Florian Sandrini vom BBZ Arenenberg (links) und Ueli Bleiker, Chef des Thurgauer Amts für Landwirtschaft, wollen wissen, auf welchen Wegen Wirkstoffe in Gewässer gelangen.ArenenebergAquasan: Das Thurgauer Ressourcenprojekt soll Fakten liefernSamstag, 19. Oktober 2019Mit dem Ressourcenprojekt Aquasan will der Kanton Thurgau das Risiko von Gewässerverunreinigungen durch Pflanzenschutzmittel (PSM) reduzieren. Das Projekt befindet sich im vierten Jahr und damit in der Halbzeit. Das Landwirtschaftsamt, das Amt für Umwelt und das BBZ Arenenberg informierten am 6. Oktober 2022 die Medien über den Zwischenstand und stellten die nächsten Massnahmen vor.

Projekt Aquasan ist zur Halbzeit auf Kurs

Florian Sandrini, Leiter Pflanzenschutz am BBZ Arenenberg, blickte auf die Anfänge von Aquasan zurück. «Messungen im ersten Pilotjahr 2019 zeigten, dass Hofplätze der wichtigste Eintragsweg von Pflanzenschutzmitteln in Gewässer sind.» Deshalb lag der Fokus am Anfang auf baulichen und technischen Massnahmen im Bereich der Befüll- und Waschplätze auf den Betrieben. Die Resultate sind erfreulich.

«Wir konnten zwischen 2019 und 2021 die Grenzwertüberschreitungen bei Wasch- und Befüllplätzen um 25 Prozent reduzieren.»

Florian Sandrini, Leiter Pflanzenschutzdienst Kanton Thurgau

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Entsprechend zufrieden mit dem bisherigen Projektverlauf ist auch Ueli Bleiker, Chef des Landwirtschaftsamts: «Wir sind auf Kurs, sowohl mit der Anzahl der Betriebe wie auch mit dem Erfolg der Massnahmen.» Inzwischen machen 55 Betriebe im Einzugsgebiet Eschelisbach und Salmsacher Aach bei Aquasan mit.

AboCarole Werdenberg legt dar, welche Herausforderung es bei der Substitution von herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln im Beerenbau zu meistern gilt.(Bilder Christian Weber)ThurgauProjekt Aquasan: Vor allem am Wasch- und Befüllplatz muss sauber gearbeitet werdenFreitag, 30. April 2021Im Jahr 2022 fanden mehr als 350 Massnahmenumsetzungen auf den einzelnen Betrieben statt. Sandrini hob die Vielfalt der Massnahmen hervor. So sei der Ansatz einer Auffangwanne gegen das Nachtropfen der Obstbauspritze auf den Input eines Bauern entstanden.

Fokus liegt nun auf Abdrift

Nachdem in den letzten Jahren der Fokus auf dem Hauptrisikobereich Wasch- und Befüllplätze lag, liegt das Augenmerk nun vermehrt auf der Abschwemmung. Begehungen und Messungen im Rahmen von Aquasan hätten gezeigt, dass defekte und offene Deckel von Kontrollschächten innerhalb des Feldes oder am Feldrand ein potenzielles Risiko für Gewässerverunreinigungen sind, berichtete Heinz Ehmann, Leiter Gewässerqualität beim Amt für Umwelt.

Der Kanton Thurgau habe diese Problematik erkannt und handle, betonte Ueli Bleiker. Mit der Aktion «Jeder Tropfen zählt – intakte Schachtdeckel in der landwirtschaftlichen Nutzfläche» unterstützt der Kanton Thurgau ab November 2022 den Ersatz von defekten oder undichten Deckeln bei Kontrollschächten im ganzen Kanton.

Pro ersetztem Deckel werden 100 Franken vergütet. Folgende Voraussetzungen für die finanzielle Beteiligung des Kantons gelten:

  • Die Schachtfassung ist intakt
  • Der Schachtdeckel wird durch einen komplett geschlossenen Deckel ohne Pickelloch ersetzt
  • Der Betrieb zahlt Beiträge an den kantonalen Pflanzenschutzfonds

Auf dem ganzen Kantonsgebiet gibt es zwischen 20'000 und 30'000 Schachtdeckel. Man sei gespannt, wie viele Bauern sich melden würden, meinten die Projektverantwortlichen. Sie hoben hervor, dass es sich hierbei um eine einfache technische Massnahme handelt, die grosse Wirkung auf die Reduktion von Pflanzenschutzmitteleinträgen in die Gewässer hat.

Nicht jeder Deckel hält

[IMG 3] Florian Sandrini zeigte im Freien, welche Anforderungen ein Schachtdeckel erfüllen muss. Schachtdeckel von Kontrollschächten auf landwirtschaftlichen Nutzflächen müssen doppelt verstärkt sein, damit sie der Überfahrt von schweren Maschinen wie beispielsweise einem Mähdrescher standhalten. Zu ersetzen sind sämtliche Schachtdeckel, die Löcher haben. Auch das Pikelloch eines Kontrollschachts muss verschlossen sein, damit es nicht zu Abdrift kommen kann.