Auf den Schweizer Bauernhöfen ist immer mehr modernste Technik zu finden, Melkroboter, Entmistungsroboter, automatische Fütterung. «Gerade letztere nimmt extrem zu», sagt Andreas Niederhäuser, Leiter des Melkforums an der HAFL. Wo mehr Technik im Einsatz ist, braucht es auch immer mehr spezialisiertes Personal. Der Fachkräftemangel in der Melk- und Hoftechnik beschäftigt die Branche schon länger. Ab Sommer 2026 reagieren die HAFL und die Melktechnikhersteller nun gemeinsam mit einem neuen Ausbildungsangebot. Lanciert werden sollen zwei neu geschaffene Lehrstellen: Automatikmonteur/in EFZ (3 Jahre) sowie Automatiker/in EFZ (4 Jahre) in der Melk- und Hoftechnikbranche.

Fachkräftemangel als Auslöser für neue Lehrstellen

«An unseren Sitzungen ist das Thema Personalmangel immer wieder auf den Tisch gekommen», erklärt Andreas Niederhäuser. «Wir haben schon länger darüber geredet, eine Lehre anzubieten – aber allein kann das die Branche nicht stemmen.» Die Lösung fand sich beim Dachverband der Schweizer Techindustrie Swissmem. «Dort gibt es mit dem Automatiker rund 800 Lehr-Abschlüsse pro Jahr und mit dem Automatikmonteur rund 350. Das ist für uns interessant, weil diese Ausbildung mit Elektronik, Pneumatik, Hydraulik und Automation sehr nah an unserer Tätigkeit ist», so Niederhäuser.

34 Betriebe bieten Lehrstellen an

Die Lehrstellen werden von verschiedenen Händlern angeboten. Insgesamt gibt es laut Niederhäuser 34 Betriebe aus der Branche, die Interesse haben, die Lehre anzubieten und nun Lernende suchen. «Betriebe, die bisher noch keine Lernenden ausgebildet haben, müssen dafür beim Kanton eine Bildungsbewilligung einholen.»

Breite Ausbildung zwischen Technik, Tier und Hygiene

Inhaltlich ist die Lehre bewusst breit angelegt. «Die Ausbildung wird sehr vielseitig sein. Man muss wissen, wie die Kuh funktioniert», betont Andreas Niederhäuser. «Die Palette reicht von Hygiene über Elektronik und Hydraulik bis zur Kältetechnik – das ist genug Stoff für eine Lehre.» Die überbetrieblichen Kurse (üK) werden am Melkforum stattfinden.

Dieses wird partnerschaftlich von Inforama und der HAFL geführt und ist das Kompetenzzentrum der Melktechnik in der Schweiz. «Im Auftrag des Schweizerischen Landmaschinenverbandes übernehmen wir die Aus- und Weiterbildung der Melkmaschinenkontrolleurinnen und -kontrolleure im ganzen Land», sagt Andreas Niederhäuser. «Gleichzeitig sind wir Ausbildungsstandort für die beteiligten Institutionen und Anlaufstelle für die gesamte Schweizer Melktechnikbranche.»

Technisches Interesse und Bezug zur Landwirtschaft gefragt

Bisher komme der Nachwuchs oft über Umwege. «Aktuell haben wir in der Melktechnik meistens Quereinsteiger. Viele haben einen landwirtschaftlichen Hintergrund oder sind gelernte Landmaschinenmechaniker.» Für die neue Lehre brauche es vor allem eines: «Technisches Interesse und ein Faible für die Landwirtschaft.»

Die Lehre kann auch als Zusatzlehre absolviert werden, wobei die kantonalen Berufsbehörden über den Umfang entscheiden. Zudem ist eine Weiterbildung geplant: «Wir wollen ein CAS Systemtechniker Melk- und Hoftechnik anbieten.»

Für Andreas Niederhäuser ist klar: «Der Bedarf an Fachkräften in der Melk- und Hoftechnik wird sicher nicht weniger.»

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