Im Zuge der Liberalisierung des Agrarsektors in der EU erhielten die Milchviehbetriebe ab 2015 die Verantwortung zurück, die erzeugte Rohmilchmenge selbst zu bestimmen. Der Milchmarkt bescherte der EU in den Folgejahren eine Überproduktion und die Preise fielen bis auf 23 Eurocent pro Kilogramm.

Weisse Linie geschützt

Seit 2018 können die Mitgliedstaaten festlegen, dass die Vertragsparteien verpflichtet sind, ein Verhältnis zwischen Roh-milchpreisen und Liefermengen in ihren Milchlieferbeziehungen festzulegen. Neben der privaten Lagerhaltung kann die EU bei aussergewöhnlichen Marktkrisen Massnahmen ergreifen, ansonsten spielt jedoch der freie Markt. Die Schweiz hat im Gegensatz dazu einen geschützten Markt für die weisse Linie, andererseits ist jedoch seit 2007 der Käse über die Grenzen frei handelbar. Zusätzlich hat die Milchbranche die Segmentierung nach Milchverwertung umgesetzt. Der Milchmarkt ist in der Schweiz somit stärker reguliert als in der EU. Daraus ergeben sich auch unterschiedliche Preisentwicklungen, wie die untenstehende Grafik zeigt.

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Starke Kostenschwankungen

In den vergangenen drei Jahren gab es für den weltweiten Handel und somit auch indirekt für den Lebensmittelhandel aufgrund der temporären Handelseinschränkungen grosse Herausforderungen. Verwerfungen bei den Zulieferketten bremsten die Entwicklung der Konjunktur im Verlauf des Jahres 2021. In der Ukraine-Krise stiegen ausserdem die Energiepreise und somit die Kosten für Lagerung und Transport stark an und liessen dann später wieder etwas nach. Dies führte mitunter zu kurzfristigen Preiserhöhungen und Preis-senkungen.

52 Prozent Schwankung

Die Milchpreiskurve der EU (blau) stieg 2021/2022 stetig an und erreichte den Höchstwert im Dezember 2022. Danach sank der Preis bis Herbst 2023 und erholte sich wieder etwas. In diesem Zeitraum betrug die Differenz zwischen dem höchsten und dem tiefsten Preis 20 Rappen. Für die Milchproduzenten der EU bedeutete dies die prozentuale Schwankung des Milchpreises von 52 Prozent. Der Durchschnittspreis der Milch betrug umgerechnet 45,9 Rp./kg und der Medianwert 41,4 Rp./kg.

Weniger Preisdifferenz

Die Milchpreiskurve in der Schweiz (orange) bewegte sich leicht wellenförmig und blieb danach im Jahr 2023 relativ konstant. Zwischen dem höchsten und dem tiefsten Preis in diesem Zeitraum lagen 14,5 Rp. Die Fluktuation betrug somit nur 22 Prozent. Der Durchschnittspreis betrug 73,9 Rp. Der gewichtete Durchschnittspreis über die drei Jahre betrug 72,1 Rp. Unter dem Strich zeigt sich für die Schweiz ein deutlich stabilerer Milchpreis. Der EU-Milchpreis lag lediglich während zehn Monaten, nämlich von Juni 2022 bis März 2023, über 50 Rappen, während in der Schweiz seit Juni 2021 der Milchpreis immer über 69 Rappen lag. Obwohl die Teuerung und steigende Produktionskosten wichtige Einflussgrössen sind, profitieren Produzenten von solch stabilen Milchpreisentwicklungen.