Mehrere Studien belegen, dass schon mit einfachen Optimierungen im Anbindestall das Wohl für Mensch und Tier markant verbessert werden kann. Die Ständige Kommission für Tierschutz hat nun für solche Verbesserungen im Anbindestall erleichterte Bedingungen bezüglich Anpassung der Stallmasse gutgeheissen.

Bedürfnisgerechte Haltung

Anbindeställe sind in der Schweiz weit verbreitet. Nicht selten treten darin haltungsbedingte Probleme (z. B. Beeinträchtigung von Verhaltensabläufen beim Aufstehen und Abliegen, Sprunggelenkschäden, Zitzenverletzungen) auf, und dies, obwohl die Ställe den geltenden Tierschutznormen entsprechen. Viele Tierhalterinnen und Tierhalter haben erkannt, wie wichtig die Qualität des Haltungssystems für die Tiergesundheit ist und wollen sich daher aktiv um bessere Haltungsbedingungen für ihre Tiere bemühen. Eine mögliche Lösung für Anbindeställe ist der Einbau einer Kalkstrohmatratze in Kombination mit einem optimierten Anbindesystem. Dies verbessert den Liegekomfort und die Bewegungsfreiheit der Kühe auf den Standplätzen deutlich.

Grosser Aufwand bremste Bauprojekte aus

Viele Landwirte sind gewillt, trotz Erfüllen der Tierschutzvorschriften, ihren Stall baulich zu optimieren. Da aber bei der ­Anpassung der Liegefläche und der Anbindevorrichtung die Standplätze den Mindestanforderungen für neu eingerichtete Ställe entsprechen müssen (Art. 10 Abs. 2 TSchV; SR 455.1), entsteht oft ein grosser baulicher Zusatzaufwand. Das Versetzen von Stützen oder auch andere Anpassungen im Stall sind meist nur unter erschwerten Bedingungen und hoher Kostenfolge möglich. Daher blieben in der Vergangenheit viele Umbauvorhaben auf der Strecke und weder die Kühe noch die Landwirte profitierten von der Verbesserung.

Nun sollen optimierungswillige Landwirte mit Vereinfachungen unterstützt werden. Falls ein solcher Umbau aufgrund der baulichen Gegebenheiten im vorhandenen Stall nicht mit verhältnismässigem Aufwand umzusetzen ist (Investitionsschutz, Art. 8 TSchG; SR 455), kann die kantonale Fachstelle (Veterinäramt) nun im Einzelfall Abweichungen von den Mindestanforderungen bewilligen.

Abgesichert beim Einbau

Viele Kontrolleure und Mitarbeiter der kantonalen Veterinärämter haben die Vorteile der Strohmatratzen und Nackenanbindesysteme auch erkannt und fördern die Bestrebungen und freiwilligen Verbesserungen durch die Landwirte. Eine offizielle Fachinformation gibt Empfehlungen für den Einbau einer Kalkstrohmatratze in Anbindeställen. Diese soll zudem Tierhalterinnen und Tierhaltern, die für ihre Tiere auf bis anhin gesetzeskonformen Standplätzen durch den Einbau einer Kalkstrohmatratze einen Mehrwert schaffen wollen, Rechts- und Investitionssicherheit gewährleisten.

Für eine Beratung auf dem Betrieb sowie ergänzende Informationen zu einem Umbau und dem Gesuch für eine Ausnahmebewilligung wenden Sie sich am besten an die kantonale Beratungsstelle. Dort erhalten sie auch Adressen von Referenzbetrieben.

Kostengünstige Lösungsansätze

Durch das Verlängern des Anbindesystem (Kette, Band) und das Festbinden an der Nackenkette sowie durch das Ersetzen der starren Krippenwand durch eine Gummimatte kann der in vielen Ställen eingeschränkte Kopfschwungraum einfach vergrössert werden. Die Gummimatte auf dem Läger wird entfernt, das Betonläger wird meist herausgespitzt und dann mit einer Kalkstrohmischung oder anderen Materialien randvoll befüllt. Der Kuhtrainer darf im Stall bleiben. Erfreulich ist, dass sich mittlerweile auch Stallbaufirmen mit diesem System befassen und Baumaterial für die Optimierungen anbieten.

