Das milde Herbstwetter der letzten Wochen hat den Raps und das Getreide – Gerste und, wo er bereits gesät worden ist, den Weizen – gut gedeihen lassen. Neben der Grösse bzw. Blattmasse beeinflusst die Nährstoffversorgung die Winterhärte der Kulturen. Empfohlen werden daher im Herbst etwa Blattdüngungen mit Mangan (für Getreide) bzw. Bor und Mangan (für Raps). Magnesium und Kalium sind ebenfalls für die Frosttoleranz relevant. «Jedoch ist die Versorgung mit diesen Nährstoffen über die Bodenvorräte und aus der Grunddüngung zu anderen Kulturen gerade für Getreide meist ausreichend», erklärt Manuel Baur, Düngungsberater am Strickhof.
Wo ein Mangel zu erwarten ist
Eine vorbeugende Blattdüngung mit Mikronährstoffen im Herbst lohne sich unter bestimmten Voraussetzungen, sagt Baur: «Sofern ein Mangel zu erwarten oder bereits sichtbar ist.» Gefährdet seien vor allem Flächen mit eingeschränkter Nährstoffverfügbarkeit, sprich etwa sehr flachgründige, humusarme oder leichte Böden. Vor allem das auswaschungsgefährdete Bor kann auf solchen Flächen verloren gehen. «Gerade Raps reagiert sehr empfindlich auf Bormangel», gibt Baur zu bedenken. Eine Borgabe im Herbst zusammen mit einer Pflanzenschutzapplikation könne daher für die Ölsaat sehr sinnvoll sein.
Zumal, so Landor, Bor die Bildung der Blütenanlagen fördere, die im Herbst erfolge. Zudem sei dieser Mikronährstoff wichtig für die Pollenfertilität des Rapses.
Der pH-Wert ist entscheidend für die Verfügbarkeit
Grundsätzlich sollten sich die Pflanzen via Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen versorgen können. Auch Mikronährstoffe können über den Boden gedüngt werden, bemerkt Manuel Baur. «Hofdünger beispielsweise enthalten viele Mikronährstoffe und Flächen, die regelmässig organisch gedüngt werden, zeigen seltener Probleme mit der Nährstoffversorgung.» Entscheidend für die Verfügbarkeit sei aber der pH-Wert des Bodens, ergänzt der Fachmann. Ist er zu hoch, können trotz guter Bodenvorräte Mangelsymptome auftreten. Vor allem Mangan sei bei hohen pH-Werten kaum noch pflanzenverfügbar, aber auch für Bor, Eisen und Zink sinke die Verfügbarkeit mit steigendem pH-Wert.
Verfärbte Blätter, Absterben und Deformationen
Da insbesondere starke Kalkungen im Herbst den pH-Wert erhöhen können, nimmt je nach ausgebrachter Menge und Bodentyp die Gefahr einer Blockierung der Mikronährstoffaufnahme zu. «Dann kann eine Blattdüngung Sinn machen», so Manuel Baur. Generell empfiehlt er, die Entwicklung der Kulturen im Blick zu behalten, um bei Mangelerscheinungen reagieren zu können. Landor beschreibt die entsprechenden Symptome folgendermassen:
Mangan: Chlorose und Absterben junger Blätter. Bei Getreide streifenförmige meist gelbe Nekrosen.
Bor: Deformation und Absterben jungen Pflanzengewebes, Verfärbung der Blattknospen. Tritt vor allem bei Raps auf.
Eisen: Chlorose der jüngeren Blätter. Bei starkem Mangel Verfärbungen bis ins Weisse und Absterben der Blätter.
Zink: Junge Blätter werden blass mit dazwischenliegender Chlorose. Verringerung der Blattgrösse und Verformungen.
Den Standort kennen und den Bestand visuell kontrollieren
Blattsaftanalysen lieferten zwar eine gute Übersicht zum aktuellen Versorgungszustand einer Kultur, sagt Manuel Baur. Und den im Auge zu behalten, sei immer gut. «Erfahrene Landwirte kennen jedoch ihre Flächen in der Regel und wissen, wo Mikronährstoffmängel aufgrund der Bodenverhältnisse auftreten können.» Daher hält der Berater für die klassischen Winterkulturen Standortkenntnisse und eine visuelle Kontrolle der Bestände im Herbst für ausreichend, um über die Düngung zu entscheiden. Vor allem, da ein Mangel an Mikronährstoffen zuerst an den jungen Pflanzenteilen sichtbar wird.
Das richtige Wetter für eine Blattdüngung
Für eine erfolgreiche Blattdüngung sollten die Temperaturen über 8 Grad liegen, fährt Manuel Baur fort. «Damit eine aktive Aufnahme der Nährstoffe möglich ist.» Weiter sind abgetrocknete Blätter und kein anschliessender Regen wichtig, damit der Dünger auch haften bleibt. Ein bedeckter Himmel und hohe Luftfeuchtigkeit verbesserten die Nährstoffaufnahme via Blatt.
Manche Hersteller sprechen von einem «regenfesten Nährstoffbelag», über den Stück für Stück Nährstoffe an die Pflanze abgegeben werden. Das kann aber nur funktionieren, solange die Kultur überhaupt stoffwechselaktiv ist. «Sobald winterliche Bedingungen mit dauerhaft unter 5 Grad herrschen, nehmen Pflanzen keine Nährstoffe mehr auf», schildert der Fachmann. Das bedeute auch, dass eine Düngung vor dem Winter nur dann sinnvoll ist, wenn der Bestand vor Eintreten der Vegetationsruhe genug Zeit für die Aufnahme der Nährstoffe hat.
Nicht alles lässt sich gut korrigieren
Sobald der pflanzliche Stoffwechsel im Frühling wieder in Schwung kommt, nimmt die Kultur wieder Nährstoffe auf. Somit lassen sich auch im Frühling allfällige Nährstoffmängel korrigieren, bestätigt Manuel Baur. Er ergänzt aber: «Sollte ein nicht erkannter Mangel aber bereits die Bestockung oder Winterhärte beeinträchtigt haben, lassen sich diese Schäden nur schwer wieder ausgleichen.»