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«A2-Milch ist nicht für jeden Züchter»

Der Aaremilch-Vizepräsident Hansueli Jungen produziert A2-Milch. Er rechnet mit steigendem Umsatz, erklärt aber auch, dass die Umstellung einer Herde langwierig und aufwändig ist.

Seit 2019 hat die Migros Aare A2-Milch im Sortiment. Sie stammt von Kühen mit dem genetischen Merkmal A2A2. Das Kürzel A2 bezieht sich auf das Betakasein in der Milch, sie enthält kein Betakasein A1 und ist damit gemäss Ernährungsfachleuten besser verträglich als Milch, die auch Betakasein A1 enthält. A2-Milch kostet Fr. 2.50 pro Liter und beschert den vier Produzenten einen Mehrpreis von 15 Rp. Dafür haben sie aber auch einiges zu leisten. Aaremilch-Vizepräsident Hansueli Jungen aus Wimmis produziert A2-Milch und äussert sich im Gespräch über das Produkt und seine Weiterentwicklung. Er wird darüber auch am Brennpunkt Nahrung in Luzern referieren (siehe Kasten). Die BauernZeitung ist Medienpartner des Anlasses.

Herr Jungen, wie läuft esmit der A2-Milch?
Hansueli Jungen: Es läuft überraschend gut, Ende November sind wir zwei Jahre am Markt. Diese Milch hat ihre Kundschaft gefunden.

Was ist das für eine Kundschaft, die diese Milch kauft?
Das ist eine Kundschaft, die gesundheitsbewusst ist, die z. B. Verdauungsprobleme hat oder angeblich eine Laktoseintoleranz. Aber viele haben keine Laktoseintoleranz, sondern vertragen die Aminosäure Histidin nicht, welche allergische Reaktionen auslösen kann und in der A2-Milch nicht enthalten ist.

Ist das ein Wachstumsmarkt?
Ja, aber wir müssen realistisch sein, das ist eine Nische und das wird auch eine Nische bleiben.

Der Preis beläuft sich jaauf Fr. 2.50/l im Laden, die Prämie für die Produzenten beträgt 15 Rp./kg. Sind Sie mit diesem Verhältnis zufrieden?
Diese Fr. 2.50, das tönt nach brutal viel. Aber wenn man sieht, was die bescheidenen Mengen für einen Aufwand nach sich ziehen, von der Logistik bis zur Bewerbung für ein paar Tausend Liter, dann verdient Migros Aare damit nicht allzu viel.

Wie gross sind denn die Mengen zurzeit?
Die Bedingung ist, dass wir alle zwei Tage 9000 Liter liefern können. Wir könnten die Menge problemlos steigern, weitere Züchter sind am Umstellen auf A2. Aber es macht aus logistischen und preislichen Gründen keinen Sinn, mehr Milch reinzunehmen, als wir absetzen können.

Können Sie etwas sagenzu den züchterischen Voraussetzungen?
Man muss zunächst seine Kühe testen, entweder kann man genotypisieren, das kostet rund 60 Franken pro Tier. Oder man nimmt Blut bei den Tieren; dieses kann von einem Labor in Deutschland analysiert werden (Labor- und Blutentnahme kosten zirka Fr. 40.– pro Tier). Die Mehrheit der Kühe sind mischerbig A1A2, d.h. sie haben beides, A2 und A1. Leider ist A1 dominant, das heisst, auch wenn man solche Kühe mit einem reinerbigen A2A2-Stier besamt, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass das Kalb reinerbig A2A2 ist, nur zu50 Prozent. Mit A1A1-Tieren kann nicht auf A2 gezüchtet werden.

Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, einen reinen A2-Bestand zu züchten?
Bei mir dauerte es rund sechs Jahre, aber ich bin ein Spezialfall, weil ich extrem viel Aufzucht betreibe und sehr viele Kühe verkaufe. So kann ich gut selektionieren. Ich habe seit fünf Jahren keine A2-Nutzkuh mehr verkauft. Im Normalfall dauert es realistischerweise zehn Jahre. Am schnellsten geht es mit Zukauf, aber in diesem Fall muss man die Kühe vorgängig testen lassen.

«Im Normalfall dauert es zehn Jahre.»

