Fehlende Wertschätzung ist, gemäss verschiedenen Studien, einer der drei häufigsten Kündigungsgründe. Wer das Gefühl hat, dass die eigene Arbeit, aber auch die eigene Persönlichkeit nicht gesehen oder anerkannt wird, verliert nach und nach Motivation und Vertrauen in den Arbeitgeber. Umso wichtiger ist es, in ein vertrauensvolles Betriebsklima zu investieren, in dem Mitarbeitende gerne Verantwortung übernehmen, statt Dienst nach Vorschrift zu machen.
Lob oder Wertschätzung? Beides!
Lob und Wertschätzung sind nicht das Gleiche, aber beides ist wichtig für ein gutes Betriebsklima und damit für die Mitarbeiterbindung. Lob oder auch Anerkennung ist eine konkrete Rückmeldung auf eine bestimmte Leistung. Es bezieht sich auf das Resultat einer Aufgabe. Wertschätzung hingegen ist die grundsätzliche positive Haltung gegenüber einem Menschen. Mit Blick auf die Persönlichkeit, das Engagement, die Haltung und die Rolle im Team – unabhängig von Leistung und Ertrag. Lob kann zwar ein Teil von Wertschätzung sein, aber die Wertschätzung kann nicht allein auf Lob oder Anerkennung aufbauen. «Dieses Problem mit der Kundin hast du gut gelöst», drückt Anerkennung für eine Leistung der Mitarbeiterin aus. «Dieses Problem mit der Kundin hast gut gelöst. Danke! Es ist wertvoll, dich im Hofladen-Team zu haben», drückt hingegen auch Wertschätzung aus.
Neben der verbal ausgedrückten Wertschätzung sind weitere Dimensionen ebenso entscheidend für die gute Wirkung:
- Nonverbale Wertschätzung: Zuhören, Blickkontakt, aufmunternde Gesten, sich Zeit nehmen für die Mitarbeitenden.
- Strukturelle Wertschätzung: Faire Arbeitszeiten, fairer Lohn, Weiterbildungsmöglichkeiten, passend zum Job: Mitsprache bei Entscheidungen,
… und wenn es nicht gut läuft?
Wo gearbeitet wird, passieren Fehler, und zwar auf allen Ebenen: Gruppenführende, Betriebsleitende, Mitarbeitende, Lernende machen Fehler. In einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gibt es keinen Grund, Fehler zu vertuschen. Man steht dazu, korrigiert sie und im besten Fall passieren sie nicht wieder. Da ist die Rückmeldung kein Lob, sondern ein klares Feedback, das sich auf den Fehler bezieht, aber nicht den Menschen in Frage stellt.
Damit Feedback auf fruchtbaren Boden fallen kann, sind diese Voraussetzungen hilfreich:
- Klare Rollen und Zuständigkeiten, aber auch klare Anforderungen an die Aufgaben: Wer weiss, was genau erwartet wird, kann sich entsprechend organisieren und engagieren.
- Regelmässige kurze Austauschzeiten einbauen: Fünf Minuten beim Zäunen oder beim Abpacken von Produkten reichen oft, um Wertschätzung auszusprechen oder auch um Korrekturen anzubringen.
- Vorbildfunktion: Betriebsleitende, die selbst offen für Feedback sind, ermutigen das Team, Rückmeldungen anzunehmen.
Ein gutes Betriebsklima lohnt sich immer
Anerkennung und Wertschätzung bringen viele Vorteile in den Betrieb und die dafür investierte Zeit lohnt sich nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch ökonomisch:
- Verbessertes Arbeitsklima und bessere Kommunikation im ganzen Team.
- Gestärkte Unternehmensbindung und Loyalität
- Erhöhte Motivation und Produktivität
- Verringerte Fehlzeiten der Mitarbeitenden
Eine geringere Fluktuation ist ein besonders wertvoller Nebeneffekt: Gerade saisonale Arbeitskräfte kommen gerne wieder, wenn sie Respekt, Wertschätzung und Anerkennung erfahren haben – als Mensch und als Arbeitskraft.
