zu erreichen.
Die Daten sollen in Zukunft auch in die Zuchtwertschätzung einfliessen. Daher ist auch die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter mit ihren Zuchtorganisationen Braunvieh Schweiz, Holstein Switzerland sowie Swissherdbook am Projekt beteiligt. Mitmachen können alle Klauenpfleger, die eine Bewilligung haben, gewerblich Klauen zu schneiden.
Daten digital erfasst
Bei jedem Tier dokumentiert der Klauenpfleger mit der TVD-Nummer, ob alle vier Klauen gesund waren oder ob eine Erkrankung vorliegt und was er dabei gemacht hat. Am Ende der Klauenpflege erhält der Landwirt direkt vom Pfleger die Dokumentation. Darauf sieht er auch, wann er etwa einen Klauenverband wechseln oder einen Klotz kontrollieren muss. Dank dieser digitalen Datenerfassung kann der Landwirt die Klauengesundheit seiner Herde besser kontrollieren und verbessern.
Beratungen im Rahmen des Projekts sind kostenlos.
Weitere Informationen unter Tel. 075 500 06 01 oder unter:www.gesundeklauen.ch
Betrieb Ming
Betriebsleiter: Hansueli und Christa Ming Ort: Bergstrasse 11, Lungern OW LN: 29,5 ha Lage: Heimbetrieb 800 m ü. M. Tierbestand: 37 Kühe, 30 Stück Jungvieh, 2 Zuchtstiere Leistungsdaten: 7575 kg Milch, 4,14 % Fett, 3,36 % Eiweiss, 88 ZZ Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar Ming mit den Söhnen Reto, Adrian und Markus. Sohn Erich und Frau Simona im Sommer auf der Alp sowie weitere Aushilfen.

