2025 war ein sehr gutes Kartoffeljahr. Die Bauern konnten schöne und qualitativ gute Kartoffeln liefern – und zwar sehr viele, sodass es sogar zu einer Verknappung der Lagerkapazitäten kam. Auch jetzt sind die Lager noch gut gefüllt. 

Fast 50 Prozent mehr als in den Vorjahren am Lager

Per 31. Januar waren rund 51 000 t Kartoffeln für den Frischkonsum eingelagert. «Das sind 46 % mehr als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre, wobei jedoch die letzten vier Jahre alle unterdurchschnittlich ausgefallen sind», sagt Swisspatat-Geschäftsführer Christian Bucher. Bei den Veredelungskartoffeln hat es noch rund 82 500 t am Lager. Das sind über 50 % mehr als der Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Wenn so viele Kartoffeln am Lager sind, erstaunt es, dass die Migros aktuell mit «Save Food» eine weitere Kartoffellinie lanciert hat. «Die ‹Save Food›-Linie wurde speziell entwickelt, um Kartoffeln und andere Produkte, die nicht den gängigen ästhetischen Normen entsprechen, vor Food Waste zu bewahren», schreibt die Migros. In den kommenden Monaten werde das Konzept auf weitere Produkte wie Karotten, Zwiebeln, Äpfel und Birnen ausgeweitet. Seit Donnerstag, 12. Februar, sind auf alle Fälle die «Save Food»-Kartoffeln in den Regalen von Migros-Filialen zu finden.

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Nicht zulasten der Produzenten

Die Branche war vorab nicht informiert. Swisscofel und Swisspatat begrüssen grundsätzlich alle Aktionen, die zur Vermeidung von Food Waste beitragen. Dem schliesst sich auch Matij Nuic, Direktor des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten, an. Sie haben alle – ebenso wie die Grossverteiler – die branchenübergreifende Vereinbarung zur Reduktion von Lebensmittelverlusten unterzeichnet. «Grundsätzlich ist alles gut, was unsere Produkte näher zu den Konsumenten bringt», sagt Nuic. Dies dürfe aber nicht zulasten der Produzenten gehen, oder dazu führen, dass Suisse-Garantie-Produkte in diese Linie verlagert werden.

Dazu vermerkt Tobias Ochsenbein, Mediensprecher der Migros: «Diese Produkte wären ohne die ‹Save Food›-Initiative nicht im Handel gelandet.» Es gebe für die Migros keinen Anreiz, normgerechte Kartoffeln als nicht normgerecht zu deklarieren und günstiger zu verkaufen, da dies wirtschaftlich keinen Sinn ergebe. Was die Produzenten betrifft, schreibt er: «Die ‹Save Food›-Initiative bietet unseren Produzenten eine zusätzliche Möglichkeit, auch Kartoffeln zu vermarkten, die bisher nicht in den Handel gelangt wären.» 

So schaffe die Migros gemeinsam mit den Produzenten einen Mehrwert und reduziere gleichzeitig die Lebensmittelverschwendung. Die Vergütung erfolge fair und orientiere sich an den marktüblichen Konditionen. Aus Konkurrenzgründen gäbe man die genaue Vergütung nicht bekannt.

Foodwaste entsteht dann anderswo

Klare Worte findet Niklaus Ramseyer, Präsident der Vereinigung der Kartoffelproduzenten: «Das ist in erster Linie eine Marketingaktion.» Einerseits sei es sehr erfreulich, wenn die Leute bereit seien, Kartoffeln in schlechterer Qualität zu kaufen. Andererseits blieben dann Kartoffeln von guter Qualität im Regal stehen – so entstehe auch wieder Food Waste. 

«Save Food» helfe dem Kartoffelabsatz als Ganzes nur bedingt. Nachhaltige Absatzförderung und Vermeidung von Food Waste wären gut, um den Pro-Kopf-Konsum langfristig zu steigern. «Seit Jahr und Tag essen Herr und Frau Schweizer ca. 45 kg Kartoffeln pro Jahr. Wenn man wirklich etwas gegen Food Waste bewirken will, müsste man den Pro-Kopf-Konsum in diesem Jahr auf 50 kg steigern und die Food-Waste-Linie in Jahren mit schlechterer Qualität konsequent anstelle von Importware anbieten», sagt Ramseyer.

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Rappenspalterei zwischen Aktions- und Tiefpreis

Die «Save Food»-Kartoffeln befinden sich derzeit in einer Aktionswoche. Der Aktionspreis beträgt Fr. 1.95 für einen Beutel von drei Kilogramm. Der Preis pro 100 g beträgt somit rund sieben Rappen. Beim Normalpreis von 3.35 Fr. liegt der Preis pro 100 g bei rund elf Rappen.

Zum Vergleich: In der Migros-Filiale Deutweg in Winterthur ZH sind «Aus der Region»-Kartoffeln, festkochend, zum Tiefpreis für zwölf Rappen pro 100 g erhältlich. Für einen Rappen mehr gibt es qualitativ beste Kartoffeln, die den Handelsusanzen bzw. den Übernahmebedingungen der Branche entsprechen.

Die M-Budget-Kartoffeln Schweiz, festkochend, ungewaschen, kosten 11 Rappen/100 g – also gleich viel wie die «Save Food»-Kartoffeln –, ausser, dass die «Save Food»-Kartoffeln den Vorteil haben, dass sie gewaschen sind.