Die EU hat laut dem Verein Donau Soja im Januar 2026 über 80 Prozent weniger Stickstoffdünger importiert als im Vorjahresmonat. Internationale Bauernverbände warnten, die aktuellen Düngemittelbestände würden nur etwa die Hälfte des für die diesjährige Ernte benötigten Stickstoffs abdecken. Donau Soja nimmt diese Lage zum Anlass, zum Anbau von Leguminosen aufzurufen. Diese Pflanzen sind bekanntlich kaum oder gar nicht auf Stickstoffdünger angewiesen und können im Gegenteil den Boden mit Luftstickstoff anreichern. Schön und gut – aber ist auch in der Schweiz mit Preisanstiegen und Verknappungen bei Düngemitteln zu rechnen?
Die Strasse von Hormus ist ein Nadelöhr
«Einerseits lässt sich der Preisanstieg in Europa damit erklären, dass sowohl Harnstoff aus Nordafrika als auch Erdgas teurer geworden sind», sagt Bendicht Keller, Leiter Landor, auf Anfrage der BauernZeitung. Beides führt er in erster Linie auf den reduzierten Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus zurück, eine Meerenge zwischen der Küste Irans und Arabiens. Dieser vor allem auch für Treibstoffe wichtige Handelsweg wird durch den neuen Krieg im Iran beeinträchtigt.
«Andererseits», fährt Bendicht Keller fort, «muss in Europa noch viel Dünger für den Frühling gehandelt und geliefert werden.» Das erhöhe die Nachfrage und bringe die Logistik derzeit an ihre Grenzen.
«Für das restliche Frühlingsgeschäft gut eingedeckt»
In der Schweiz sieht die Lage anders aus, wie der Landor-Leiter schildert. Hierzulande sei der grösste Teil der im Frühling benötigten Mengen bereits im Vorbezug in der zweiten Jahreshälfte 2025 verkauft und geliefert worden. «Für das restliche Frühlingsgeschäft sind wir von Landor relativ gut eingedeckt – einmal mehr zeigt sich, wie wichtig der Düngervorbezug ist.» Hierzulande geht er dank des Vorbezugssystems nicht von Lieferengpässen aus. So seien Schweizer Landwirt(innen) eben auch weniger betroffen von Preisschwankungen und Logistikproblemen im Frühling, wenn man eigentlich gerne die ersten Düngergaben fahren möchte.
Mehrheitlich in Europa produzierter Dünger
Landor bezieht laut Bendicht Keller keinen Dünger aus einer Produktionsstätte, die in einem Land liegt, das direkt in den Iran-Krieg involviert ist. «Unser Dünger wird grossmehrheitlich in Europa produziert.» Einzig Harnstoff beziehe Landor teilweise aus nordafrikanischen Ländern.
Seine Preise veröffentlicht Landor jeweils monatlich mit seinen Preislisten. Vorgängig nehme man zu allfälligen Preisanpassungen keine Stellung. «Bis zum nächsten Vorbezug, der im Sommer 2026 starten wird, geht es noch lange», bemerkt Bendicht Keller. «Bis dahin können sich die Preise auch wieder reduzieren.»