Die Sonne schien und für Mitte Oktober war es recht warm. Die Besucherinnen und Besucher der Olma hatten ihre Jacken abgelegt oder waren von vornherein nur im T-Shirt gekommen. Auch die 18 Schwarzbraunen Bergschafe, um die es in der Arena an diesem Nachmittag als nächstes ging, hatten es wohl nicht zu knapp warm in ihrem dichten Pelz. Allerdings nicht mehr lange, gleich wurden sie ihrer Wolle entledigt. Anlass dazu war der 34. Internationale Schafschurwettbewerb an der Olma in St. Gallen, der am 17. Oktober 2022 stattfand.

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Profis aus drei verschiedenen Ländern

Dabei traten sechs Profi-Schafscherer aus drei Ländern gegeneinander an: Aus Wales waren Nick Jones und Ewan Perrott angereist, aus Italien Domenico Scocozza und Massimo Fanchini, als Vertreter der Schweiz schliesslich kamen Benjamin Nef und Andy Fuchs. Jeweils drei Teilnehmer hatten gleichzeitig je ein Schaf zu scheren, dies dreimal hintereinander, währen die Stoppuhr lief. Auf das Kommando «Achtung, fertig und los» nahmen die Männer ein Schaf aus dem Pferch neben sich und setzten es vor sich hin. Zuerst kam der Bauch dran, dann Hals, Rücken und Bein. Die eingeübten Handgriffe und der passende Einsatz der Beine verriet, dass hier Profis am Werk waren. Obwohl das Tempo rasant war, arbeiteten sie ruhig und gezielt. In weniger als zwei Minuten waren die Schafe fertig geschoren, die nun um rund drei Kilogramm Wolle leichter waren.

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Bei Verletzungen gibt es Abzüge

«Dabei kommt es nicht nur auf die Schnelligkeit an. Gefragt sind auch eine saubere Arbeit und die Unversehrtheit des Tieres», sagte Sven Baumgartner vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG), der den Wettbewerb moderierte. Um dies zu überprüfen, war eine dreiköpfige Jury vor Ort, welche die Tiere nach der Schur inspizierte. Dabei wurde die Schafe auch auf kleinste Schnitte, die nicht sofort auffallen, überprüft. Stiessen die Juroren auf eine Fehlbarkeit, gab es Abzüge nach einem Punktesystem.

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Bei erfahrenem Umgang sind die Tiere ruhig

 «Schafe vertragen Wärme nicht gut, sie haben kühlere Temperaturen lieber», sagte Baumgartner. Um sich von ihrer dicken Isolationsschicht zu befreien, sollten sie ein- bis zweimal jährlich geschoren werden, jeweils im Frühling und allenfalls zusätzlich im Herbst. Je ruhiger und erfahrener der Umgang, desto ruhiger seien die Tiere während des Scherens, so der Fachmann.

Bei den Scherdurchgängen war keiner der Männer deutlich schneller als seine jeweiligen Konkurrenten. So blieb der Wettbewerb bis zum Schluss spannend. An der Rangverkündung zeigte sich dann, dass sich der «Alte Fuchs» durchgesetzt hatte, wie ihn Sven Baumgartner nannte: Andy Fuchs hatte mit insgesamt 4 Minuten und 23 Sekunden für total drei Schafe die Konkurrenten hinter sich gelassen. Der Profischerer aus dem thurgauischen Weinfelden nimmt seit über 30 Jahren am Schafschurwettbewerb an der Olma teil. «Eigentlich wollte ich den Anlass den Jungen überlassen, doch dann haben sie mich wieder eingeladen», sagte er lachend gegenüber der BauernZeitung. Zu seinem Sieg meinte er, es seien an diesem Tag alle Teilnehmer gleich gut gewesen. Fuchs schert pro Jahr mehrere Tausend Schafe, ihm gefalle an seinem Beruf, dass er immer unterwegs bei den Leuten sei und sich den Arbeitstag selbst einteilen könne.

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Nach dem eigentlichen Wettbewerb durften die Kinder aus dem Publikum in die Arena kommen, um sich die Wolle von den geschorenen Schafen abzuholen. Was sie damit anfangen wollten, fragte Sven Baumgartner. Ein Kissen damit füllen, lautete die Antwort eines der Kinder. Die um ihre Wolle erleichterten Schafe dagegen rannten zurück in ihr Gehege, um später in ihr Zuhause in Arth-Goldau zurückzukehren.

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Eine Schafschur in 18 Sekunden
Nick Jones und Ewan Perrot reisten bereits das vierte Mal in die Schweiz. Nicht nur, um am Schafschurwettbewerb an der Olma teilzunehmen, sondern auch, um für eine Weile als Schafscherer in der Innerschweiz tätig zu sein. «Pro Jahr scheren wir 30'000 bis 40'000 Schafe», sagte Ewan Perrott gegenüber der BauernZeitung. Dies vor allem in ihrer Heimat Wales, im Winter jeweils auch in Neuseeland. 18 Sekunden sei sein Geschwindigkeitsrekord bei der Schafschur, verriet Nick Jones. Welche Schafe finden die beiden am einfachsten zu Scheren? Diejenigen aus Wales, lautete die Antwort einstimmig. Aus dem Grund, weil deren Wolle wenig Lanolin enthält, also nicht sehr fettig ist.