In den vergangenen Ausgaben über die «Hofgespräche» von ZMP, BBZN und LBV kamen vor allem die Landwirte zu Wort. Jetzt erzählen vier Frauen über ihre Aufgaben und ihr Tun auf dem Betrieb. Aber auch darüber, wie sie zurück in ihre erlernten Berufe fanden.

Klassische Rollenteilung

 

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Isabelle Odermatt vom Betrieb Ober Faden im nidwaldnischen Buochs und ihr Mann Marcel leben das traditionelle Modell. Isabelle ist zuständig für den Haushalt, die Kinderbetreuung, die Buchhaltung sowie den Garten. Natürlich sei sie zur Stelle, wenn ihr Mann Hilfe benötige.

 

Als Isabelle Odermatt auf den Hof ihres Mannes zog, sorgte ihre Schwiegermutter für die Direktvermarktung von Erdbeeren und Gemüse. Angedacht war, dass sie diese Aufgabe zukünftig mit ihrer Schwiegermutter teilte. «Doch bald bekam meine Schwiegermutter gesundheitliche Probleme und bei uns kam der Wunsch nach einem dritten Kind auf», erzählt sie im Gespräch. Für Isabelle war klar, dass sie alles zusammen nicht schaffen konnte. So haben sie vorerst das Gemüse aufgegeben und mit den Erdbeeren weiter gemacht.

Das Schlüsselerlebnis

Kurz darauf wurde die älteste Tochter von Familie Odermatt krank. Die Krankheit zog sich über einige Jahre hinweg. Als eines Tages die Erdbeeren wieder zum Ernten bereit waren, war für Isabelle alles zu viel. Sie kamen gemeinsam zur Entscheidung, die Erdbeeren aufzugeben. Als sich die Lage beruhigte, spürte Isabelle Odermatt, dass sie gerne in ihren erlernten Beruf als Hauspflegerin zurückkehren möchte. So arbeitet sie nebenbei noch 40 % auswärts.

 

Flexibilität ist gefragt

 

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Familie Dahinden bewirtschaftet den Betrieb Underberg in Schüpfheim, Luzern, als Betriebsgemeinschaft. Bäuerin Yolanda Dahinden sieht sich als Allrounderin. Wobei ihre Rolle auf dem Wachstumsbetrieb über das Klassische hinausgeht. Nebst Familie und Haushalt arbeitet sie auch im Stall und übernimmt bei Arbeitsspitzen das Melken. Dazu kommt eine 40 %-Stelle im Pflegebereich. Dann hat Landwirt Thomas Dahinden ein erweitertes Aufgabengebiet. «Es braucht einfach eine grosse Flexibilität von allen», sagt die Bäuerin. Ihre Anstellung «auswärts» gebe ihr einiges. Etwa Abwechslung, Arbeit in einem grösseren Team und Gespräche fernab vom Betriebsalltag. An den Hofgesprächen gab Yolanda Dahinden auch Auskunft über Freizeit. Reicht die Zeit dazu auf dem Familienbetrieb? «Wir können uns Auszeiten nehmen, es muss einfach gut geplant sein», sagte sie. Ferien seien eher knapp. Für sie stimme es so, wie es ist. Es brauche auch die Gabe, für kurze Momente abschalten zu können und sich an vermeintlich kleinen Dingen zu erfreuen. Und Freude hat sie auch, wenn sie in die Zukunft blickt. Ihr Sohn hat motiviert die Ausbildung zum Landwirt in Angriff genommen.

 

Ähnliche Ausgangslage

 

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Auch Bernadette Fleischli aus dem luzernischen Hildisrieden wusste, auf was sie sich einliess, als sie zu ihrem Mann auf den Hof zog. Hier wird die klassische Rollenverteilung gelebt. «Die Frauen auf dem Hof haben keine fixen Aufgaben im Betrieb», und damit meint sie sich und ihre Schwägerin. Die Brüder Fleischli agieren in einer Betriebsgemeinschaft. Doch genau diese Gemeinschaft kam Bernadette Fleischli zugute. Denn auch sie verspürte, nachdem die Kinder erwachsen geworden sind, den Drang, wieder in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten. Dank der Arbeitsteilung mit ihrer Schwägerin, die nun die Verpflegung von Lehrlingen und Angestellten übernommen hat, kann sie 40 % als Pflegerin im Altersheim arbeiten. «Die Situation ergab sich fliessend und ohne grosse Absprache – es hat einfach gepasst», meint Bernadette Fleischli.

 

Eine Intensive Zeit

 

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Die Schwägerin von Bernadette Fleischli, Yvonne Fleischli, hat drei Kinder im Alter von sechs, vier und zwei Jahren. «Im Moment nimmt die Kinderbetreuung ein grosses Zeitfenster in meinem Alltag ein», erzählt sie. Gerade das Kochen spielt bei ihr eine grosse Rolle. Ihr ist es wichtig, abwechslungsreich, ausgewogen und frisch zu kochen. Trotz all den Aufgaben und zeitintensiven Tagen, versucht sie, weiterhin ihrem geliebten Beruf als Floristin nachzugehen. Da sie selbstständig arbeitet, kann sie sich ihre Arbeitszeit gut einteilen. Aber auch bei ihr liegen die Hauptaufgaben beim Haushalt, dem Garten und der Pflege der Umgebung.

Zufriedenheit ist wichtig

«Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man zufrieden ist. Das liegt auch meinem Mann Roman sehr am Herzen, denn diese Zufriedenheit überträgt sich auf die ganze Familie und geht weiter auf den Betrieb.» Den Alltag als unglückliche Ehefrau und Mutter zu meistern, stellt sich Yvonne Fleischli doch schwierig vor.

Auch für die Paarbeziehung sei es bedeutend, besonders wenn man täglich nahe zusammen arbeitet, dass man über seine Befindlichkeiten und Wünsche offen sprechen kann. Nur so könne gemeinsam eine Lösung gefunden werden.