«Schilf eignet sich bei Töpfen ohne Torf gut als Kokosfaseralternative»

Am «Erfahrungsaustausch Biogemüse» wurde berichtet, wie sich Torf-Ersatzprodukte in Versuchen und in der Praxis zeigen. Durch die vielen guten Eigenschaften des Torfes bleibt die Thematik eine Herausforderung.

«Jährlich werden laut Schätzungen etwa 115'000 bis 150'000 Tonnen Torf in die Schweiz importiert», Anja Vieweger, FiBL, begann die Tagung «Erfahrungsaustausch Biogemüse» mit einer eindrücklichen Zahl. Wie wir bereits in der letzten Ausgabe der BauernZeitung berichteten, ist die Torfreduktion aktuell ein wesentliches Thema im Gemüsebau.

Wie ersetzen?

Problematisch am Torfabbau ist laut Ilona Stoffel von Bio Suisse die Masse an Kohlendioxid, welche durch den Abbau freigesetzt wird. Immerhin könnten Torfgebiete sechsmal mehr CO2 speichern als eine gleich grosse Waldfläche. Deshalb sollte umgehend eine Lösung gefunden werden, wie Torf beispielsweise in Erdpresstöpfen, wo er momentan zum grössten Teil eingesetzt wird, minimiert werden kann.

Klare Vorteile des Torfes nicht ausser Acht lassen

Dazu werden momentan einige Versuche durchgeführt, wie Alex Mathis von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in seiner Präsentation erklärte: «Bei reduziertem Torfanteil in Presstöpfen ist die Bindigkeit und Stabilität stark reduziert, der Topf ‹bröselt› tendenziell. Dadurch wird die mechanische Pflanzung erschwert.

Zudem haben Torfersatzrohstoffe ein weites C/N-Verhältnis, was eine ausreichende Stickstoffversorgung herausfordert. Im Weiteren ist das Wasserspeicherungsvermögen mit geringerem Torfanteil schlechter», so Alex Mathis weiter. Grundsätzlich sei ein Vorteil von Torf, dass er praktisch keine Nährstoffe enthält. So könne beliebig aufgedüngt und mittels Kalk auf jeden gewünschten höheren pH-Wert eingestellt werden.

Viele aktuelle Versuche

Eine Alternative zu den Presstöpfen sei das «Plant-Tape», bei dem alle Jungpflanzen mit einem Band verbunden sind und so gepflanzt werden. Jedoch eignet sich das System nicht für alle Gemüsekulturen, und die Regelmässigkeit der Jungpflanzen mit dieser Technik ist weniger gewährleistet.

Somit ist es zurzeit noch undenkbar, ganz auf Torf zu verzichten. Doch das Reduzieren sei bereits ein erster Schritt. Alex Mathis führte an der Tagung einen kleinen Versuch vor, bei dem er in verschiedenen Töpfen mit unterschiedlichem Torfgehalt die gleiche Menge Wasser fliessen liess (siehe Bild). Dann mass er die Menge an Wasser, welche durch den Topf nicht aufgenommen wurde.

Am besten schnitt tatsächlich nicht der Topf mit dem höchsten Torfanteil ab, sondern derjenige, welcher 70 Prozent Torf, Grünschnittkompost und Dünger aufwies. Er konnte am meisten Wasser zurückhalten.
Auch bei einem Salatversuch (mit Kopf- und Nüsslisalat) konnte von 40 zu 70 Prozent Torfeinsatz kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Ein Torfanteil von 30 Prozent ist aber laut Mathis nicht realisierbar.

Schilf statt Kokosfasern

Doch nicht nur Torf an sich steht stark in Kritik – Kokosfasern, welche sich in vielen Substraten befinden, seien auch höchst bedenklich, da der Anbau von Kokospalmen nicht nachhaltig sei. Um trotzdem faserreiche Komponenten im Presstopf zu haben, müssten auch hier Alternativen her. Neben der Holzfaser wäre das beispielsweise der Anbau von Paludikulturen. «Dabei werden wiedervernässte Moorböden genutzt, in denen Moorbewohner, wie beispielsweise Schilf angebaut werden.

Diese Fasern können dann für die Töpfe als Torfersatzsubstrat verwendet werden», so Alex Mathis. Daniel Boehringer von der Stiftung-Brändi-Gärtnerei erzählte von den Substratmischungen, die sie auf dem Biohof in Baldegg einsetzen. Seit fünf Jahren produzieren sie Topfkulturen torffrei und seit zwei Jahren trifft dies auch auf ihre Anzucht zu.

Torfersatz in der Praxis

«Wir setzen zwei verschiedene Substratmischungen auf unseren rund 5 ha ein: Eine mit Kompost, Landerde (Humuserde), Bimssand, Perlit, Holzfaser, Organos (organischer Dünger), Biorganic N-Star (N-Rasendünger) und die andere mit lediglich Kompost und Cocomix. Bei der zweiten wird Schafwolle, Mairol-Biodünger und Schwefel zugesetzt.»

Die Mischung, bei der mehr Komponenten enthalten sind, hat laut Boehringer ein gutes Wasserspeicherungsvermögen, und die Langzeitstickstoffversorgung sei gewährleistet. Dafür trockne sie nicht so schnell aus, und der Trauermückendruck sei hoch. Die Substratmischung mit dem Cocomix als Zusatz trockne gut ab und sei günstiger, doch müsse man mehr nachdüngen.

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