Flurbegehung im Thal: «Im Dinkel Hände weg von Hühnermist»
Rund sechzig Landwirtinnen und Landwirte aus der Region nahmen am Anlass vom 5. Mai in Balsthal SO teil, zu dem Bezirksvereinspräsident Reto Gautschi eingeladen hatte. Balsthal liegt hinter der ersten Jurakette und ist geprägt von wechselnden klimatischen Bedingungen sowie vielfältigen Produktionsstandorten. Entsprechend breit war auch das Themenspektrum an drei Fachposten der Beraterinnen Barbara Graf und Sabine Kürmann vom Bildungszentrum Wallierhof.
Schädlinge setzen dem Raps zu
Auf der Extenso-Rapsparzelle mit einer frühblühenden Sorte erläuterte Barbara Graf die diesjährige Pflanzenschutz- und Düngungsstrategie. Der Raps hatte allgemein mit starkem Schneckendruck zu kämpfen. Weil sich 2024 grosse Schneckenpopulationen aufbauen konnten, waren 2025 vielerorts Schäden nach der Saat sichtbar.
Auf der besichtigten Parzelle wurden lediglich einmal Schneckenkörner am Rand eingesetzt. Unterstützend wirkten dabei wohl das zweimalige Grubbern sowie der Einsatz von Branntkalk, dessen ätzende Wirkung gegen Schnecken hilft. Gedüngt wurde der Raps insgesamt mit 150 Kilogramm Stickstoff in drei Gaben – einmal im Herbst und zweimal im Frühling. Ergänzend kamen 66 Kilogramm Schwefel zum Einsatz, da Raps einen hohen Bedarf an Schwefel hat.
Ein wichtiges Thema war auch der Rapsglanzkäfer. Bekämpft wurde dieser mit Surround, einem biologischen Präparat auf Kaolinbasis. Das Mittel bildet einen weissen Partikelfilm auf der Pflanze und wirkt als physikalische Barriere. Die Käfer werden dadurch am Fressen und an der Eiablage gehindert. Allerdings wird der Schutz bei starkem Regen rasch abgewaschen, weshalb die Behandlung nach Möglichkeit wiederholt werden muss.
Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle
Die Witterung spielte dieses Frühjahr beim Raps eine entscheidende Rolle: Schlechtwetterphasen mit starken Temperaturschwankungen führten teilweise zu physiologischer Welke und zum Abstossen von Schoten. Gleichzeitig verlängerte sich durch die kühle Phase nach Ostern die Zeitspanne zwischen dem Stadium DC 53 und der Blüte um rund eine Woche im Vergleich zum Vorjahr. Dadurch konnten Rapsglanzkäfer länger Schäden verursachen, was zu verstärktem Schotenausfall führte.
Auch der Stängelrüssler war ein Thema. Laut Barbara Graf treten Schäden eher bei gestressten Pflanzen auf. Entscheidend sei nicht die Anzahl gefangener Käfer, sondern der tatsächliche Larven-Befall im Bestand, der anhand der typischen Löcher im Stängel festgestellt werden müsse. Erfahrungsgemäss treten etwa jedes zweite Jahr höhere Stängelrüssler-Populationen auf.

Pflanzenschutz muss wirtschaftlich bleiben
Barbara Graf ging auch auf die Wirtschaftlichkeit verschiedener Pflanzenschutzstrategien ein. Verglichen wurden drei Varianten: eine intensive «Versicherungsstrategie» mit hohem Pflanzenschutzaufwand, eine Standardstrategie sowie eine Extenso-Variante. Ihr Fazit: Auf ertragsstarken Standorten könne eine intensive Strategie wirtschaftlich sinnvoll sein. Bei begrenztem Ertragspotenzial seien jedoch reduzierte Pflanzenschutzmassnahmen oft rentabler.
Neu aufmerksam machen musste die Beraterin zudem auf die Warntafeln entlang von Feldern nach Pflanzenschutzmittelanwendungen. Ob eine solche Tafel obligatorisch ist, hängt vom eingesetzten Mittel, der Kultur und dem Zeitpunkt der Anwendung ab. Die Produzenten müssen sich deshalb vor jedem Einsatz genau informieren.
Beim Dinkel entscheidet die Standfestigkeit
Bei den Getreideposten stand zunächst Dinkel im Fokus. Die Vorfrucht war Silomais beziehungsweise Kunstwiese. Auffällige Unterschiede zwischen den Vorfruchtparzellen waren nicht sichtbar. Der Boden wurde nach Kunstwiese mit dem Rototiller und nach Mais mit dem Grubber bearbeitet, danach erfolgte die Saat ohne Glyphosateinsatz mit einer Kombisämaschine.
