«Wenn ich jetzt mit Planen und Bauen beginnen müsste, wäre es wohl einiges komplizierter und teurer», sagt Christian Grüter von der Goldschrüti ob Ruswil. Der frisch verheiratete Junglandwirt baut derzeit einen neuen Laufstall für Milchvieh. Bald ist fertig betoniert, in den nächsten Wochen wird aufgerichtet, bis im September soll alles fertig sein.

Aufstocken beim Milchvieh

Den typischen Luzerner Landwirtschaftsbetrieb mit Milchvieh und Zuchtschweinen konnte er vor zwei Jahren von seinem Onkel übernehmen. Die bald 40-jährige Anbindevorrichtung und weitere anstehende Investitionen in der alten Scheune veranlassten ihn, die Betriebsführung grundsätzlich zu überdenken. Bei der Milch will Grüter bleiben, aber auf 50 Kühe aufstocken und künftig auf Vollweide und saisonale Abkalbung setzen.

«Für 25 Kühe neu bauen kam nicht in Frage.» Auf einen Melkroboter zu setzen, allerdings auch nicht. Ihm gefalle die herkömmliche Melkerei, und die Neuausrichtung auf Weide passe auch nicht zu automatisiertem Melken. Grüter ist sich bewusst, dass die kommende Betriebsumstellung auf Vollweide anspruchsvoll wird, auch bezüglich Weidemanagement. Aber das sei ein nachhaltiger Weg für die künftige Milchproduktion, basierend auf eigenem Raufutter.

«Die Unterschiede bei den Offerten waren teils sehr gross.»

Christian Grüter rät Bauherren, mehrere Angebote einzuholen und hart zu verhandeln.

Low Cost mit Weide

AboAlle Überlegungen und Varianten eines Baus müssen dokumentiert sein, bevor das Gesuch zu den Behörden geht. Bild: Stefan KohleBauernhofBei Baugesuchen in der Landwirtschaft alle Überlegungen dokumentierenDonnerstag, 21. Februar 2019 Bereits hat Christian Grüter begonnen, den Viehbestand umzustellen beziehungsweise einzukreuzen auf Kiwi-Cross, also neuseeländische Genetik wie Jersey, welche auf Vollweide ausgerichtet sei. Von seinen Lehrbetrieben mit Weidewirtschaft konnte er auch bereits etwas Jungvieh zukaufen. Hohe Leistungen stehen nicht mehr im Vordergrund, derzeit sind es noch 8000 kg, künftig wohl nur mehr 6000 kg pro Kuh und Jahr. Dafür wird möglichst günstiges eigenes Grundfutter und minimalst Kraftfutter – «nur noch als Lockfutter» – eingesetzt. Auch beim Bau der Liegehalle mit Tiefboxen und Melkstand setzt er auf ein Low-Cost-System. In der alten Scheune werden zwei Fressachsen eingerichtet, zudem hier das Heulager mit Kran noch genügt. Auch das Jungvieh bleibt in der alten Scheune.

Erste Ideen zum Bauen entstanden vor rund einem Jahr, ebenso erfolgten im Frühsommer 2021 bei der LBV-Bauberatung Vorabklärungen zu Tierbestand und Umweltauflagen.

Vor Verschärfung eingereicht

Christian Grüter ist froh, dass dies rechtzeitig erfolgte, noch vor der Verschärfung im Herbst 2021. So wurden ihm die Abdeckung des Güllesilos und der Einsatz des Schleppschlauches als Ammoniak-mindernde Massnahmen noch angerechnet. Gleichwohl waren weitere Auflagen wie eine Berieselungsanlage im Laufstall nötig, um den geplanten Tierbestand bewilligt zu bekommen.

Weil die Gebäude aber in der Wasserschutzzone S3 liegen, kamen weitere Gewässerschutzauflagen dazu. So hätte Grüter gerne mehr Güllelagerraum gebaut, das wäre aber wegen kostentreibenden Auflagen in der S3 nicht tragbar gewesen. «300 m3 mehr Lagerraum hätten doppelt so viel gekostet wie ausserhalb einer Schutzzone.» Recht aufwendig war auch die Dichtigkeitsprüfung der Güllelager und des ganzen Gülleleitungsnetzes, das im Rahmen des Bauprojekts verlangt wurde und ab nun alle fünf Jahre wiederholt werden muss.

Das ganze Planungs- und Baugesuchsprozedere, mit einigem Hin und Her mit den Amtsstellen, erstreckte sich über viele Monate. «Die Behörden sagten nicht, was sie wollten, sondern wir mussten Lösungen vorschlagen, wozu diese Stellung bezogen. Das brauchte Zeit und Geduld, vor allem wegen des Gewässerschutzes.» Allein wegen dieser Auflagen koste das Projekt rund 40 000 Franken mehr, bei Gesamtkosten von rund 1,1 Millionen Franken.

«Melkroboter passt nicht zu mir.»

Christian Grüter setzt auf Vollweide und möglichst geringen Kraftfuttereinsatz.

