«Manchmal wird es unter dem ganzen Plastik schon wie in einem Gewächshaus», beschreibt Beat Helbling die Erntezeit in seiner Kirschenplantage. Über dem Bielersee in Epsach BE baut der Obstbauer Kirschen in Spindelform an. Zum Schutz vor der Kirschessigfliege (KEF) sind die Bäume von einer Mauer aus engmaschigen, schwarzen Netzen umgeben. Zusätzlich spannen sich Plastikbahnen als Witterungsschutz über die Anlage. «Die KEF schwirrt eher in Bodennähe und dringt seitlich in die Kulturen ein», erklärt Helbling die Konstruktion.

Keine Probleme mit Pilzen

Trotz der treibhausähnlichen Verhältnisse im Sommer habe er keine grösseren Probleme mit Pilzbefall. «Wichtig ist aber, den Pflanzenschutz im Griff zu haben und der Baumschnitt.» Die Reihen dürfen nicht zu dicht stehen, nach oben begrenzt der Regen- und Hagelschutz die Höhe. Kleine Bäume sind laut dem Epsacher einfacher zu schneiden als Hochstämmer. «Ausserdem ist die Unfallgefahr geringer», schmunzelt er.

Kleintiere nicht gefährdet

Die Netz-Mauer hält nicht nur die KEF fern; auch mit Vögeln habe er weniger Probleme, meint Beat Helbling. Gewisse Arten seien zwar schlau und fänden immer Schlupflöcher. «Für Singvögel ist es geradezu ein Paradies; ihre Nester sind im Trockenen und vor Raubvögeln geschützt». Bei der Ernte finde man jeweils eine beachtliche Anzahl Nester. Verheddern würden sich weder Federvieh noch Igel «dazu sind die Maschen zu eng», erklärt der Obstbauer.

«Vögel und Igel verheddern sich nicht im Netz.»

Beat Helbling, Obstbauer über die Gefahr für Kleintiere

Plastik statt Idylle

Schon von Weitem sieht man, wie sich die Plastikgewebe im Wind blähen. Das ist nicht gerade eine Postkartenansicht. «Die seitlichen Netze stehen etwa während zwei Monaten», beruhigt der Epsacher. Ende Mai muss die Kultur vor einwandernden KEF geschützt werden, die ihre Eier in reifende Früchte legen. Zuvor, während der Blütezeit, ist die Bahn frei für Bestäuber. Hier profitiert Helbling vom nahen Honigbienenstand. Er hilft aber auch etwas nach: in seiner Kirschenanlage stehen Wildbienen-Kästen.

Nach der Ernte, wenn alle Kirschen aus der Anlage entfernt worden sind, stellt die KEF keine Gefahr mehr dar. Sie ist nur an reifen, gesunden Früchten für die Eiablage interessiert und überwintert an geschützten Orten ausserhalb der Kultur. Zu diesem Zeitpunkt können also die seitlichen Netze wieder entfernt oder eingerollt werden. Das sei wichtig, um das Material zu schonen: «besonders die Sonne, das UV-Licht schadet dem Plastik. Ausserdem können sich bei starkem Wind die Nähte lösen», führt der Obstbauer aus. Maximal zehn Jahre Lebensdauer schätzt er für die Netze. Somit muss bei einer durchschnittlichen Erhaltungszeit von 20 Jahren für eine Kirschenplantage mit zwei Garnituren gerechnet werden. «Die Anschaffung der KEF-Netze ist mit 80 Rappen pro m2 zwar nicht gross, aber es gibt schon zusätzliche Arbeit», meint Helbling. Allerdings unterstützt der Kanton Bern im Rahmen des Berner Pflanzenschutzprojekts die seitliche Einnetzung mit 1000 Franken pro Hektare und Jahr.

Hochstämmer unter Druck

Für Hochstamm-Kirschbäume sieht Beat Helbling wenig Zukunft; «Wir werden die KEF nicht ausrotten können. Es geht deshalb darum, sie in Schach zu halten», erklärt er. Grosse Bäume kann man nicht einnetzen oder vor der Witterung schützen, daher würden sie auch die Qualität von Tafelobst nicht erreichen. «Ich sehe Hochstämmer in Zukunft eher als Ökoelement», schliesst er. 

Der Obstverband informiert

#YT0#

Beim Schweizer Obstverband (SOV) möchte man Passanten über den Sinn und Zweck von Schutznetzen informieren. Daher werden "im Verlauf des Jahres" verschiedene Tafeln bestellbar werden, wie der SOV in seinem Fachmagazin schreibt. Die Tafeln sollen jeweils 48 Franken kosten (zuzüglich Versandkosten).