Die Saatmenge lag bei 170 Kilogramm pro Hektare. Gedüngt wurde bewusst nicht, um Lagergetreide zu vermeiden, denn Dinkel gilt als besonders lageranfällig. Barbara Graf warnte deshalb ausdrücklich vor zu hohen Stickstoffgaben – insbesondere beim Hofdünger-Einsatz: «Im Dinkel Hände weg von Hühnermist», lautete ihre klare Empfehlung.
Ebenso wichtig sei eine gute Feldhygiene, um Fusskrankheiten und damit Lagerfrucht zu vermeiden. Interessant war auch der Hinweis auf das Walzen von Dinkelbeständen: Wenn der Bestand zu dicht wachse, könne zwischen Schossen und dem ersten Knotenstadium mit der Glattwalze gearbeitet werden. Dadurch entstünden dickere und stabilere Halme. Ein späterer Einsatz sei jedoch riskant, da die Halme dann geknickt würden.
Beide Getreideparzellen wurden mit Talis gegen Gräser behandelt. Gegen breitblättrige Unkräuter und Blacken kamen Ally-Power und das Haftmittel Gondor zum Einsatz. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass für Ally-Power eine Aufbrauchfrist bis zum 1. Oktober 2027 gilt.
Winterweizen: Schöne Bestände ohne zusätzliche N-Gabe
Auf der Parzelle mit Winterweizen steht die Sorte Montalbano im Stadium DC 37 (Fahnenblatt sichtbar). Die Vorfrucht war Raps. Vor der Saat im Oktober 2025 erfolgten zwei Grubber-Durchgänge. Gedüngt wurde Ende Februar mit 60 Kilogramm Stickstoff und Anfang März zusätzlich mit Gülle, ebenfalls im Umfang von rund 60 Kilogramm Stickstoff. Der Bestand präsentiert sich so gut, dass auf eine zusätzliche Ährenschiebegabe verzichtet werden kann.
Interessant waren auch die Ausführungen zur Sortenwahl. Montalbano hat bei den Topsorten zuletzt Marktanteile verloren. Deutlich häufiger gesät wurden Nara und insbesondere Cadlimo, dessen Anbaufläche stark zulegte. Cadlimo erzielt im Extensoanbau laut Barbara Graf höhere Erträge als sämtliche 1. Klasse-Sorten. Als Alternativen wurden Caminada, Diavel oder deren Mischung Isuela genannt. Diese Sorten müssen jedoch vorsichtiger gedüngt werden, da sie weniger standfest sind als Montalbano.
Problemwiese auf schwerem Boden
Am dritten Posten widmete sich Sabine Kürmann einer Naturwiese mit minderwertigem Pflanzenbestand. Die schattseitige Parzelle liegt in kupiertem Gelände auf schwerem Boden mit mehr als 34 Prozent Tonanteil und einem pH-Wert von 6,0.
Die Nutzung beschränkt sich aktuell auf einen guten Haylage-Schnitt Mitte Mai sowie zwei schwache Emd-Erträge. Ergänzend wird die Fläche im Herbst beweidet, sofern die Witterung es zulässt.

Der Bestand besteht vor allem aus minderwertigen Gräsern mit wenig Kleeanteil. Sabine Kürmann empfahl nach dem ersten Schnitt einen intensiven und scharfen Striegeleinsatz sowie die Übersaat mit SM444U. Diese Mischung könnte sich an den schwierigen Standort anpassen. Im kommenden Frühjahr sollte die Schnittnutzung vor dem Absamen der Ungräser vorgenommen werden. Zusätzlich sollte die Calciumversorgung verbessert werden, beispielsweise durch Aufkalkung mit Ricokalk.
Als radikalste, aber erfolgversprechendste Lösung empfiehlt sie eine vollständige Neuansaat mit SM 444 nach vorherigem Abspritzen der Fläche. Die Bewirtschaftungsstrategie auf dieser herausfordernden Parzelle gelte es grundsätzlich zu überdenken, daran ändere auch eine Neuansaat nichts.
Erdmandelgras bleibt ein grosses Risiko
Zum Abschluss erinnerte Sabine Kürmann an die Meldepflicht bei der Sichtung von Erdmandelgras. Die problematische Pflanze verbreitet ihre Mandeln leicht mit der anhaftenden Erde an Maschinen und kann grosse wirtschaftliche Folgen verursachen. Wird ein Befall festgestellt, müssen die verwendeten Maschinen nach jedem Einsatz vollständig gereinigt werden. Lohnunternehmen können darum sogar die Ernte befallener Parzellen verweigern.
Die Flurbegehung im Thal zeigte eindrücklich, wie stark Wetter, Pflanzenschutz, Düngung, Sortenwahl und Bestandesführung zusammenspielen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass wirtschaftliche Überlegungen heute genauso wichtig sind wie pflanzenbauliches Fachwissen.

