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Schweine bei Coop Naturafarm und IP Suisse: Das ändert sich für Produzenten

Ab 2021 übernimmt IP-Suisse die Verantwortung und die Kontrolle beim Label Coop Naturafarm Schweinefleisch. Die Produzenten müssen neu zusätzlich Biodiversitätsbeiträge erfüllen, erhalten aber nur noch halb so viel Zuschläge für den Mehraufwand der Labelproduktion. Wie die neue Situation trotzdem für alle ein Gewinn sein könnte.


2019 wurden in der Schweiz rund 2.4 Millionen Schweine geschlachtet. Zwei Drittel aller Betriebe erfüllten die freiwilligen vom Bund initiierten Tierwohlstandards BTS (Besonders Tierfreundliche Stallungen) und die Hälfte der Schweinebetriebe arbeitete gemäss den RAUS-Richtlinien. «Das zeigt, dass die Schweinehalter bereit sind, bezüglich Tierwohl viel zu leisten», sagt Raphael Helfenstein vom Verband Suisseporcs. Trotzdem konnte nur ein Drittel der Schlachtkörper mit Mehrwert als Label-Fleisch verkauft werden (siehe Infografik).

Deshalb hat Coop 2018 entschieden, die 310'000 Schweine aus dem Coop Naturafarm Porcs (CNfP)-Label um rund einen Drittel auf 220'000 Schweine pro Jahr zu senken. «Die rückläufige Nachfrage macht auch vor dem Labelfleisch nicht Halt. Coop musste die Produktion der Nachfrage anpassen», sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann. Die Rechnung war für Coop schon lange nicht mehr stimmig. Ein grosser Teil des Fleisches, das die Detailhändlerin in ihrem Labelprogramm den Haltern für einen Mehrwert abgekauft hatte, landete schliesslich als normales Schweinefleisch auf der Ladentheke.

Zwei Tiefschläge in kurzer Zeit

Ende Februar kam dann ein weiterer Schock für die CNfP-Produzenten, als Coop bekanntgab, dass sie ab 2021 die Richtlinien von CNfP an IP-Suisse abgeben wird. Das bedeutet für die CNfP-Produzenten, dass sie weniger Prämien pro Schwein erhalten und gleichzeitig neu gesamtbetriebliche Anforderungen im Bereich Biodiversität erfüllen müssen (siehe Kasten). Aus dem IP-Suisse-Punktesystem können sie für ihren Betrieb passende Massnahmen auswählen wie beispielsweise das Anlegen von Buntbrachen oder der Verzicht auf Mähbalken.

Das verändert sich für die bisherigen Schweine-Produzenten

Für IP-Produzenten ändern sich nur die Kontrollen

Diejenigen Schweineproduzenten, die von Anfang an für IP-Suisse produziert hatten, müssen vorerst keine Änderungen vornehmen. Und das, obwohl die Haltebedingungen für CNfP-Schweine strenger sind. CNfP-Schweine haben nebst der Liegefläche und dem Auslauf einen Aktivitätsbereich, also insgesamt knapp einen Drittel mehr Platz als IP-Suisse Schweine.

Was sich aber auch für die bisherigen IP-Suisse-Produzenten verändert, ist die Tierschutz-Kontrolle. Neu wird IP-Suisse die Kontrollen ihrer Label-Schweineproduzenten durch den Schweizer Tierschutz (STS) durchführen lassen. «Das war schon länger geplant und wir freuen uns, dass IP-Suisse sich noch mehr für das Tierwohl auf ihren Betrieben einsetzt», sagt Cesare Sciarra, Geschäftsführer beim Kompetenzzentrum Nutztiere und Leiter des Kontrolldienstes beim STS. Die Kontrollen vom STS erfolgen stets unangemeldet und gelten unter den Produzenten als streng. «Das Tierwohl liegt uns am Herzen und der Druck aus der Gesellschaft und auch der diversen Tierschutzorganisationen wird grösser», sagt Niklaus Hofer von IP-Suisse.

Grosse finanzielle Einbussen für CNfp-Produzenten


Während sich für den bisherigen IP-Produzenten momentan auch finanziell nichts ändert, bedeuten die Übernahme für bisherige CNfP-Produzenten grosse Einbussen. Dafür, dass ein Schweineproduzent die Label-Richtlinien einhält, erhält er eine Prämie. Bislang konnte ein durchschnittliche Schweizer Mastbetrieb mit 250 CNfP-Plätzen 750 Tiere à 89 kg Schlachtgewicht mästen. Mit einer Prämie von 50 Rappen erhielt er also insgesamt 33‘375 Franken pro Jahr. Dieser Produzent hat bei 20 Rappen Prämie gegenüber dem bisherigen Muster 20‘025 Franken weniger auf dem Konto und bei 40 Rappen Prämie verliert er 6‘675 Franken. «Der finanzielle Schaden für dieselbe Leistung ist erheblich», sagt Raphael Helfenstein. Es veranlasse die Schweinehalter dazu, sich Gedanken zu machen, in welchem Rahmen sie ihre Produktion fortführen wollen.

Prämien: fix oder flexibel?

Schweinehalter Urs Haslebacher möchte an der Labelproduktion festhalten. Er fordert allerdings eine fixe Prämie, damit er eine gewisse Planungssicherheit hat: «Eine flexible Prämie ist eine Katastrophe für ein Unternehmen. Wir können ja nicht alle paar Monate mit dem Label aufhören oder wieder anfangen.» (Mehr dazu im Interview mit Urs Haslebacher) Dieses Thema will IP-Suisse an ihrer Herbstversammlung mit den Abnehmern diskutieren. «Wir wollen eine faire Entschädigung für die Bauern. Die flexible Prämie hatten wir 2011 eingeführt, diskutieren die Prämien allerdings jährlich mit unseren Abnehmern», sagt Hofer von der IP-Suisse.

Erhöhte Tierwohlstandards im Interesse aller

Haslebacher, der im Vorstand der IG Coop Label Porc die Interessen der Schweinehalter vertritt, sagt die Betriebe seien bestrebt, sich Richtung Tierwohl und mehr Umweltschutz weiterzuentwickeln. «Aber das darf nicht einfach gefordert und nicht abgegolten werden. Die Massnahmen bedeuten für uns einen höheren Arbeitsaufwand beispielsweise beim Einstreuen und höhere Investitionen infolge der zusätzlichen Fläche», sagt Haslebacher.

Tierwohl kostet!

Auch auf Ebene Abnehmer müsste sich etwas ändern. Bisher hätten die Grossverteiler das Labelfleisch zu teuer verkauft, und damit den Absatz gedämpft, ist Haslebacher überzeugt. Dieser Meinung ist auch Cesare Sciarra vom STS. «Die Grossverteiler schlagen hohe Margen auf das Labelfleisch und quersubventionieren dann das restliche Fleisch, das sie viel zu billig anbieten. Wir wünschten uns, dass sie den Absatz von Labelfleisch mit Marketing pushen würden.» Mit dem neuen Kontrollsystem erhoffen sich Tierschutz, IP-Suisse und die Schweinehalter, dass das Label für die Konsumentinnen und Konsumenten attraktiver wird und diese das höhere Tierwohl mit einem Kauf unterstützen. 

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