Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 12:00 Uhr und
13:30 - 17:00 Uhr

 

Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 12:00 Uhr und
13:30 - 17:00 Uhr

 

Humus ist gut für Boden und Klima – aber nicht die Lösung der Treibhausgas-Probleme

In einem Faktenblatt erklärt Agridea, welche Möglichkeiten es gibt, um Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Böden zu speichern und welche Effekte davon zu erwarten sind. Wichtig wäre, den Humusabbau zu stoppen – das ist aber nicht so einfach.


Viel Humus im Boden – das ist gut. Diese Feststellung stimmt, Humus oder genauer die Organische Bodensubstanz OBS beeinflusst das System Boden allgemein positiv: Wasser- und Nährstoffhaushalt werden verbessert und Bodenleben wie Pflanzenwachstum unterstützt. Der Untergrund wird leichter durchwurzel- und bearbeitbar. Was Humus als Klimaretter abgeht, liegen manche Hoffnungen allerdings zu hoch, wie aus dem Faktenblatt «Humus und Klima» von Agridea hervorgeht. 

Den Abbau zu stoppen, birgt Konfliktpotenzial

Bei der Speicherung von Kohlenstoff im Boden ist das oberste Gebot: Erhalten was da ist, betont Agridea. Gerade aus organischen Böden (ehemalige Moore) entweichen vor allem durch die landwirtschaftliche Nutzung grosse Mengen des einst gebunden Kohlenstoffs als CO2. Hier müsse der Abbau gestoppt oder zumindest verlangsamt werden. Das wird aber schwierig, denn zur Auswahl stehen meliorative Massnahmen (z. B. Tiefpflügen oder Tiefrotieren) mit umstrittener Wirkung, Überführung in Dauergrünland oder die Bewirtschaftungsaufgabe mit Wiedervernässung. Letztere Massnahmen brächten angesichts der sehr fruchtbaren und entsprechend z. B. für die Gemüseproduktion genutzten Flächen einen gesellschaftlichen Zielkonflikt mit sich. 

Ob sich der Anbau von Nassreis dank der damit verbunden vorübergehenden Wiedervernässung eignet, um den Kohlenstoffabbau in organischen Böden zu stoppen, wird derzeit untersucht. 

Der Humusaufbau ist ein Abbau

Bevor man über die Wirkung von Humus sprechen kann, muss man dieses Material definieren. Gemäss Agidea gibt es Unterschiede dabei, was man unter Humus versteht:

Organische Bodensubstanz (OBS): Alles Material im Boden, das aus Pflanzen, Tieren, Pilzen oder Mikroorganismen entstanden ist. Das Gegenstück sind mineralische Bodenbestandteile wie Gesteine oder Tonminerale. OBS entsteht durch den stetigen Abbau von organischem Material: Werden Pflanzenreste zersetzt, wird daraus im Wesentlichen CO2. Nur ein kleiner Rest bleibt bei dieser Verdauung übrig und wird zur OBS (im Wesentlichen mikrobielle Biomasse und deren Überreste). 

Organischer Bodenkohlenstoff (C org): Der in der OBS enthaltene Kohlenstoff. Diese Grösse lässt sich im Gegensatz zur OBS leichter messen.  

Wie schnell organisches Material zu organischer Bodensubstanz umgewandelt wird und wie stabil die OBS gegenüber biologischem Abbau ist, hängt von Umweltfaktoren wie dem Bodentyp und der Bewirtschaftung ab. Der Abbau von OBS bedeutet, dass der gespeicherte Kohlenstoff durch Mikroorganismen veratmet wird und als CO2 entweicht. 

Aufbau fördern oder Kohle einbringen

Um Kohlenstoff in mineralischen Ackerböden zu binden, gibt es zwei Vorgehensweisen:

Natürlichen Aufbau der OBS fördern: Kohlenstoffreicher organischer Dünger (Mist- und Grüngutkompost, Erntereste) bringt das Ausgangsmaterial, möglichst permanente Begrünung oder Bodenbedeckung, reduzierte Bodenbearbeitung und humusfördernde Fruchtfolgen begünstigen die Kohlenstoffspeicherung. 

Pflanzenkohle in den Boden einarbeiten: Theoretisch gibt es keine natürliche Fassungsgrenze des Bodens für Pflanzenkohle, je nach Menge verändert sie aber die physikalischen Eigenschaften des Untergrundes und beeinflusst daher die Bodenökologie. Mit Pflanzenkohle kann man schneller, verlustarm, stabil und in grösseren Mengen Kohlenstoff im Boden speichern.

