Markante Veränderungen brachte die AP 14–17 in Form einer deutlichen finanziellen Verbesserung, auch für die Luzerner Alpwirtschaft. Gleichzeitig forderte sie strengere Auflagen. Biodiversitätsförderbeiträge, Qualitätsbeiträge für Weiden und Landschaftsqualitätsbeiträge wurden eingeführt, die Futterzufuhr begrenzt.
In den vergangenen Jahren ist die Trockenheit auf den Alpen für Mensch, Tier, Land und Wald zu einer grossen Herausforderung geworden, auch im Kanton Luzern. Ein Bundesprojekt zur Ausscheidung von Wald muss durch Auszäunung umgesetzt werden.
Umfeld hat sich verändert
Das Zusammenleben mit Wanderern oder Bikern fordert gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme. Die Anwesenheit von Grossraubwild, Mutterkuhherden oder Herdenschutz bringen zusätzlichen Arbeitsaufwand und lösen Haftungsfragen aus.
Die Diskussion, die Nutztiere zu Klimakillern degradiert und Fleischessen sowie Milchtrinken als umweltschädigend erklärt, löst bei den Älplern Sorgen aus, ob sie in Zukunft noch genügend Tiere zum Bestossen haben werden.
Die regelmässigen Flurbegehungen und Schulungen, die der Alpwirtschaftliche Verein Luzern (AVL) neben der GV durchführt, behandeln aktuelle Alpthemen. Während der AVL einen politischen Auftrag erfüllt, sind die fünf Älplerbruderschaften örtliche, religiöse Gruppierungen mit einem geselligen Charakter.
Zahlen zur Luzerner Alpwirtschaft
1992 wurden 21'000 Tiere (13'000 Rinder, 3000 Kühe, 1200 Kälber und 3100 Schafe) gesömmert. 1998 gab es 428 Alpen und Alpweiden im Kanton Luzern, die sich auf 16 Gemeinden verteilten und eine Fläche von 9274 ha (mit Heueinschlägen 10 818 ha) umfassten. 35 Prozent davon entfielen auf die Gemeinde Flühli. Etwa die Hälfte der Alpgebäude stand auf einer Meereshöhe von über 1200 Metern, 24 davon auf über 1550 m ü. M. Früher gab es im Entlebuch über 50 Alpkäsereien.
«Im Jahr 2000 gab es eine Bereinigung zwischen Alpen und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Tiere, die 1996 bis 1998 gealpt wurden, galten als Basisjahre für das Festlegen des Besatzes einer Alp. Nach der Bereinigung hat sich die Zahl der Alpen in den vergangenen Jahren eingependelt, aufgelöst wird heute eine Alp praktisch nie», weiss AVL-Präsident Pius Schmid, der seit 2019 auch im Vorstand des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes (SAV) mitarbeitet.
95 Prozent sind Privatalpen
So gibt es noch 240 Alpen im Kanton Luzern. 95 Prozent sind Privatalpen in den Regionen Entlebuch, Hinterland, Pilatus- und Rigi-Gebiet. 191 Alpen liegen in der Biosphäre Entlebuch, allein in Flühli sind es 90, damit ist es das grösste Alpgebiet des Kantons. Die Sömmerungsfläche beträgt rund 5914 ha. Das Alpgebiet erstreckt sich von 1000 bis 1900 m ü. M. Heute sömmern 1500 Milchkühe, 1730 Mutterkühe, 6800 Rinder, 1400 Schafe, 120 Ziegen, 46 Lamas und 62 Pferde durchschnittlich 100 bis 130 Tage. Die Sömmerungsdauer hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Es gibt noch acht Alpkäsereien, vereinzelt Kälbermast und sonst geht die Milch in die Dorfkäserei oder in die Industrie, das ist möglich, weil fast alle Alpen erschlossen und gut zugänglich sind.
320 Mitglieder zählt der Verein
Für 2 827 210 Franken wurden 2021 Sömmerungsbeiträge ausgerichtet: für gut 304 000 Franken Landschaftsqualitätsbeiträge und für 485 000 Franken Biodiversitätsförderflächen-Beiträge. Die Erhebungen für den Alpkataster in den 1970er-Jahren ergaben für den Kanton Luzern insgesamt 11 429 Stösse. Durch die Bereinigung wurden diese angeglichen, heute sind es auf den 240 Betrieben 6792 Normalstösse, dazu kommen rund 250 Normalstösse Schafe.
Der Alpwirtschaftliche Verein Luzern hat heute rund 320 Mitglieder.
Der AVL
Sich um die verschiedensten Anliegen der Älpler kümmern, Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche fördern, als Bindeglied zwischen Konsumenten und Produzenten wirken: Das sind gemäss Präsident Pius Schmid die wichtigsten Aufgaben des Alpwirtschaftlichen Vereins Luzern. Die BauernZeitung stellt den Verein im Jubiläumsjahr vor. Nach dem ersten Teil vor einer Woche folgt hier der zweite und letzte Teil.