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Erste Hilfe beim Huhn bedarf einer guten Vorbereitung

Die Haltung von Hühnern im Kleinen scheint wieder vermehrt «in» zu sein und damit steigt auch das Interesse an der Gesundheit derselben. Über 300 Geflügelhalter, vor allem mit kleinen Beständen, nahmen an einem Webinar, organisiert vom Netzwerk «Fokus Tierwohl», teil.

Hühner sind von Natur aus Beutetiere und tendieren dazu, Krankheiten zu verbergen. «Man kann viel erreichen, wenn man schnell dabei ist», sagt Eva-Maria Casteel. Es kommt also darauf an, die Tiere gut zu beobachten und vorbereitet zu sein. Casteel, Fachtierärztin für Geflügel, gab Tipps vor allem für Geflügelhalter mit kleinen Herden an einem Webinar, organisiert vom Netzwerk «Fokus Tierwohl».

Erkennen und schnell handeln

Ein Beispiel aus der Praxis: Einer Geflügelhalterin mit einem Bestand von sechs Hühnern fiel auf, dass eines ihrer Hühner kahle Stellen am Hinterkopf aufwies und es von einem anderen Huhn bepickt wurde. Sie isolierte den «Übeltäter» und verabreichte auf Rat der Tierärztin ihrer kleinen Herde Magnesium über das Wasser. Dieses sollte die Tiere beruhigen und entspannen. Nach zehn Tagen brachte sie das Huhn zurück zur Herde. Ein Bepicken kam nicht mehr vor. «Es floss kein Tropfen Blut.» Dank ihrer guten Beobachtung und ihrem schnellen Eingreifen konnte die Hühnerhalterin das gegenseitige Bepicken stoppen. «Ein Vorgehen, das speziell bei solchen kleineren Hühnergruppen gut funktioniert», sagt Casteel.

Zur Früherkennung sollte man täglich auf Folgendes achten: Kot­absatz, Futter- und Wasserverbrauch und das Verhalten der Hühner. Hat man den Eindruck, dass bei den Tieren etwas nicht stimmt, dann gehe man am besten nach den sieben Schritten der Basisversorgung vor, die Casteel speziell für Kleinstgeflügelhaltungen entwickelt hat.

Sieben Schritte

Zur Basisversorgung gemäss Eva-Maria Casteel gehören sieben Schritte: - Betroffene Tiere zählen - Sammelkotprobe falls sinnvoll - Krankenstall vorbereiten - Hühnerhausapotheke bereitstellen - Auffällige Tiere aus der Gruppe nehmen - Stress reduzieren und Kreislauf stabilisieren - Ruhe und Wärme

Symptome erkennen

Erste Hilfe beim Huhn bedarf einer guten Vorbereitung
Eva-Maria Casteel ist Fachtierärztin für Geflügel.

Erste Hilfe ist vor allem dann möglich, wenn man gut vorbereitet ist. Eva-Maria Casteel nennt es Basisversorgung. Jeder Hühnerhalter sollte über einen «Krankenstall» und eine Stall­apotheke verfügen. Für Ersteres genügt ein kleiner Bereich, der sich abseits des Hühnerstalles befindet, um eine Ansteckung der anderen Tiere möglichst zu vermeiden.

«Jeder Hühnerhalter sollte über einen ‹Krankenstall› und eine Stallapotheke verfügen.»

Eva-Maria Casteel, Fachtierärztin für Geflügel.

Ziel des Separierens ist es, Stress zu reduzieren und den Kreislauf zu stabilisieren. Dafür helfen Ruhe und im Winter auch Wärme. In der Hausapotheke sollten alle wichtigen Dinge zur Hand sein, insbesondere ein Desinfektionsmittel für Wunden, zum Beispiel eine Jodlösung, Verbandsmaterial wie schmale Fingerverbände für die Ständer, eine Pinzette, um eingedrungene Fremdkörper zu entfernen, eine Schere zum Zuschneiden des Verbands, eine Lampe, um Verletzungen besser sehen zu können und Heilkräuter, die man öfters braucht, zum Beispiel Oregano und ätherische Öle gegen Durchfall und Atemwegserkrankungen. Auch Notfalltropfen (Bachblüten) können gute Dienste leisten.