Hansueli Jungen über den Aufbau eines reinen A2-Bestandes.

Der Aufwand für die 15 Rp. Zuschlag ist also nicht zu unterschätzen?
Das ist so. Und man muss ehrlich sein, der züchterische Fortschritt bleibt in dieser Zeit etwas auf der Strecke. Ich habe gewisse A2-Kühe behalten, auch wenn sie nicht meinem Zuchtziel entsprechen. Wenn die Herde mal reinerbig ist, ist der Aufwand dann nicht mehr so gross.

Gibt es Rassenunterschiede?
Man kann mit jeder Rasse auf A2-Milch züchten. Am besten ginge es mit Jersey, die einen A2A2-Anteil von 95 % haben. Braunvieh hat auch einen hohen Anteil A2-Tiere. Ich selber habe Holsteinkühe und deshalb ein sehr grosses Genetik-Angebot. Red Holstein und Simmentaler haben auch etliche A2-Stiere. Beim Swiss Fleckvieh ist es schwieriger, weil wenige reinerbige A2-Stiere vorhanden sind. Für jeden Züchter ist dieser Weg sicher nicht geeignet, weil man sich hier z.T. auch von seinen Lieblingsstieren trennen muss.

Wie viele Produzenten sind derzeit in «Umstellung»?
Bei Aaremilch sind es derzeit rund zehn Produzenten, die auf A2 züchten. Hier muss man berücksichtigen, dass auch der Wiesenmilch-Standard sowie BTS und RAUS vorausgesetzt werden. Es soll ja eine «Wohlfühlmilch» sein.

Gehen Sie davon aus,dass die A2-Menge im Absatz ausgebaut werden kann?
Ja, diesen Herbst werden weitere Migros-Genossenschaften die A2-Milch ins Sortiment aufnehmen. Ich hoffe, dass wir die Menge so auch steigern können.

Gibt es Pläne für weitere Produkte aus A2-Milch?
Ja, neu steht in der Migros Aare auch Joghurt. Im Herbst werden voraussichtlich ein A2-Raclette- und ein A2-Halbhartkäse aus der Naturparkkäserei Diemtigtal in die Läden kommen.

Wie sind Sie zufrieden mit dem Geschäftsgang in der Naturparkkäserei?
Ohne diese Käserei gäbe eskeine A2-Milch in der Migros und wir könnten keinen Liter Wiesenmilch liefern. Hier gibtes ja derzeit ein kräftigesWachstum. Ab nächstem Jahr werden 400 Aaremilch-Produzenten Wiesenmilch produzieren können. Von dem her ist die Naturparkkäserei für die Betriebe von Aaremilch sicher einGewinn.

Wichtigster Partner in der Naturparkkäserei ist ja die Migros mit ihrer Verarbeiterin Elsa. Ist die grosse Abhängigkeit nicht ein Problem?
Man ist immer abhängig vom Abnehmer, da müssen wir realistisch sein. Früher waren wir jahrelang von Cremo abhängig, die viel Pulver exportiert. Migros produziert hauptsächlich für den Inlandmarkt, deshalb ist der Preis auch entsprechend besser. Zudem hat Migros viel investiert in die Naturparkkäserei und hält 23 Prozent der Aktien. Wir haben eine partnerschaftliche Ebene bei der Zusammenarbeit gefunden, wo beide Seiten profitieren können.

7. Fachkonferenz Brennpunkt Nahrung

Unter dem Titel «Nachhaltig und gesund – jetzt erst recht» trifft sich die Agro-Food-Branche am Dienstag, 9. November an der Fach-konferenz Brennpunkt Nahrung. Namhafte Referentinnen und Referenten gehen der Frage nach, ob und wie gesund und gleichzeitig ressourcenschonend zu essen, widerspruchsfrei möglich ist. Aber auch die Psychologie der Ernährung wird unter die Lupe genommen. Bei den Referaten und Diskussionen steht der Praxisbezug im Vordergrund und es werden konkrete Lösungen und Ansätze präsentiert. «Wir greifen ein Thema auf, das die gesamte Wertschöpfungskette betrifft und interessiert», erklärt Barbara Kretz, Kongressleiterin von Brennpunkt Nahrung. Weitere Informationen: www.brennpunkt-nahrung.ch

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