Wenn in Kallnach BE die Eichenfuhr stattfindet, steht das ganze Dorf Kopf. Das traditionsreiche Brauchtumsfest wird nur alle 20 Jahre durchgeführt und lockte während vier Tagen im Juni 2026 mehrere Tausend Besucherinnen und Besucher ins Seeland.

Ein Dorf im Ausnahmezustand

Nur wenige Anlässe vermögen in Kallnach eine derartige Begeisterung auszulösen wie die Eichenfuhr. Entsprechend gross war der Besucherandrang, als das traditionsreiche Fest nach zwei Jahrzehnten wieder durchgeführt wurde. 

Während vier Tagen verwandelte sich das Dorf in eine Festmeile, auf der Einheimische und Gäste gemeinsam eine Tradition feierten, die weit über die Region hinaus bekannt ist. Die Organisation lag in den Händen der Jungmannschaft Kallnach, die mit viel Engagement dafür sorgt, dass dieses einzigartige Kulturgut erhalten bleibt.

Die Eiche als Mittelpunkt

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten war der grosse Festumzug mit über 80 Bildern. Zahlreiche Gruppen präsentierten dabei Szenen aus dem Dorfleben, der Geschichte, der Landwirtschaft und dem Brauchtum. Den krönenden Abschluss bildete die prächtig geschmückte Eiche, die zuvor im Burgerwald ausgewählt worden war. 

Der beeindruckende Baum war 227 Jahre alt, rund 18 Meter lang und brachte etwa 12 Tonnen auf die Waage. Mit einem Holzvolumen von 11,3 Kubikmetern war er ein würdiger Hauptdarsteller des Festes.

Spannende Versteigerung

Nach dem Umzug wurde die Eiche auf dem Festplatz versteigert. Das Startgebot orientierte sich an der Postleitzahl von Kallnach und lag bei 3283 Franken. Mehrere Unternehmen beteiligten sich an der Versteigerung, wodurch sich ein lebhaftes Bietergefecht entwickelte. 

Schliesslich erhielt der Verein Moonlight aus Kallnach den Zuschlag für 57 500 Franken. Aus dem wertvollen Holz sollen künftig unter anderem öffentliche Sitzbänke entstehen. Der Erlös kommt der Jungmannschaft zugute und ist zugleich eine Anerkennung ihres grossen ehrenamtlichen Einsatzes.

Eine Tradition, die verbindet

Die Eichenfuhr ist seit dem Jahr 1889 dokumentiert und dürfte noch deutlich ältere Wurzeln haben. Mit ihren Maskenfiguren, Pferdefuhrwerken und der feierlichen Versteigerung der Eiche schlägt sie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. 

Gerade in einer Zeit, in der Traditionen vielerorts an Bedeutung verlieren, zeigt Kallnach eindrücklich, wie lebendig Brauchtum sein kann. Die Eichenfuhr bleibt damit weit mehr als ein Fest – sie ist ein Symbol für den Zusammenhalt und die Identität eines ganzen Dorfes.