Krankenabteile – auch in grösseren Beständen

In der gewerbsmässigen Geflügelhaltung findet man Krankenabteile eher selten. Manchmal werden kranke Hühner einfach behelfsmässig im Vorzimmer vor dem Stall untergebracht. Höchst selten gibt es Ställe,in denen die Tiere auch über Sitzstangen, geschützte Legenester und Einstreu verfügen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Hersteller von Geflügelställen keinen Extraraum für ein Krankenabteil vorsehen. Kranke Hühner von Artgenossen bepickt Bleiben die kranken oder verletzten Hühner in der Herde, werden sie oft von ihren Artgenossen bepickt. Bringt sie der Geflügelhalter einfach in den Stallvorraum, dann liegen sie häufig auf dem staubigen und kalten Boden. [IMG 2] Das Krankenabteil oder auch eine hierfür eingerichtete Einzelkiste bietet den Tieren einen geschützten Ort zur Genesung, oder bis zeitnah eine Person kommt, welche die Hühner fachgerecht tötet. Helfen, bevor sich die Krankheit ausbreitet Krankenabteile helfen nicht nur dem betroffenen Tier, sondern auch der Herde. Denn Krankheiten und Kannibalismus können sich dann weniger schnell ausbreiten.

Auffällige Tiere aus der Gruppe nehmen

Auffällige Tiere sollten aus der Gruppe genommen und genau angeschaut werden. «Vom Schnabel bis zum Ständer», betont die Tierärztin. Trübe Augen, Nasenausfluss, verschmutzte Kloake, Schwellungen am Ständer können wichtige Anhaltspunkte sein. Sind im Stall mehrere Tiere krank, sollte man eine Sammelkotprobe entnehmen und auf Parasiten untersuchen lassen.

Behandlung hat ihre Grenzen

Ist die Basisversorgung gewährleistet, dann kann der Tierhalter bei einer Verletzung oder Krankheit schnell reagieren, zum Beispiel beim Auftreten von Atemwegssymptomen wie Schniefen und Röcheln, ständigem Kopfschütteln, verschmutzten Nasenöffnungen, schaumigem Augensekret und geöffnetem Schnabel. Hier bietet es sich an, ätherische Öle, Vitamin A und Hausmittel einzusetzen oder gehackte Zwiebeln zum Grünfutter oder Legemehl zu geben.

Wenn innerhalb von drei Tagen keine Besserung eintritt, immer mehr Tiere krank werden oder es zu Abgängen kommt, dann sollte man unbedingt den Tierarzt aufsuchen. Die Behandlung durch den Hühnerhalter hat immer Grenzen, betont die Tierärztin. Diese sollte man anerkennen und nicht überschreiten.

Ursachen beheben

Die Ursachen für einen Hühnerschnupfen liegen häufig in einem schlechten Stallklima. «In vielen Fällen ist die Lüftung ein grosses Problem», fasst Eva-Maria Casteel zusammen. Die Temperaturunterschiede zwischen innen und aussen sollten nicht zu hoch sein. Der Luftaustausch darf in der Nacht und im Winter nicht zu stark eingeschränkt werden, sonst reichern sich verbrauchte Luft und Ammoniak an und reizen die Atemwege; die Einstreu wird feucht.

Um Ammoniak-Ausdünstungen aus dem Mist zu reduzieren, sollte man den Stall regelmässig reinigen. Am besten fängt man damit nicht erst bei Ausbruch der Krankheit an, sondern lässt es gar nicht so weit kommen. Als weitere Ursache des Hühnerschnupfens kommen auch Luftröhrenwürmer in Frage. Casteel empfiehlt deswegen, auch Sammelkotproben zu nehmen und diesbezüglich analysieren zu lassen.

Fragen der Teilnehmer

Wie oft soll man Hühner entwurmen? Eva-Maria Casteel rät von einer regelmässigen Entwurmung ab, da diese dazu führt, dass die Würmer vermehrt resistent werden. Besser ist es, den Kot zwei- bis dreimal im Jahr untersuchen zu lassen, um dann zu entscheiden, ob und wie man die Tiere behandelt. Federlinge und Milben, vor allem die Rote Vogelmilbe, können zu einer grossen Plage der Hühner werden. Bei Federlingen rät Casteel, die Tiere mit Kieselgur oder Ballistol zu behandeln. Eine Kropfverstopfung lässt sich behandeln, indem man Oliven- oder Paraffinöl in die Backentaschen der Hühner eingibt. Allerdings muss man wissen, wie man das richtig macht, damit das Öl nicht in die Luftröhre gelangt.

Zur Prophylaxe einer Kropfverstopfung sollte man darauf achten, den Hühnern keinen Rasenschnitt zu verfüttern und im Auslauf keine feinen Holzhackschnitzel zu verwenden. Ob man ein vom Habicht verletztes Huhn noch behandeln oder lieber töten soll, entscheidet am besten der Tierarzt zusammen mit der Halterin. Es gilt zu bedenken, dass sich tiefe Wunden entzünden und das Tier Schmerzen erleiden wird.

Online-Sprechstunde für Hühnerhalter bei Fachtierärtzin Eva-Maria Casteel: hier.

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