Fallstricke bei der Pflanzenkohle

Die Pyrolyse von Pflanzenmaterial, mit der Pflanzenkohle hergestellt wird, ist teuer. Damit ist da Material selbst auch bisher nur zu einem hohen Preis zu haben (laut Agridea im Handel für bis zu 1'300 Franken pro Tonne). Diese Kosten lassen sich heute nicht mit dem Erlös aus CO2-Zertifikaten decken, selbst wenn diese noch stiegen sollten. Daher sieht man den Einsatz von Pflanzenkohle vorerst eher für die gezielte Bodenverbesserung oder als Futter- oder Einstreuzusatz im Stall. Erfahrungen mit Pflanzenkohle im Stall hat Milchproduzent Marco Brandenberg aus  Buch a. Irchel ZH. 

Wichtig ist, Pflanzenkohle von guter Qualität zu kaufen. Sonst drohen Anreicherungen von Schwermetallen oder polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die sich kaum mehr aus dem Boden entfernen lassen. Wer Pflanzenkohle verkaufen will, braucht allerdings vom Bundesamt für Landwirtschaft eine Bewilligung, in deren Rahmen auch die Qualität des Produkts beurteilt wird.  

Damit die Pflanzenkohle nachhaltig ist, muss man den Kohlenstoffkreislauf im Auge behalten. Konkret heisst das, es darf nicht an anderer Stelle zu einem Abbau von gebundenem Kohlenstoff (z. B. durch die unnachhaltige Nutzung von Gehölzen) kommen, um Material für die Pyrolyse zu bekommen. 

Nicht die zentrale Aufgabe des Bodens

Bei der Bodenbewirtschaftung sollte, wie Agridea schreibt, die Sicherstellung eines funktionierenden Ökosystems und die Förderung der Bodenfruchtbarkeit im Zentrum stehen – nicht die kostengünstige CO2-Versenkung. 

Da der OBS-Gehalt in Landwirtschaftsböden heute noch unter dem Optimum für Pflanzenbau und Bodenökologie sei, wird gezielter Humusaufbau aber empfohlen. Dass dabei auch Kohlenstoff gespeichert wird, sei ein «willkommener Nebeneffekt». 

Keine Lösung für die Treibhausgasemissionen

Auch wenn Humus bisweilen als Klimaretter gehandelt wird, die Angaben aus dem Agridea-Faktenblatt zeigen deutlich: Das Potenzial zur Kompensation von Treibhausemissionen durch die Speicherung von Kohlenstoff im Boden ist sehr beschränkt. Man rechet mit einem Wert im tiefen einstelligen Prozentbereich der aktuellen jährlichen Emissionen in der Schweiz – selbst bei optimistischen Annahmen. 

Böden sind heute CO2-Quellen

Hinzukommt, dass Schweizer Böden heute eher eine Quelle für Treibhausgase als eine Senke sind. Dafür sind hauptsächlich die acker- und futterbaulich genutzten Torfböden verantwortlich. Sie dürften in dieser Hinsicht  gemäss Agridea einen grösseren Effekt haben als alle anderen Ackerböden über die CO2-Speicherung beitragen könnten. Umso wichtiger wäre es, den weiteren Abbau des Kohlenstoffs aus ehemaligen Torfböden zu stoppen. 

Auch die Idee, mit im Boden gespeichertem Kohlenstoff über den Zertifikatshandel Geld zu verdienen, ist nur schwer umsetzbar. Einerseits fehlen dazu teilweise die gesetzlichen Grundlagen, andererseits sind die Anforderungen für den Erhalt von Emissions-Zertifikaten mit Humusprojekten schwer zu erfüllen. 

Emissionen müssen reduziert werden

«Grundsätzliche Bedenken bezüglich Treibhausgas-Kompensation müssen berücksichtigt werden: Zur Abwendung der drohenden Klimakatastrophe wird Kompensation nicht ausreichen und auch die politischen Klimaziele lassen sich damit alleine nicht erreichen. Es braucht eine drastische Reduktion der Emissionen», schliesst das Faktenblatt. 

 Mehr lesen

War dieser Artikel lesenswert?
Kommentar erfassen
Regenerative Landwirtschaft: Humusaufbau gegen Klimakrise
15.09.2020
Mit der Umwandlung von Humusgehalt in CO2-Zertifikate lässt sich für Landwirte Geld verdienen. Die wichtigste Motivation zum Humusaufbau ist aber die Bodenfruchtbarkeit und die Sicherung der Ernten.
Artikel lesen
In Zukunft wird die Wasserversorgung unzuverlässiger. Ein humusreicher Boden kann Wasser besser absorbieren, davon sind Wolfgang Abler, Joe Santo und Benjamin Seitz überzeugt. CO2-Zertifikate aus Humus Joe Santos Firma bodenproben.ch sticht im ganzen Land verschiedenste Bodenproben. Humusproben machen sie für die deutsche Firma Carbocert. Carbocert entwickelte ein Verfahren zur Umwandlung von ...
Werbung
Leser-Schnappschüsse Weitere Schnappschüsse Senden Sie uns Ihre Schnappschüsse!
Folgen Sie uns