Am 25. März 2022 fand in Sulgen die Jahresversammlung der Vereinigung Thurgauer Beerenpflanzer (VTB) statt. Im Rahmen eines Gastreferats informierte Christian Schönbächler über die neuen Marketingaktivitäten des Schweizerischen Obstverbands (SOV). Diese sollen es ermöglichen, noch näher zu den Konsument(innen) zu gelangen, insbesondere an die Verkaufspunkte in den Agglomerationen. Der SOV beabsichtigt, künftig von der Romantisierung der Produktion abzusehen und hat sich daher von der entsprechenden Werbung verabschiedet.

Die Familie als Zielgruppe

Die neue Kampagne mit dem Motto «Aber s’Bescht chunnt no» wirbt um die Aufmerksamkeit von jungen Familien als wichtige Zielgruppe. Ein Motiv ist unter anderem ein Kindergeburtstag mit dem Hinweis auf Schweizer Erdbeeren.

Mit der Nutzung der Sozialen Medien sollen die Produzenten zudem vermehrt in den Fokus gerückt werden. Wenn etwa die Beerenproduzentin Melanie Knup aus Kesswil in einem SOV-Kurzfilm schildert, dass alle auf dem Betrieb in den letzten Monaten ihr Bestes gegeben hätten und nun endlich die Erdbeeren reif seien, wirke dieses authentisch und persönlich. Im Früchtesegment, in dem die einheimischen Beeren mit Exoten, Zitrusfrüchten und insbesondere mit den Bananen um Marktanteile kämpfen müssen, solle jeder Werbefranken effizient eingesetzt werden, so Christian Schönbächler.

Wie Konsumentenumfragen zeigen, geniessen einheimisches Obst und Beeren ein hohes Vertrauen. In einer Umfrage wurden 2020 als Hauptgründe für die Bevorzugung einheimischer Früchte unter anderem die Unterstützung der Region und der Schweizer Landwirtschaft sowie die kürzeren Transportwege genannt.

Ökologisch und enheimisch ist gefragt

Die genannten Vorzüge sind laut Christian Schönbächler beispielsweise längere Haltbarkeit, besserer Geschmack und Reife gegenüber der Importware. Die ökologische Produktion ist den 16- bis 30-Jährigen signifikant wichtiger als den älteren Befragten. Die Unterstützung der Region und der Beitrag zum Erhalt der Schweizer Landwirtschaft spielen dagegen für 46- bis 60-Jährige eine wichtigere Rolle als für die Jüngeren. Kurze Transportwege und eine dadurch geringere Umweltbelastung werden von Frauen häufiger genannt als von Männern.

Schönbächler empfiehlt den Produzent(innen), die Kampagnenmaterialien des SOV einzusetzen und diese zu personalisieren, denn sie selbst seien die besten Botschafter für Obst und Beeren. Nachdem im vergangenen Jahr der erste Tag der offenen Obst- und Gemüsegärten auf gute Resonanz stiess, wird er dieses Jahr am 28. Mai erneut durchgeführt.

Auch an grösseren Publikumsmessen sieht der SOV gute Chancen, den Mehrwert einheimischer Früchte ins Zentrum zu rücken. Zudem sollen beispielsweise mit der Abgabe von Früchten an Open-Airs, Familienwanderungen sowie an Promotionen bei Grossverteilern einheimische Beeren mit positiven Erlebnissen, Mehrwert und Genuss in Verbindung gebracht werden.

Neues Vorstandsmitglied gewählt

VTB-Präsident Philipp Engel hielt an der Jahresversammlung in Sulgen Rückschau auf das Früchtejahr 2021: Während der Sommermonate blieben die Temperaturen tief, es regnete häufig. Kulturen ohne Witterungsschutz erlitten grosse Ausfälle. In geheizten Erdbeerenkulturen wurde ab Mitte April geerntet. Bei den Freilandkulturen hingegen verzögerte sich der Erntebeginn bis in den Mai. Auch blieb die Erntemenge durchschnittlich, die Haupternte litt unter der nasskalten Witterung. Durch geringere Erntemengen bei den Erdbeeren konnte deren Durchschnittspreis hoch gehalten und alles abgesetzt werden. Positiv bewertete Engel, dass an der Sitzung des Produktzentrums Beeren die Startpreise erhöht wurden. Seit über zehn Jahren waren die Preise unverändert geblieben, obwohl der betriebliche Aufwand für Personal und Produktionsmittel jährlich stieg.

Neu in den Vorstand gewählt wurde Martin Egger. Der Präsident und der übrige Vorstand wurden zudem in globo wiedergewählt.