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«Wir sind nicht mehr abhängig von Ostern, das ist für uns wirklich ein Riesenglück»

Brönnimanns vermarkten ihr Bio-Gitzifleisch direkt, damit sind sie unabhängig vom schwankenden Markt zur Osterzeit. In ihren liebevoll eingerichteten Hofladen locken sie die Kunden auch mit Dekoartikeln, Gemüse und Schmuck.

Wer sich im Hofladen der Familie Brönnimann wiederfindet, kann sich schnell verlieren. Nicht, weil der Laden so gross ist, sondern weil einem so viele Dinge an den Kopf springen. Ausgewählte Dekoartikel wie bunte Kerzen, filigrane Schmuckstücke und wollige Kleiderhaken findet man genauso wie allerlei Ess- und Trinkbares, zum Beispiel Konfitüren und Schnaps oder frisches Obst und Gemüse.

Aufklärungsarbeit nötig

Das, was im Laden aber nicht fehlen darf und was dem Ziegenhof Brönnimann den Namen gibt, sind das Gitzifleisch und der Ziegenkäse. Auf dem Biohof der Familie Brönnimann wird der Käse der ungefähr 50 Geissen und das Fleisch der Gitzi direkt vermarktet.

Dass die beiden Produkte zusammengehören, erklärt Betriebsleiterin Annemarie Brönnimann, die für den Hofladen verantwortlich ist, denn auch oft den Kunden. «Ich höre viel: ‹So ein kleines Gitzi kann ich nicht essen›. Aber wenn man die Hintergründe aufzeigt, schauen es die Leute dann doch etwas anders an», sagt sie. Die Hintergründe, das ist die Tatsache, dass eben auch Gitzi geboren werden müssen, damit die Ziegen Milch geben. Die Aufklärung der Kunden sei daher ein wichtiger Punkt beim Verkauf von Gitzifleisch, sagt Brönnimann.

«Wir sind nicht mehr abhängig von Ostern, das ist für uns wirklich ein Riesenglück»
Im Hofladen wird allerlei verkauft. Von Gemüse über Fleisch bis zu Schmuck.

Neben dem Hofladen bietet der Betrieb ein Gastronomieangebot für bis zu 32 Personen an, zum Beispiel für Vereinsanlässe. Die Kunden des Hofladens sind Stammkunden, spontane Kundschaft oder Personen, die bei einem Event dabei sind. Aber auch Leute, die im Internet spezifisch nach Geissenprodukten suchen würden, sagt Annemarie Brönnimann.

Ostergitzi ist «out»

Die Gitzi auf Brönnimanns Ziegenhof werden gestaffelt geschlachtet. Pro Saison sind es etwa 70 bis 80 Gitzi. Schlachtreif sind sie bei einem Gewicht von etwa 14 Kilogramm, also ungefähr mit 10 Wochen. Dabei gibt es von April bis Juli etwa drei bis vier Schlachttermine.

Das Gitzifleisch in den öffentlichen Kanal zu geben, davon sind Brönnimanns schnell abgekommen, erzählt die Betriebsleiterin. Das Problem dabei sei das Ostergitzi, das auch heute noch «eingebürgert» sei, wie Annemarie Brönnimann sagt. Es sei schwierig, zu planen, dass die Gitzi die richtige Grösse und das richtige Gewicht gerade an Ostern erreichen. Oft sei der Preis kurz vor oder nach Ostern sehr schlecht. Wenn man den richtigen Zeitpunkt nicht erwische, bekomme man fürs Tier kaum etwas, weiss sie. Das Ostergitzi ist also für viele noch «in», aber für Brönnimanns «out». Sie setzen darauf, Gitzifleisch den Kunden z. B. als Grillfleisch schmackhaft zu machen, was auch auf Anklang stösst. «Wir sind eigentlich nicht mehr abhängig von Ostern. Das ist für uns wirklich ein Riesenglück. Dieses Jahr hätte es zum Beispiel nicht gereicht. Wir konnten erst nach Ostern metzgen gehen», sagt Annemarie Brönnimann.

Muttergebundene Aufzucht

Das Gitzifleisch aus dem Hause Brönnimann kommt aus muttergebundener Aufzucht. Die Gitzi bleiben in der Herde bis zur Schlachtung. Eine Haltungsform, die sich für Andreas und Annemarie Brönnimann aus praktischen Gründen so ergeben hat, aber von der sie überzeugt sind: «Ich finde es schön, wenn die Tiere so aufwachsen können», sagt Annemarie Brönnimann.

«Wir sind nicht mehr abhängig von Ostern, das ist für uns wirklich ein Riesenglück»
Das Gitzifleisch wird nicht in Mischpaketen verkauft, sondern als einzelne Produkte wie Bratwurst oder Spiessli.

Sie verkaufen das Fleisch nicht in Mischpaketen, sondern als Einzelprodukte zum Beispiel als Bratwurst, Spiessli, Merguez, Ragout mit Knochen oder Hamburger. Das habe sich bewährt, sagt Annemarie Brönnimann. So sei es auch für Alleinstehende möglich, kleine Mengen einzukaufen. Die Altgeissen werden ebenfalls geschlachtet, daraus entsteht Trockenwurst. Das Gitzifleisch ist so lange Vorrat tiefgefroren im Hofladen erhältlich. So viel Fleisch wie möglich möchten Brönnimanns aber frisch verkaufen, nachdem es verpackt wurde. Das spart Platz. Die Daten für den Fleischverkauf werden den Stammkunden via E-Mail durchgegeben.

Ein vielfältiger Hofladen

Annemarie Brönnimann, die eine Ausbildung im Detailhandel gemacht hat, schätzt den Kundenkontakt im bedienten Hofladen. «Der Kunde schätzt das Persönliche und hat das Gesicht hinter dem Produkt», sagt sie. Im Hofladen gibt es viel Selbstgemachtes, aber auch Nischenprodukte von Kleinproduzenten aus der ganzen Schweiz.

Brönnimanns nehmen an etwa fünf bis sechs auserwählten Märkten pro Jahr teil. Wichtig dabei ist Annemarie Brönnimann, dass Kunden am Markt sind, die vielleicht später auch mal auf den Hof kommen. Das ist zum Beispiel am Weihnachtsmarkt beim Schloss Köniz der Fall, das etwa zehn Autominuten entfernt ist, oder am Bio-Märit in Bern.

«Wir sind nicht mehr abhängig von Ostern, das ist für uns wirklich ein Riesenglück»
Schumuck, Kerzen und Dekogegenstände sind im Hofladen liebevoll zurechtgerückt. Annemarie Brönnimann hat eine Ausbildung im Detailhandel.

Annemarie Brönnimann ist immer auf der Suche nach neuen Produkten für den Hofladen und geht dafür auch mal an Messen. «Ich schaue darauf, dass es Produkte sind, die nicht unbedingt ein Detailhändler im Verkaufsregal hat. Ich denke, das macht es auch aus.» Am wichtigsten sei es, die Augen und Ohren offen zu behalten – unterwegs, auf Social Media oder auch bei den eigenen Kunden. Immer wieder muss sie auch Produkte wieder aus dem Sortiment nehmen, weil sie nicht laufen. «Es ist ein stetiger Prozess», sagt Annemarie Brönnimann. Nicht zuletzt trägt wohl auch die stetige Veränderung dazu bei, dass Kundinnen und Kunden immer wieder kommen.

Weitere Informationen: www.broennimanns-ziegenhof.ch

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