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Biodiversität im Pferdestall: Lieber naturnah statt herausgeputzt

Biodiversität rund um den Pferdestall nützt nicht nur der Umwelt, sondern bringt auch den Equiden und ihren Menschen Vorteile.

Ein getrimmter Rasen, Buchsbaum- oder Thujahecken, allenfalls noch ein Rosenstock, ansonsten leer und aufgeräumt: Was viele Menschen als schöne Anlage wahrnehmen, hat bezüglich Biodiversität wenig zu bieten.

«Schade», findet Flurina Zeindler vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG. Während Biodiversität auf den Landwirtschaftsbetrieben zum Alltag gehört, ist sie auf vielen Pferdeanlagen noch kaum ein Thema.

Gut für Mensch und Tier

Die Agronomin und Pferdehalterin Zeindler stellt klar: «Biodiversität im Pferdestall fördert nicht nur die Vielfalt an Pflanzen und Lebewesen, sondern im Idealfall auch das Wohlbefinden von Mensch und Pferd.» Sie nennt Beispiele: ein Strauch, der vor Wind schützt, oder eine begrünte Fassade, welche die Sonnenhitze dämpft. Eine Hecke, die den Raum strukturiert und an der die Pferde knabbern dürfen. Lebensräume, die Insekten- und Mäusejäger anziehen.

Biodiversität im Pferdestall: Lieber naturnah statt herausgeputzt
Dieser Baum bringt zwar keinen grossen Ertrag mehr, dafür willkommenen Schatten und Struktur auf der Weide.

Am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg fand ein Kurs zum Thema Biodiversität im Pferdestall statt, mit angeregten Diskussionen unter den Teilnehmenden.

Eine Erkenntnis daraus: Es braucht nicht nur grosse Würfe. Kleine Massnahmen, die sich einfach umsetzen lassen, bringen schon viel.

Aufpassen vor Giftpflanzen

Bevor es losgeht, müssen allerdings einige Punkte beachtet werden, denn Pferde, ihre Besitzer(innen) und Biodiversität sind nicht automatisch ein Traumteam.

Etliche Pflanzen sind für Equiden schon in kleinen Mengen hochgiftig. Es ist darum zwingend, dass die Bepflanzung rund um Stall, Paddock und Weide pferdeverträglich ist. Hier muss der Stallbetreiber genau informiert sein und auch jene Pflanzen im Auge haben, die spontan wachsen.

Raumplanung beachten

Pflanzen, deren Blüten oder Früchte stechende Insekten anziehen, eignen sich nicht für stark frequentierte Orte, an einem Putzplatz beispielsweise können sie stören. Weiter ist das Raumplanungsgesetz zu beachten. Elemente wie Steinmäuerchen beispielsweise gelten schnell als bauliche Massnahmen, die unter Umständen nicht geduldet werden.

Und dann die Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer: Nicht alle freuen sich grundsätzlich über Rauchschwalben und Schleiereulen im Stall, sondern stören sich erst mal über Kot und Gewölle. «Hier hilft Aufklärung», stellt Flurina Zeindler fest. Denn als Jäger von Insekten und Mäusen sind die Vögel durchaus willkommen.

Und selbst wenn Pflanzen und Kleinlebewesen den Menschen nicht auf den ersten Blick einen Vorteil bringen, kann ein Gespräch über den Stellenwert von Biodiversität helfen.

Mögliche Massnahmen

Folgende Fördermöglichkeiten bieten sich rund um Pferdestall, Auslauf und Weide an:

Bäume und Sträucher: Sie dienen als Windschutz, Schattenspender und zur Strukturierung. Nahe am Auslauf müssen sie in der Regel vor Frass durch die Pferde geschützt werden. Schwarzer Holunder gehört zu den wenigen Pflanzen, die Equiden in der Regel verschmähen, ebenso ausgewachsene Birken.

Sträucher mit Dornen sind in der Nähe von Stall und Auslauf nicht empfehlenswert wegen der Verletzungsgefahr.

«Unordentliche Ecke»: Hier wird bewusst nicht gewischt und es darf sich Biomaterial – zum Beispiel Laub, aber aus Hygienegründen kein Mist – ansammeln. An solchen Stellen siedeln sich schnell viele Insekten an. Allfällige invasive Pflanzen müssen dabei konsequent gerodet werden.

Randbepflanzung: Ein Streifen Brennnesseln oder andere Stauden, etwa am Weiderand, bieten Insekten wertvolles Futter. Getrocknet sind Brennnesseln übrigens ein gesundes Pferdefutter. Ein gestaffelter Rückschnitt oder ein Rückschnitt im Frühling hilft, die Insekten zu schützen.

Hecken: Sie sind für die Biodiversität sehr wertvoll, sofern sie regelmässig mit einem Schnitt verjüngt werden. Attraktiv sind auch Totholzhecken im Auslauf oder auf der Weide. Dafür werden zwischen Pfosten Äste eingelegt. Während sich die unteren Äste zersetzen, wird oben laufend neues Material nachgefüllt. Das Holz darf nicht krank, giftig oder mit Pflanzenschutzmittel behandelt sein.

Nistkästen: Sie müssen für Räuber wie Katzen und Marder und auch für die Pferde unerreichbar sein. Aufpassen heisst es auch bei den Langhaaren von Pferden. Sie können für Vögel zur tödlichen Falle werden, wenn diese die Haare in ihre Nester verbauen und sich darin verfangen. Schweif- und Mähnenhaare gehören darum nicht auf den Mist, sondern verschlossen in den Kehricht.

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