Das Baugesuch reichte er im Herbst 2021 ein, die Baubewilligung erhielt er schliesslich im März 2022. Seit Anfang April wird gebaut, mitten in Zeiten veränderter Rahmenbedingungen. Mit höheren Zinsen, Mehrkosten für Baumaterial, Lieferengpässen und Terminschwierigkeiten. Die Finanzierung und Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Kreditkasse und Banken bot allerdings keine Probleme. Und Grüter ist froh, dass er die meisten Aufträge noch im vergangenen Winter vergeben konnte. Für die grossen Posten schloss er Pauschalen mit einem Kostendach ab. Und es habe sich sehr gelohnt, jeweils mehrere Offerten einzuholen und hart zu verhandeln. Er lobt in diesem Zusammenhang die gute Stallplanung und Unterstützung durch die Krieger AG. «Die Offertunterschiede bei gleichen Devisen waren teilweise enorm.» Dank günstigen Vergaben konnte er so fast 100 000 Franken gegenüber dem Kostenvoranschlag einsparen. Die setzte er kurzfristig als Reserven ein, um gegen Überraschungen aufgrund des aktuell schwierigen Marktumfeldes beim Bauen gewappnet zu sein.

Betrieb Goldschrüti
Betriebsleiter Christian Grüter
Ort Goldschrüti, Ruswil LU
Fläche 30 ha LN, davon 12 ha Ackerbau (Silomais, Gerste, Weizen, Triticale)
Tiere 25 Milchkühe (Rasse SF, RF und HO; Lieferrecht ZMP-Industriemilch 150 000 kg); Jungvieh, 60 Zuchtsauen
Arbeitskräfte Betriebsleiter, Onkel, über Bauzeit ein Angestellter, Eltern, Aushilfen.

Kosten im Griff

Die höheren Preise, so beim Beton und Stahl allein seit Baubeginn, spürt Christian Grüter gleichwohl. Nur gering waren allerdings Lieferverzögerungen für einige Baumaterialien. «Zum Glück sind unsere Vergaben durch, wer jetzt mit Bauen startet, kann wohl nur spekulieren.» So konnten die Unternehmen auch das Material rechtzeitig bestellen. Nur von den Dachpaneelen wisse er noch heute nicht, wann die lieferbar seien. Aber das hänge wohl auch mit den wegen der Hagelschäden im 2021 noch immer vielen ungedeckten Dächern in der Region zusammen, meint Grüter.

In den neuen Stall will er Mitte August mit dem Vieh einziehen. Dann wird die alte Scheune umgebaut, die Fressachse eingebaut, was bis Ende September auch abgeschlossen sein sollte. Weil er einen Mitarbeiter frisch ab der Lehre einstellen konnte, lägen auch einige Eigenleistungen drin. «Das hilft mit, die Kosten im Griff zu halten.»

Gute Planung lohnt sich

Künftigen Bauherren gibt Christian Grüter den Tipp, rechtzeitig mit der Planung zu starten und dafür genügend Zeit und auch Geld einzusetzen. «Ein gut durchdachtes Konzept zahlt sich immer aus.» Sehr lohnend sei auch, mehrere Offerten einzuholen und hart zu verhandeln. «Mit den so eingesparten Kosten konnten wir einen rechten Teil der Melkerei zahlen.» 

Aargauische Kreditkasse spürt Rückgang an Gesuchen 
Im vergangenen Jahr wurden bei der Aargauischen Landwirtschaftlichen Kreditkasse (ALK) 154 Gesuche für Darlehen und Beiträge eingereicht, was dem Vorjahresniveau entspreche. Nun aber spüre man in diesem Frühjahr einen Rückgang, sagt Geschäftsführer Markus Gfeller und begründet dies mit der Kostenexplosion beim Bauen.

Kostenteiler suchen
Offensichtlich werde mit einigen Bauprojekten, auch für Milchviehställe, zugewartet. «Aufgeschoben heisst aber nicht aufgehoben.» Dass wegen Finanzierungsschwierigkeiten bei bewilligten Gesuchen eine höhere Verschuldung beantragt werde, sei nicht feststellbar. «Bei höheren Preisen gegenüber dem ursprünglichen Kostenvoranschlag für Baumaterial wird häufig eine gemeinsame Lösung, also ein Kostenteiler zwischen Bauherr und Unternehmer, gesucht», weiss Gfeller.
Der Stiftungsrat der ALK genehmigte Ende Mai Geschäftsbericht und Jahresrechnung. Die Summe bewilligter Darlehen nahm gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 25,3 Millionen Franken zu, dies wegen einiger grosser Bauprojekte und der Aufstockung der Mittel für kantonale Darlehen. Bewilligt wurden 96 Investitionskredite mit einer Summe von 20,6 Millionen Franken. Es dominierten Gesuche für die Milchproduktion, während Darlehen für Wohnhäuser weniger gefragt waren. Kantonale Darlehen gab es für 4,3 Millionen Franken und A-fonds-perdu-Beiträge für 1,3 Millionen Franken. Steigend waren Gesuche für ökologische Massnahmen wie Spritzenwaschplätze und zur Ammoniakreduktion.

Höhere Ansätze erwünscht
Diskussionen gab es im Stiftungsrat wegen der seit vielen Jahren gleich hohen Pauschalansätze für Investitionskredite. Aufgrund der Bauteuerung und der Inflation soll beim Bund eine Erhöhung beantragt werden. «Zumal viel Geld brach liegt und wir das wegen der limitierten Bundesansätze nicht zweckkonform einsetzen dürfen», sagt Gfeller.