Lob und Wertschätzung sind nicht das Gleiche: aber beides ist wichtig!
| Lob | Wertschätzung |
| Eine konkrete Rückmeldung auf eine bestimmte Leistung oder Handlung. Es bezieht sich auf das Ergebnis oder den sichtbaren Erfolg einer Aufgabe. | Wertschätzung: Eine grundsätzliche Haltung gegenüber einer Person. Sie betrifft deren Persönlichkeit, Einsatz, Haltung und Rolle im Team – unabhängig von einer einzelnen Leistung. |
| Lob schaut auf das Was: Was wurde gut gemacht? Beispiel: «Du hast die Ballen heute sehr sauber gewickelt.» | Wertschätzung schaut auf das Wer und Wie: Wer ist die Person, und wie trägt sie dauerhaft zum Betriebsklima bei? Beispiel: «Ich schätze deine Zuverlässigkeit, du kannst auch unter Druck ruhig arbeiten.» |
| Lob ist situationsbezogen und oft spontan: Es folgt unmittelbar/zeitnah nach einer guten Leistung. | Wertschätzung ist kontinuierlich: Sie zeigt sich in der täglichen Haltung, in regelmässigen Gesprächen, in Respekt und Vertrauen gegenüber dem Menschen. |
| Lob motiviert kurzfristig, weil es eine Leistung anerkennt und verstärkt. | Wertschätzung baut langfristig Selbstwertgefühl und Loyalität auf, weil die Person spürt, dass ihre Gesamtheit als Mensch gesehen wird. |
| Nur Lob, ohne die Grundlage von echter Wert-schätzung, kann oberflächlich wirken: Mitarbeitende fühlen sich benutzt für Leistungen, aber nicht als Mensch wahrgenommen. | Nur Wertschätzung ohne Lob kann diffus bleiben: Die Leute wissen nicht, welche konkreten Handlungen erwünscht oder gefordert sind. |
So geht's
Einfache Grundregeln für Lob und Kritik – üben, ausprobieren, weiterkommen!
Lob und Anerkennung
- Konkret statt allgemein: «Die Futterration für die Milchkühe war optimal gemischt» wirkt stärker als «Gut gemacht»
- Zeitnah: Lob und Kritik verlieren die Wirkung, wenn es erst Wochen oder Monate später kommt
- Echt und ehrlich: Nur ehrliches Lob motiviert – Floskeln werden schnell durchschaut und wirken lächerlich
Konstruktive Kritik
- Ich-Botschaften und Fakten: «Mir ist aufgefallen, dass die Abschlüsse am Folientunnel nicht dicht waren» statt «Du hast wieder das Tor offen gelassen».
- Fakten und Verhalten ansprechen, nicht auf die Persönlichkeit zielen: «Der Schlauch war nicht richtig angeschlossen» statt «Du passt nie richtig auf».
- Wegweiser für die Korrektur des Fehlers benennen und bei Bedarf Unterstützung anbieten.
Checkliste für den Alltag für Teamleitende und Betriebsleitende
- Aufgabenpakete statt Einzelaufträge delegieren
- Klarheit schaffen für Aufgaben, Zuständigkeiten und Anforderungen
- Transparenz: Hintergründe für Entscheidungen aufzeigen, erklären
- Wenn möglich: jeden Tag (mindestens) eine authentische Anerkennung aussprechen
- Feedback/Kritik/ Lob immer zeitnah, konkret und in Ich-Form geben
- Wöchentlich kurze Teamgespräche einplanen
- Fehlerbesprechungen «normalisieren»: daraus lernen und weiterkommen
Quellen, die für diesen Beitrag genutzt wurden:
Die wahren Kündigungsgründe: Führung & Wertschätzung
Wertschätzung: Mehr als Belohnung und Lob
Eine tragfähige Feedbackkultur - Metawechsel
Lob vs. Wertschätzung : Agrarjobbörse