Liegen, liegen, liegen, …

In der Rindviehhaltung liegt in einem optimalen Liegebereich ein immenser Wert. Durch langes Liegen (rund 14 Stunden Liegezeit pro Tag wird bei guten Liegeplätzen beobachtet) profitiert eine Kuh in vielen Bereichen. Die Euteraufhängung und das Fundament (Klauen und Gelenke) werden entlastet und vor allem in gut durchlüfteten Ställen trocknen beim Liegen die Klauen gut ab (beugt Klauenfäule und Mortellaro vor). Die Wiederkautätigkeit und damit die Speichelbildung sind im Liegen intensiver. Dies wirkt sich positiv auf die Futterverwertung, die Verdauung und die Klauengesundheit aus. Im Liegen erholt sich die Kuh, sie spart Energie und hat dadurch eine verstärkte Immunabwehr. Je länger dominante Tiere liegen, umso mehr Freiheiten geniessen die rangniederen Kühe daneben. Im Liegen produziert eine Milchkuh durchschnittlich 1 kg mehr Milch pro Stunde als im Stehen. 

Hier klemmt‘s

Beim Einbau von Strohmatratzen werden manchmal Fehler gemacht die einen reibungslosen Betrieb des komplexen Systems erschweren. So kann man erst ab rund 20cm durchgehender Matratzendicke von einem Liegebett sprechen. Wird lediglich am Ende des Lägers ein Rohr montiert und die Gummimatte nicht entfernt, so ist der Aufwand für die Sauberhaltung des Lägers und der Tiere oftmals unverhältnismässig gross. Zudem profitieren die Kühe an den Vorderknien nicht von einer weichen Unterlage. Zu kurz angebundene Kühe oder auch Abschrankungen im Liege- und Kopfbereich können das erfolgreiche Betreiben eines Liegebettes zusätzlich erschweren. Wenn noch ein tierseitiger Krippenrand von über 20 cm hinzukommt, legen sich die Kühe diagonal hin und verschmutzen das Läger stark während sie im Liegen koten. Zum selben Problem können auch hohe Krippenwände gegen den Futtertisch führen. Nicht korrekt eingestellte Kuhtrainer ergeben einen Zusatzaufwand. Sogar falsch aufgeschwanzte Kühe können die Arbeit des Landwirts erschweren. Auch beim Aufbau der Strohmatratze selber sind grosse Unterschiede ausmachbar. Viele Punkte müssen bei diesem System aufeinander abgestimmt sein, wenn man keine Enttäuschungen erleben will. 

Einige Jahre Erfahrung

Die Kalkstrohmatratze im Anbindestall benötigt mehr Arbeitsaufwand und je nach Handhabung mehr Stroh. Landwirte berichten übereinstimmend, dass sich nach dem Einbau der Kalkstrohmatratze die Tiere schneller und kontrollierter und vor allem nicht mehr diagonal hinlegen. Das führt dazu, dass mehr Kühe gleichzeitig liegen können und dass sich die Tiere weniger gegenseitig und auch selber verschmutzen. Die Kühe stehen in einem Zug auf. Abgeschürfte, haarlose Stellen, geschwollene Sprung- und Eutergelenke sowie verdickte Vorderknie gehören der Vergangenheit an. Landwirte berichten, dass gerade ältere, weniger bewegliche Kühe enorm aufblühen und unglaublich gut gedeihen. Zitzenverletzungen kommen nur noch äusserst selten vor, in den meisten Betrieben verschwinden sie ganz. In den Studien fallen auch die tieferen Tierarztkosten und die höhere Milchleistung auf. Die grössere Arbeitsfreude mit gesunden Kühen wird von allen Landwirten mit korrekt eingebauter Matratze besonders hervorgehoben. «Und den höheren Strohaufwand bezahlen mir die gesunden, langlebigen Kühe um ein Vielfaches zurück.»

Für eine Beratung auf dem Betrieb sowie ergänzende Informationen zu einem Umbau und dem Gesuch für eine Ausnahmebewilligung wenden Sie sich am besten an die kantonale Beratungsstelle. Dort erhalten sie auch Adressen von Referenzbetrieben. Für Betriebe im Kanton St.Gallen zuständig ist Christian Manser, Fachstelle Rindvieh am Landw. Zentrum SG, Flawil (058 228 24 84). Hier kann die Fachinformation heruntergeladen werden.